Musik ohne Grenzen auf der Kapfenburg

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Im Benefizkonzert „Musik ohne Grenzen“ auf Schloss Kapfenburg traten Ensembles wie das inklusive Ensemble der Musikschule Ellwangen und die Chorwerkstatt Rindelbach (hier im Hintergrund) auf.
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Ein Chor, eine Band und ein Klavierduo musizieren auf der Kapfenburg für einen guten Zweck.

Lauchheim-Hülen

"Wir pflanzen ein Apfelbäumchen“, sagte Akademiedirektor Moritz von Woellwarth über den neuen Schwerpunkt der Stiftung Schloss Kapfenburg. Neben den Themen Bildung und Gesundheit soll zukünftig der Bereich Inklusion etabliert werden.  Als Auftaktveranstaltung fand am Sonntagvormittag ein Benefizkonzert im Rieger-Konzertsaal statt.

Eine Gesellschaft bleibe stabil, wenn man in Bildung investiert, so der Akademiedirektor, und er meint damit nicht nur die begabten und talentierten Menschen. „Wir wollen die Breite mitnehmen. Musikalische Erfahrung schließt niemanden aus.“

Herzblut und mobile Rampe

Das demonstriert eindrücklich das Ensemble Inklusiv-Exklusiv der Städtischen Musikschule Ellwangen. Mit Herzblut musizieren die Bandmitglieder Titel von Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen und Glasperlenspiel. Und weil ein Teilnehmer kurzfristig ausgefallen ist, mischt sich Moritz von Woellwarth spontan unter die Cajon-Spieler. Dann ist Umbaupause, eine mobile Rampe wird aufgeklappt, damit ein Musiker mit seinem Rollstuhl die Stufen von der Bühne in den Saal überwinden kann. Auch das ist Inklusion.

Die Chorwerkstatt Rindelbach unter Dirigentin Julia Strasser bezaubert das Publikum mit raffinierten A-cappella-Arrangements von bekannten Songs. Mit Schwung und Esprit widmen sich die 30 Sängerinnen und Sänger Titeln wie „Tage wie diese“ von den Toten Hosen und „Cello“ von Udo Lindenberg. Augenzwinkernd interpretieren sie „Mir im Süden“, eine Hymne auf die fleißigen Schwaben, und schwelgen in den Harmonien von „What a Wonderful World“.

Zu Gast in der Jazzkneipe

Georg Wacker und Ulrich Herzog bilden ein Klavierduo mit hohem Unterhaltungswert, nicht nur musikalisch. Wacker, ehemaliger Musikschulleiter und Ex-Staatssekretär, hat eine fundierte klassische Ausbildung und spielt, was in den Noten steht, während Herzog diese eher als „Orientierung“ nutzt und ansonsten improvisiert nach dem Motto: „Ich kann zwar keine Noten lesen, aber auch Analphabeten können schöne Geschichten erzählen.“ Improvisierte Einschübe geben Beethovens Klavierkonzert Nr.1 und Johann Sebastian Bachs Es-Dur Präludium eine ganz eigene Note. Und bei Chopins Prelude c-Moll fühlt man sich hineinversetzt in eine schummrige Jazzkneipe.

So unterschiedlich die Ensembles auf der Bühne, so bunt ist auch das Publikum. Sogar ein Hund ist dabei. Stella ist ein Blindenhund und gehört zu Marion Krause, die mit ihrem Mann zum Konzert gekommen ist. Sie selbst ist blind und spielt Drehorgel. Oft musiziere sie für Taubblinde, erzählt sie. Die legen dann die Finger auf einen Luftballon oder auf die Drehorgel, um die Vibrationen zu spüren. Hündin Stella lauscht der Musik und lässt sich auch nicht durch Bravorufe und den kräftigen Applaus erschrecken, mit dem sich das Publikum bei allen Mitwirkenden bedankt.

Die Spenden sind für die inklusive Arbeit der Musikschule Ellwangen bestimmt sowie für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“.

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