Mozart, Brahms und ein witziger Françaix

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Das Notos-Klavierquartett gastierte in der Aalener Stadthalle.
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Das Notos-Klavierquartett mit Sindri Lederer, Andrea Burger, Philip Graham und Antonia Köster in der Aalener Stadthalle.

Aalen

Geiger, Cellist und Bratschistin nehmen auf Klavierhockern Platz wie die Pianistin am Flügel in der weiten Reihe: Das Notos-Quartett spielt in der Aalener Stadthalle, ein Abend der Klassik nach langer Corona-Pause. Das Publikum ist luftig verteilt im großen Saal. Die Konzertring-Gemeinde ist kleiner als sonst, es gibt in diesem Jahr kein Abonnement, die Karten werden für jedes Konzert einzeln gekauft.

Trotzdem ein schöner Abend, auch für das Notos-Quartett, dem die Pandemie einige Striche in den Aufführungsplan gesetzt hatte. Und ein sehr schöner Abend für das Aalener Publikum, dank des vorzüglichen Konzertes mit den musikalischen Großereignissen, den Klavierquartetten g-Moll von W.A. Mozart (KV 478) und Johannes Brahms (op. 25). Wie ein voluminöses Intermezzo dazwischen ein Divertissement von Jean Françaix (1912 bis 1997).

Die vier noch jungen Musikerinnen und Musiker gelten als Spitzenkräfte der aktuellen Kammermusik, haben viele renommierte Preise gewonnen und treten in der ganzen Welt auf. Ihr Ruf glänzt: exzellente Virtuosität, empathisches Zusammenspiel, brillante Ausgewogenheit des Klanges. Schwerpunkte des Schaffens sind die Klassiker der Kammermusik, aber auch viel Modernes und Zeitgenössisches.

Das Ensemble bestätigte in Aalen seinen Ruhm. Das späte Mozart-Werk am Anfang erklang mit präziser Kompositionstreue und belebter Ausdruckskraft. Vom dunklen Schicksalsmotiv des ersten Satzes über das Andante, das den zweiten Satz wie eine Abschiedselegie wirken ließ, bis zum versöhnlichen Rondo wurde das tiefsinnige Stück mit akademischer Akkuratesse und sorgfältig kontrolliertem Schwung interpretiert. Auch in dem berühmten Klavierquartett von J. Brahms wurde ein großer Bogen gespannt vom Wiener Kaffeehaus zum ungarischen Czárdás.

Den leichten und lebensfrohen Themen wurden in der Durchführung in den vier Sätzen konsequent die dunklen Seiten der Bedeutsamkeit nachgewiesen, wie sie komponiert sind, aber auch oft in der Interpretation übersehen werden. Auch diese Programmhöhepunkt ein Beispiel akademischer Verantwortung.

Witziger Françaix

Mittendrin das moderne Divertissement für Klavierquartett von Jean Françaix, ein ideenreiches, oft wundersames, überraschendes Werk in vier Sätzen. Das Notos-Quartett brachte es mit offenbarem Spaß an Witz und Zauber der Komposition zu Gehör und adelte auch Banalitäten mit seiner perfektionistischen Ernsthaftigkeit.

Das Konzert endete mit einer Zugabe aus der Wiener Walzerwelt und seriösem Applaus.

Das Notos-Quartett wird bereits in wenigen Woche wieder in der Region zu hören sein: am 30. April in der Essinger Schlossscheune, mit einem anderen Programm.

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