Musik von starker Ausdruckskraft

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Das Konzert für den Jubilar Artur Dangel in der Franziskuskirche startete Corona wegen nur mit rund 20 Zuhörerinnen und Zuhörern.
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Zum 90. Geburtstag des Komponisten Arthur Dangel werden in der Gmünder Franziskuskirche sein Pentaptychon I und V aufgeführt.

Schwäbisch Gmünd

In Marc Chagalls Kirchenfenstern kann sich der Betrachtende verlieren; völlig in ihren Bann ziehen die Kunstwerke, wenn ihre Bildsprache mitsamt den zugrundeliegenden Bibelstellen zu Musik werden. Der in Schwäbisch Gmünd geborene Komponist Arthur Dangel hat in seinem 1993 bis 1999 entstandenen Pentaptychon die fünf Chagall-Fenster im Zürcher Fraumünster vertont. Anlässlich seines 90. Geburtstags am 10. September lud das Gmünder Kulturbüro am Mittwochabend zu einem Konzert in die Franziskuskirche, in der Pentaptychon I und V zur Aufführung kamen, sowie drei weitere moderne Kompositionen von Karlheinz Essl, David Maslanka und John Williams.

Ein „Gesamtkunstwerk“

Vermutlich sei die Kirche „seine Kirche“ gewesen, wies Kulturamtsleiter Ralph Häcker darauf hin, dass Dangel im Marktgässle zwischen Franziskaner und Marktplatz geboren wurde. Er dankte Andreas Gräsle, der das Programm „Musikalische Farbwelten“ zusammengestellt hatte, für die Initiative, woraufhin der frühere Kantor und Organist an der Augustinuskirche in das Werk einführte. Die sinfonische Dichtung Dangels bezeichnete Gräsle als „Gesamtkunstwerk von starker Ausdruckskraft, Bildhaftigkeit, von Feinsinn und klanglicher Subtilität“.

Das Konzert begann mit Pentaptychon I, „Das Prophetenfenster“, für Altsaxophon und Orgel – eine Komposition, die in den drei Teilen mit Präludium und zwei Interludien die biblischen Figuren Elia, der mit dem feurigen Wagen gen Himmel fährt, Ahasja, Elisa, Cherub mit Rad, Jeremia und den Schöpfergott umkreist.

Dieter Kraus, Altsaxofon, und Andreas Gräsle an der Orgel ließen die höchst anspruchsvolle und voraussetzungsreiche Musik mit den ihr eigenen Ausdrucksmöglichkeiten sprechen: Dangel vertont Buchstaben von Namen, bei Elia z.B. e-a, bei Elisa e-es-a, oder wählt für bestimmte Farben bestimmte Klänge und schöpft bei der Formensprache mit Toccata oder Fuge aus dem Vollen. Mit der Verlassenheit Jeremias wiederum korrespondiert ein Saxofon-Solo.

Ganz anschaulich wurde die Musik durch die Videos von Nataliya Gurevich; sie versetzte die beiden Kirchenfenster in einen Fluss und zoomte immer wieder einzelne Motive heran. So auch beim Pentaptychon V, dem Christusfenster mit seiner Grundfarbe Grün. Mose mit den Gesetzestafeln, Jesaja, das Lamm, Elisabeth, Maria und das Kind sowie Kornfeld und Taube sind hier die Motive. Zur Besetzung kam Hannes Brugger, Percussion, hinzu. Immer wieder ließen sich Volksliedmelodien wie „Joseph, lieber Joseph mein“ erkennen.

Der Musikologe Prof. Karl Michael Komma bezeichnete den Zyklus als „Summa“ des Lebenswerks von Arthur Dangel – Gräsle, Kraus und Brugger ließen die beiden Kompositionen beeindruckend virtuos erklingen. Wie reizvoll Altsaxophon und Orgel miteinander harmonieren, machten auch die Stücke zwischen Pentaptychon I und V deutlich: „Reflections“ von John Williams und „Aria“ von David Maslanka. Hannes Brugger hatte wiederum einen starken Auftritt mit dem Stück Sequitur XI für Vibrafon, Becken und Live-Elektronik. Den Umständen entsprechend hatte das Geburtstagskonzert nur rund 20 Zuhörer, die spendeten stehenden Applaus.

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