Niedecken rockt die Kapfenburg

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Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.

BAP mit drei Stunden „Schließlich unendlich“ beim Festival – Lieder, Stücke, Rock aus vier Jahrzehnten der Kultband. Von Rainer Wiese 

Lauchheim

Im halben Hof der Kapfenburg Stehplätze, oberhalb und auf der oberen Rasenfläche Tische und Bänke, der breite Gang am Hoteltrakt aufwärts ebenfalls gut genutzt, volles Haus für BAP am Sonntagabend.

Knapp nach 19 Uhr marschiert die Truppe auf die Riesenbühne, zehn Männer, eine Frau, Wolfgang Niedecken in der Mitte der Bühne. Ohne lange Vorrede geht der Musikmarathon unter den Tournee-Claim „Schließlich unendlich“ ab, Lieder und Stücke aus 40 Jahren BAP-Geschichte, manche auch zur Überraschung des Meisters selbst: „Dat hätt‘ ich auch nit geglaubt, dat wir dit noch mal singen, aber es passt wie aufs Auge.“ Das sind dann politische, kritische Lieder, auch die internationalen Verbrecher kommen vor, Trump, Putin.

Zum Auftakt „Et ist zu schön, um wahr zu sein“, eine entspannte Hymne auf den Wiederanfang nach der Corona-Zeit. Niedecken fasst in seiner Moderation zwischen den ersten Stücken zusammen: „Jetzt sin wir da un dat is gut so.“ Und kommentiert musikalisch „Wahnsinn, dat darf nit wohr sinn. Baby, jetz jeht et ab. Janz unwarscheinlich ab“.

Drei Stunden Rock am Stück durch Ansagen, Erläuterungen und lakonischen Bemerkungen von WN mehr verziert denn unterbrochen. Zwölf und mehr Instrumente, perfekt arrangiert und kreativ hochgejazzt, von einem superguten Soundkonzept verstärkt, mächtig, differenzierend, immer in der akustischen Komfortzone. Die Lichtanlage ist mit dem Rhythmus synchronisiert, macht Stimmung, dient der Musik und dem Angesicht der Band, dominiert nicht.

Die Band ist eine eingespielte Kombo aus Künstlern, die mit ihren Instrumentalsoli dem Konzert Glanzlichter setzen, in feiner Spannung zum festen Rockstampf.

Stimmung ist reichlich. Viele Mittelalter und Best Ager (die Jugendlichen fehlen) scheinen von Anfang an hin und weg, weisen sich als Fans aus, wenn sie das nächste Lied mit Pfiffen und Applaus begrüßen, kaum ist es zu hören – und wenn sie mitsingen. WN genießt, wenn der ganz Hof lauthals den Refrain singt, textsicher, hingegeben. Im Liebesliederblock etwa, wenn der Refrain tröstet: „Bliev do, wo de bess, Halt dich irjendwo fess, Un bliev su, wie de wohrs: Jraaduss.“ Oder in Vogelweide-Manier: „Manchmal sitz ich so rum und ich weiß nicht warum…“.

Die Lieder grasen auch die gesellschaftlichen Themen ab, Fußball und Ehrenamt, Müsliwahn und dass alles mit allem zusammenhängt. Die großen Hits fehlen nicht. „Lang, lang ist’s her“ singt Niedecken mit dem Publikum minutenlang wie eine Litanei in Trance. Und „Aff ond zo“ mit zu Herzen gehender Weisheit (in Übersetzung aus dem Kölschen): „Ab und zu ist man der Erste, Ab und zu natürlich auch schon mal der Letzte, Ab und zu tut man sich selber Leid.“

Gehört hat man viel, verstanden wenig. Kölsch ist wie eine Fremdsprache, wenn sie so lässig artikuliert wird wie von Niedecken. Was bei fast allen Konzerten mit Vokalmusik üblich ist, ein Programmheft mit übersetzten Texten, könnte auch für einen BAP-Marathon helfen.

Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.
Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.
Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.
Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.
Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.
Wolfgang Niedeckens BAP bei schönstem Wetter auf der Kapfenburg.

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