Manchmal fast rockig

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Eröffnungskonzert Philippe Jaroussky & L’Arpeggiata | Frankreich, „Himmelsmusik“ – Arien, Duette und Concerti der Barockzeit
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Stehende Ovationen gab es beim Eröffnungskonzert des 34.Festivals. Warum sie verdient waren.

Schwäbisch Gmünd

Stehende Ovationen, rauschender Applaus und Zugaben über Zugaben: So endete das Eröffnungskonzert des 34. Festivals Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd in der Augustinuskirche.

Das Programm, überschrieben mit „Himmelsmusik“, präsentierte Werke des 16. und 17. Jahrhunderts, die laut Programmheft „der Widerschein der himmlischen Musik im hymnischen Gotteslob und Dank, … aber auch Klage und Verzweiflung über Gottesferne“ verbindet.

Man hätte sich keinen schöneren Ort als die Augustinuskirche wünschen können für das, was Countertenor Philippe Jaroussky und Sopranistin Céline Scheen mit dem Ensemble L’Arpeggiata auf ihren Barockinstrumente erklingen ließen. Im jubilierenden Einstieg ins Konzert „Der „Sionitin Wiegenlied“ waren die virtuosen Koloraturen des Countertenors und der Sopranistin kaum voneinander zu unterscheiden. Hell und vielfarbig die Interpretationen der Stimmen und Instrumente.

Das Ensemble L’Arpeggiata, von Christina Pluhar 2000 gemeinsam mit virtuosen und künstlerisch herausragenden Musikern gegründet, hat sich der Musik des 17. Jahrhunderts verschrieben. Umwerfend das Solo von Diana Vinagres Barockcello in Johann Sebastian Bachs „Prélude aus der Suite Nr. 2 d-Moll“. Oder Doron Sherwin auf dem Zink, einem Blasinstrument des 17. Jahrhunderts, in „Incerto Chiacconna“.

Manchmal „vergaßen“ die Instrumentalisten das ‚Bar’ von Barock und spielten fast rockige Rhythmen, die hervorragend zu den alten Werken passten. Sängerin und Sänger sowie Instrumentalisten waren Hingabe und Freude am Klang anzuspüren. Das Zusammenwirken von Countertenor und Sopran entwickelte sich spielerisch.

Ein besonderer Höhepunkt war der 50. Psalm in Claudio Monteverdis „Laudate Dominum“. Hier erreichte Sopranistin Céline Scheen fast spitze Höhen. Schade, dass das feine Spiel in den Solopartien der Barockviolinen die etwas trockene Akustik der Augustinuskirche „verschluckte“. Die Augen sahen, was das Ohr nicht erfassen konnte: das Zupfen der Saiten. Hervorragend die Disziplin, die heute beliebten Vibrati auszulassen, denn im Barock waren sie verpönt.

Zum Finale erwies sich der Zinkspieler als Kopist der Sänger und sorgte gemeinsam mit dem Duo für eine humorvolle Einlage voll Gesang, Mimik und Gestik, was helle Begeisterung beim Publikum hervorrief.

Europäische Kirchenmusik in der kommenden Woche:

Mittwoch, 20. Juli 20.00 Uhr, Augustinuskirche: Kammerchor Stuttgart und Frieder BerniusDonnerstag, 21. Juli20.00 Uhr, Münster: Dresdner Kreuzchor und Roderich KreileFreitag, 22. Juli18.30 Uhr, Münster: Orgelkonzert mit Wolfgang Zerer (Hamburg) 21.00 Uhr, Johanniskirche: Bazar Bla Trio (Schweden)Samstag, 23. Juli20.00 Uhr, Augustinuskirche: Vokalband SLIXS (Leipzig)Sonntag, 24. Juli10.30 Uhr , Münster: Gemeindegottesdienst mit dem Münsterchor17.00 Uhr, Wallfahrtskirche Hohenstadt:Le Concert de L'Hostel Dieu (Lyon)

Eröffnungskonzert Philippe Jaroussky & L’Arpeggiata | Frankreich, „Himmelsmusik“ – Arien, Duette und Concerti der Barockzeit
Eröffnungskonzert Philippe Jaroussky & L’Arpeggiata | Frankreich, „Himmelsmusik“ – Arien, Duette und Concerti der Barockzeit

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