Meisterwerke vom Meisterdirigenten

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Dirigent Joshua Rifkin und die Interpreten von „The Bach Ensemble“ erfüllten den Saal im Gmünder Stadtgarten mit Tönen, die jeglichen Alltag vergessen ließen.
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Joshua Rifkin mit dem Preis der Europäischen Kirchenmusik im Congress Centrum Stadtgarten nach Konzert ausgezeichnet.

Schwäbisch Gmünd. Ein Konzert, wie man es sich wünschen würde, aber dann doch überrascht ist, wenn es wirklich zu hören ist. So erging es dem Publikum im Stadtgarten mit Motetten und geistlichem Konzert von Heinrich Schütz. Dirigent Joshua Rifkin und die sieben Interpreten von „The Bach Ensemble“ erfüllten den Saal mit Tönen, die jeglichen Alltag vergessen ließen im sphärischen Klang dieser geistlichen Musik.

Fünf Sänger und zwei Sängerinnen brachten neun Meisterwerke zu Gehör in lateinischer und deutscher Sprache. Die Sopranistinnen Gerlinde Sämann und Monika Mauch waren im Solo stark, aber auch in den gemeinsamen Passagen.

Ihre Stimmen, durchaus unterschiedlich, ergaben gemeinsam einen vollen melodischen Klang. Terry Wey in der Stimmlage Altus erreichte Höhen, die dem Sopran gleich kamen. Erstaunliche Töne, die eine Ahnung vermitteln, welche Höhen im Altus mühelos erreicht werden, ohne das Falsett zu streifen. Felix Schwandtke sang im Bass, David Munderloh und Tore Tom Denys als Tenor.

In den Solopassagen traten die individuellen Besonderheiten der Sänger hervor. Überraschend schön dann der gemeinsame Klang der vier unterschiedlichen Stimmen, vom Sopran der beiden Sängerinnen „angefüllt“. Mit einer sensiblen, doch kraftvollen Begleitung von Marcin Szelest an der Orgel.

Heinrich Schütz gehört zu den bedeutendsten Komponisten des Frühbarocks. Sein Talent wurde von seinem Regenten, Landgraf Moritz von Hessen Kassel, erkannt, so dass er drei Jahre in Venedig bei einem charismatischen Lehrer studieren konnte. Sein musikalisches Schaffen wurde durch den 30-jährigen Krieg und Pestepidemien unterbrochen. Doch es gelang Schütz im Jahr 1628 noch einmal, sich in Venedig musikalisch auf den neuesten Stand zu bringen. In seiner Laufbahn war er u.a. dänischer Oberkapellmeister und musikalischer Ratgeber an vielen Fürstenhöfen. Noch vor Ende des Dreißigjährigen veröffentlichte er die „Geistliche Chormusik“, die auch das Programm im Stadtgarten brachte.

Dirigent Joshua Rifkin gilt als Alte-Musik-Spezialist. Er ist der erste Nicht-Europäer, der mit dem Preis der Europäischen Kirchenmusik ausgezeichnet wird, so Oberbürgermeister Richard Arnold in seiner Ansprache. Seit 1999 wird der mit 5000 Euro dotierte Preis im Wechsel an Interpreten und Komponisten überreicht. Das Festival-Komitee ehre Professor Dr. Joshua Rifkin, weil er sich in besonderer Weise um die geistliche Musik verdient gemacht habe.

Die Laudatio hielt Dr. Peter Reidemeister aus Basel, der mit Rifkin zusammen gearbeitet hat. Rifkin, so der Laudator, habe das Einzigartige geschafft, einerseits dicht an der Musikwissenschaft zu sein und gleichzeitig an der Musik. Er bringe Struktur und Transparenz, was ihm weltweite Anerkennung verschaffe und ihn zu einem leuchtenden Vorbild der jungen Generation mache.

Professor Dr. Joshua Rifkin erwiderte, er sei verblüfft, das sei mehr als er erwartet habe. Dass es in Gmünd Menschen gibt, die Musik so lieben und respektieren, bringe ihn zum Nachdenken, „ob ich wirklich dazu gehöre. Ich versuche, des Preises würdig zu sein.“

Der konzertante Auftakt des Festival Europäische Kirchenmusik war ein Glanzlicht ganz besonderer Art. Die Meisterwerke aus „Geistliche Chormusik“ und „Kleine Geistliche Konzerte“ werden oft aufgeführt. Das Publikum kam in den Genuss von Meistern der Interpretation.

Ich versuche, des Preises würdig zu sein.“

Prof. Dr. Joshua Rifkin, Preisträger

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