Wespels Wort-Wechsel

Mama und Bobo

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manfred wespel

Manfred Wespel über das Bedürfnis nach Verdopplungen

Die ersten Wörter, die ein Kind im Alter von etwa einem Jahr spricht, sind nicht etwa „Bürste“ oder „Mütze“ und schon gar nicht „Karottenbrei“ oder „Kinderwagen“, selbst wenn all das wichtige Gegenstände in seinem Leben sein mögen. Am Anfang steht meist eine Verbindung von einem Konsonanten (m,n,b,p,d,t,g,k) mit einem Vokal (a,e,i,o,u,au): ma, pa, da. Meist wird dieser Einsilber dabei verdoppelt: Mama, Papa, Wauwau, Muhmuh. Dazu kommen dann bald auch Pipi, Kaka, Popo und Wehweh.

Aha aha aha da da da.“

Dieses Prinzip wird auch in der Kinderliteratur aufgegriffen, und viele Figuren haben Namen mit dieser einfachen Doppelform: Bobo (Siebenschläfer), Bibi (Blocksberg), Momo, Dodo, Fufu, Toto, und selbst in der Namengebung für reale Personen finden sie sich, von Nana, Lulu und Sissi bis hin zu Gaga.

Manchmal sind normale Wörter aus einer Silbe zu wenig nachdrücklich, dann greifen wir auch zu Verdopplungen bzw. Wiederholungen: „Na, na, wer wird denn hier so drängeln!“ – „So, so, dein Wecker hat nicht geklingelt.“ – „Ja, ja, immer sind die anderen Schuld.“ – „Ne, ne, nicht mit mir!“ Da lobe ich mir doch Wörter wie „Klassenraumorganisationpaket“ oder „Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“, da hier das Bedürfnis nach einer Verdopplung äußerst gering ist.

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