Menschliche Gefühle in tänzerischer Vollkommenheit

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„Schwanensee“ - formvollendetes Ballett.
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Das „Klassische Russische Ballett“ aus Moskau zeigt mit Schwanensee formvollendetes Ballett.

Schwäbisch Gmünd. Märchenhaftes Ballett, das den Alltag vergessen lässt, bescherte das „Klassische Russische Ballett“ aus Moskau dem Publikum im Gmünder Stadtgarten. Schwanensee, dargeboten von Absolventen renommierter Tanzschulen, darunter der Bolschoi Ballett Akademie, das verheißt Bühnentanz vom Feinsten. Rund zwei Stunden verzauberten die 20 Tänzerinnen und Tänzer die Zuschauerschaft zu der Musik von Peter Tschaikowski. Aufgeführt wurde die Choreografie von Marius Petipa und Lew Iwanow.

Das Märchen beginnt im Schloss, wo Prinz Siegfried seinen 21. Geburtstag feiert. Beim Hofball am nächsten Tag soll er unter den Gästen seine Braut auswählen. Wie es das Schicksal will, ist es die vom Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelte Prinzessin Odette. Macht und Verführung, Liebe und Hingabe, Schmerz, Gefahr und Vergnügen – in Schwanensee werden menschliche Gefühle und Seinszustände in tänzerischer Vollkommenheit dargeboten. Am Ende siegt das Gute über das Böse; Siegfried kann den Zauberer besiegen und Odette gewinnen.

Die Leistungen sind atemberaubend. Tänzerinnen schweben in ihren Spitzenschuhen über die Bühne. Reine Anmut sind die Schwäne in ihren weißen Tutus, nicht nur im Tanz der vier kleinen Schwäne – der Schwan ist eine perfekte Ballettfigur, auch dies trägt vermutlich zum Erfolg dieses Balletts bei. Beim großen Ball sorgen Spanischer und Neapolitanischer Tanz, Mazurka und Czardas für eine farbenfrohe und ausgelassene Stimmung. Doch dann verfällt Siegfried der schwarzen Odile, es folgt der berühmte Pas de deux des schwarzen Schwans, für den es Applaus und Bravo-Rufe gibt, mit denen das Publikum auch an vielen anderen Stellen nicht spart. Auch wenn nur knapp hundert Zuschauer den Weg in den Stadtgarten gefunden haben, sie applaudieren für ein großes Publikum. Trotz 2G-plus blieben die meisten Plätze leer - für den Veranstalter art-trends aus Wernau eine Katastrophe - dennoch gab das Corps de Ballet alles.

Besonders beeindruckt die Rolle der Odette und ihrer Widersacherin Odile; beide Rollen werden von derselben Tänzerin getanzt (Olga Grigorieva/Natalia Kungurtseva). Eine anspruchsvolle Doppelbesetzung, weil zwei völlig unterschiedliche Charaktere dargestellt werden, ein lyrischer, guter Charakter, ein dämonischer auf der anderen Seite. Auch hier höchste choreografische Ansprüche, wie etwa die nicht enden wollenden Fouettés im 3. Akt. Für die Aufführung, die für viele Zuschauer unvergesslich bleiben wird, gab es am Ende frenetischen stehenden Applaus und einen Blumenstrauß und Handküsschen für die Primaballerina. ⋌Birgit Markert

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