Michl Müller zeigt sich energiegeladen

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Michl Müller unterhält in der Aalener Stadthalle sein Publikum über zweieinhalb Stunden. Foto: Oliver Giers
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Wie der Franke in Aalen zweieinhalb Stunden sein Publikum unterhält.

Aalen. „Aalen – ich wär dann do“ – und der „Dreggsagg“, wie es auf seinem Shirt steht, fordert sein Publikum von Anfang an: Aufstehen, mitklatschen – „das simmer ja gar nimmer gewohnt“, zeigt sich Michl Müller verständnisvoll für seine noch etwas nach der Pandemie eingerostete Fangemeinde nach der Pandemie.

Müller startet mit der Aufarbeitung aktueller Ereignisse und der Politik. Sei's das geplatzte Aquarium im Berliner Hotel, der bayrische Ministerpräsident Söder vor dem Maskenuntersuchungsausschuss – „die Demenz greift immer um sich, nicht nur im Bundeskanzleramt“. Und dann noch: „Boris kommt zurück, noch einer, der die Heizung aufdreht“, klagt er. Es sei einfach eine verrückte Welt.

Wort- und pointenreich

Zwei Jahre Pandemie mit sämtlichen Randerscheinungen müssen ebenfalls aufgearbeitet werden. Die Zeit nämlich, in der anfangs noch jeder seine Masken selbst geschneidert hat, auch gern mal aus alten Unterhosen, wie Müller berichtet. Die Zeit aber auch der Video-Konferenzen samt technischer und tonaler Verbindungsprobleme: „Da klingt’s dann manchmal so wie an Allerheiligen, wenn der Lautsprecher verreckt ist.“ Und die Zeit der neuen Häuslichkeit, beim Müllers Michl „dehemm“, in Garitz bei Bad Kissingen, wo der 50-Jährige seit drei Jahren sein Elternhaus umbaut und wort- und pointenreich darüber erzählen kann. Natürlich nimmt er auch das Fernsehprogramm – in Corona gezwungenermaßen geschaut – wie „Bauer sucht Frau“, „Shopping Queen“ – den ganzen „Schwachsinn“ halt-, aufs Korn.

Auch von den „Thermomix-Trullas“ weiß er zu berichten – in Deutschland gibt es schließlich „katholisch, evangelisch, Thermomix“, und wer italienischen Brotaufstrich, Eierlikör und gebrannte Mandeln gleichzeitig als Mitbringsel erhält, weiß gleich, womit er es zu tun hat. Homeoffice sei überhaupt manchmal schwierig, beispielsweise wenn der Metzger plötzlich mit der Sau auf dem heimischen Sofa sitzt: Was wäre das für ein zartes Fleisch, wenn sie vorm Schlachten noch Rosamunde Pilcher gucken dürfte ... Dazu wird es auch mal musikalisch mit Liebesliedern für die „Ünnerhos“ und den Akkuschrauber – „es kommen aber nicht alle 24, die ich in Corona-Zeiten geschrieben habe“, beruhigt er zu Beginn. Fraglich übrigens, ob David und Yasmin aus Feuchtwangen sich wieder in die erste Reihe setzen bei einem Müller-Auftritt, analysiert dieser doch auf der Bühne Davids vorgeschobene Kochkünste und anderes mehr aus ihrer Beziehung.

Über zweieinhalb Stunden beherrscht der energiegeladene Komiker Bühne, Saal und Publikum, das aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt.

⋌Jürgen Eschenhorn

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