Manfred Fromme witzelt über Behinderte

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Der Comedian Manfred Fromme in der Stadthalle Aalen.
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Bei seinem Auftritt

Aalen. Eine Hand wäscht die andere: Dieses Sprichwort trifft auf Martin Fromme definitiv nicht zu, denn er hat nur eine Hand. Wenn jemand Witze über Behinderte machen darf, dann wohl er, nach eigenen Angaben Deutschlands einziger asymmetrischer Komiker. Er war beim Kleinkunst-Treff in der Aalener Stadthalle zu Gast.

„Ihr seht, an meinem Körper stimmt was nicht.“ Martin Fromme kennt die Bedenken des Publikums in seinen Shows. Die befangene Atmosphäre am Anfang. Die Frage, ob es politisch korrekt ist, über Behinderte zu lachen. „Da müssen wir jetzt durch“, meint er und erzählt aus seinem Leben mit nur einem Arm. Warum er zum Beispiel Komiker geworden ist. „Als Behinderter wird man ohnehin immer angeguckt“, sagt er, „ich lasse mich gern angucken, aber die Leute sollen dafür bezahlen.“

Was fehlt Ihnen denn? Diese Frage habe ihm ein Arzt noch nie gestellt, bekennt Fromme. Und wenn ihm vorgeschlagen wird, sein Handicap zu verbessern, ist er strikt dagegen. Ist schließlich „seine Geschäftsgrundlage“. Ein Vorteil, der auch bei Frauen gut ankommt: „Die denken, das ist ein Typ, der nicht klammert.“

Inklusion ist ein Top-Thema für den Mann aus Wanne-Eickel im Ruhrgebiet. Irgendwie negativ angehaucht, findet der Komiker, niemand wisse, wie es funktioniert. Daher schlägt er vor, statt Inklusion lieber „all inklusive“ zu verwenden. „Das will jeder haben.“

Zur Erweiterung seines Portfolios und weil es noch keine inklusiven Liedermacher gibt, ist Fromme auch musikalisch aktiv. Er ist ein begabter Sänger und präsentiert in Aalen seine Top 5 – bekannte Hits mit neuen Texten. So wird aus „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel „Hallo, ich hab Parkinson“ und aus „Let it be“ von den Beatles „Epilepsie“.

Martin Fromme nimmt Behinderte und Nichtbehinderte pointiert aufs Korn. Auf der Leinwand im großen Saal präsentiert er Stilblüten aus der Presse, außerdem Fotos von viel zu steilen Rampen für Rollstuhlfahrer und unzugängliche Behindertenparkplätze. Und Videos, wie er mit versteckter Kamera unterwegs ist.

Manche Witze treffen nicht jedermanns Geschmack. Einige Besucher verlassen die Veranstaltung in der Pause. Ohnehin sind viele Stühle frei, was wohl der Pandemie geschuldet ist. Gar nicht gut kommt das Gedicht über die Euthanasie in der Nazizeit an, in dem der „schöne Tod“ beworben wird. Da bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Fromme schwenkt schnell um und wechselt das Thema. Lässt Günther, seinen „ehemaligen siamesischen Zwilling“ auftreten und macht Werbung für seine Bücher und T-Shirts. Er verabschiedet sich mit einem Lied und kommt nach herzlichem Applaus für eine Zugabe noch einmal auf die Bühne.

Beate Krannich

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