Musik für Aleppo, die die Seele erhebt

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Das Trio Mohamad Fityan mit seiner „Musik für Aleppo“ auf der Remsparkbühne des EKM.
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Das Trio Mohamad Fityan zeigt die Vielfalt arabischer Musik und wie sie mit christlicher Musik verwoben ist.

Schwäbisch Gmünd. „Musik für Aleppo“ – dargeboten von einem syrischen Musiker und Komponisten, der 1984 in der nordsyrischen Stadt geboren ist und 2014 vor dem Bürgerkrieg floh – das bringt ins EKM-Programm eine politische Tragweite und dem Konzert des Trio Mohamad Fityan eine zusätzliche Tiefe, die das Publikum auf der Bühne im Remspark bewegten. Aleppo, eine der Hauptstädte der islamischen Kultur, ist in großen Teilen zerstört worden.

Mohamad Fityan, ein Meister auf der Nay und Kawala, verliert darüber kein Wort. Er zeichnet in „Nostalgie Aleppo“ vielmehr das Bild einer inspirierenden Stadt, wie er sie kannte: Erinnerungen an die Kindheit und an Ausflüge in die Natur; mit islamischen und christlichen Hymnen wird deutlich, wie befruchtend der Austausch der Religionen ist. EKM-Intendant Klaus Stemmler hatte eingangs darauf hingewiesen, dass die abendländische Musikgeschichte sich nicht ohne den Einfluss der arabischen Musik denken lasse. Vor allem im Mittelmeerraum habe es immer Respekt untereinander und Neugier gegeben.

Neben eigenen Kompositionen spielt das Trio traditionelle Weisen, die breit gestreut sind. Aramäische Kirchenmusik gehört ebenso dazu wie die Musik der Sufis, die das Publikum mit Stücken wie „Allahu Allahu“ auch ohne Tanz in Ekstase versetzt; dann folgen klassisch arabische Stücke, die den Zauber des Orients beschwören.

Faszinierend, welche Klangvielfalt Fityan der arabischen Bambusflöte entlockt: sehnsuchtsvolle Gesänge voller Transzendenz, dynamische Freudentänze oder raue, scharfe Töne, die an das geschäftige Treiben auf einem Basar erinnern. Immer wieder holt er eine andere Flöte aus seinem schwarzen Koffer. Am Ende des knapp 90-minütigen Konzerts dreht er den offenen Koffer Richtung Publikum und enthüllt den Inhalt: rund 20 Nays und Kawalas in unterschiedlicher Größe – „nicht zu verkaufen“, sagt er lachend. Dafür erklärt er den Unterschied zwischen beiden: Die Kawala habe sechs Löcher und kein Mundstück, die Nay sei mehr im türkisch-iranischen Raum beheimatet und eigne sich für die schnellen Melodien, was das Trio sogleich mit einem rasanten Stück demonstriert. Wo die abendländische Musik an den Takt gebunden ist, scheint die Musik des Orients reine Seelensprache zu sein. Wie komplex der Rhythmus ist, macht Fityan an einem 10/8-Takt deutlich, den er an seinen zehn Fingern abzählt, unterstützt von Konrad Wiemann, der mit Cajon, Rahmentrommeln und Fußschellen für dezente Schlagwerk-Begleitung sorgte.

Dritter im Bunde ist Salah Eddin Maraqa. Auf seinem Schoß ruhte das Psalterium Qanun. Das trapezförmige Instrument aus Holz ist mit mehr als 50 Saiten bespannt, von denen je drei einem Ton zugeordnet sind. Mit blitzschnellen Auf- und Abbewegungen breitete der Musiker jordanischer Herkunft einen Klangteppich aus, auf dem sich das Flötenspiel frei entfalten konnte. Mit begeistertem Applaus bedankte sich das Publikum für ein horizonterweiterndes Konzert.

Birgit Markert

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