Markus Maier: Wie man Kunst von hinten schafft und warum sie was für Entdecker ist

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Im Landratsamt Ostalbkreis in Aalen ist "Reziproke Malerei" von Markus Maier zu sehen.

Die „Reziproke Malerei" im Landratsamt Aalen zeigt, wie man auf umgekehrten Weg eindrucksvolle Werke schaffen kann.

Aalen. Ist das Stoff? Oder Farbe? Stoff aus Farbe? Wie genau entstehen diese plastischen Strukturen, die mal an organische Zoten, mal an Landschaften denken lassen? Die Kunst von Markus Maier lädt die Sinne ein, sie genau zu entdecken, zu erforschen. Und so geht der ein oder andere Betrachter am Donnerstagabend bei der Ausstellungseröffnung im Landratsamt Aalen ganz nah an die Bilder heran. Kneift die Augen zusammen, wechselt die Perspektive, erforscht mit scharfem Blick die Werke.

Markus Maier ist der Erste - zunächst einmal im Kulturprogramm 2023 des Ostalbkreises. Der feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Auch mit Kunst, wie Landrat Dr. Joachim Bläse bei der Begrüßung der Gäste der Ausstellung „Reziproke Malerei“ betont. Maier ist gebürtiger Aalener, auch wenn er nun in Warendorf lebt. Und Maier ist auch der Erste, der diese Kunstform kreiert hat. Er hat sie quasi erfunden und sogar ein Patent dafür erworben, wie er im Künstlergespräch mit Karl Kurz erklärt.

Der Dezernent ist für die erkrankte Ines Mangold-Walter eingesprungen, die die Ausstellung organisiert hat. Begleitet wird deren Eröffnung vom nachdrücklichen Spiel des Schwäbisch Gmünder Konzertpianisten Michael Nuber. „Wenn sie spielen, dann wirkt Malerei immer besonders“, sagt Bläse. Nuber treffe immer die Stimmungslage der Kunst.

Kunst, die in diesem Fall auch mit Mathematik verbunden ist. Zumindest was die Bezeichnung „reziprok“ betrifft, wie Maier auf Nachfrage erklärt. In der Mathematik beziehe reziprok sich auf den Kehrwert einer Zahl, im übertragenen Sinn bedeute das für seine Arbeitsweise wechselseitig. Von der Rückseite her schaffe er seine Werke, so Maier. Geprägt habe aber nicht er die Bezeichnung, sondern ein Museumsleiter.

Entdeckt habe er den „reziproken“ Effekt durch einen Zufall bei seiner Arbeit, erklärt Künstler. Als Schwabe habe er dann gedacht, dass man daraus ja mehr machen könne. „Es hat mich in den Bann geschlagen“, sagt Maier. Seit zehn Jahren arbeite er nur noch so. Angefangen habe er mit Jute als Träger, heute arbeitet Maier auch mit fein- oder grobmaschiger Leinwand oder etwa Glasfasernetz. Von hinten trägt er das Silikon auf, schafft in mehren Arbeitsschritten Strukturen, bringt auch Farbpigmente ein. „Nicht jedes Gewebe, jede Pore ist gleich“, sagt der Künstler. Die Umgebung, Luftfeuchtigkeit, als das unterliege dem Wechsel. Nicht jedes Detail sei so exakt planbar: „Der Zufall spielt immer mit“, erklärt er. Die Arbeit sei wie die eines Chirurgen - und die eines Schmiedes.

Entdeckt habe er, dass die Farbpixel, wie er die struktur- und bildgestalteten oft winzigen Blasen, Finger oder Punkte aus Silikon bezeichnet, sich im Lauf der Zeit verändern. „Wenn ich sie mir anschaue, werden sie immer interessanter.“ Erst nach drei, vier Jahren würden die Veränderungen abgeschlossen sein.

Trotzdem: seine Werke seien haltbar, so der Künstler zu einer Frage aus dem Publikum. Sie tragen keine Titel, sondern Nummern, erklärt er weiter.

Da macht auch seine 145 x 100 Meter große Pietà keine Ausnahme. Nummer 57. Es ist das auffälligste Werk in der Ausstellung, die insgesamt 63 sehr unterschiedliche Werke zeigt - allesamt bestens geeignet für den genauen Blick und das Erforschen von Material und Struktur.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 3. März im Foyer des Landratsamtes Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 12.15 Uhr.

Im Landratsamt Ostalbkreis in Aalen ist "Reziproke Malerei" von Markus Maier zu sehen.
Im Landratsamt Ostalbkreis in Aalen ist "Reziproke Malerei" von Markus Maier zu sehen.
Im Landratsamt Ostalbkreis in Aalen ist "Reziproke Malerei" von Markus Maier zu sehen.
Markus Maier Reziproke Malerei Foto: HAG

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