Pointierte Verarbeitung von Rassismus bei der STOA

+
Premiere der STOA von "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner".
  • schließen

Wie das „Theater ohne Aufsicht“ das Stück „Benefiz-Jeder rettet einen Afrikaner“ auf die Bühne bringt.

Aalen. Diese Leute meinen es gut. Drei Frauen und drei Männer haben sich zusammengefunden, um eine Schule in Afrika finanziell zu unterstützen. Sie planen zu diesem Zweck einen Benefizabend mit dem Ziel, möglichst viele Menschen zu überzeugen, für ihre Sache zu spenden.

Eifrig und motiviert gehen die Damen und Herren das Projekt an. Sie sitzen im Halbrund an Tischen, diese dekoriert mit bunten Tüchern und Holzgiraffe (Bühnenbild: Andrea Lingel). Auch die Spendenbüchse fehlt nicht, die es zu füllen gilt. Jeder hat sich einen Beitrag für den Abend überlegt. Bei den probeweise präsentierten „kreativen Spendenaufrufen“ gehen die Meinungen jedoch auseinander. Es kommt zu Diskussionen in der Gruppe. Soll man an die Menschlichkeit appellieren oder mit schockierenden Bildern Aufmerksamkeit erreichen? Oder lieber dazu auffordern, die Portemonnaies zu öffnen, besser noch: gleich ganz abzugeben?

Da ist man sich nicht einig. Verletzte Eitelkeiten und cholerische Ausfälle sind die Folge. Es menschelt gewaltig. Das ist nicht verwunderlich, bewegt man sich doch auf sprachlich und moralisch vermintem Gelände. Was ist politisch korrekt? Darf man von „schwarzen Menschen“ reden, wo doch sie, die Akteure, alle weiß und deutsch sind? Und darf man das Leid der afrikanischen Kinder gegeneinander ausspielen nach dem Motto: Ein Mädchen ohne Arme ist schlimmer dran als ein Junge auf der Straße?

Das Stück „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ ist im Suhrkamp Verlag erschienen und stammt aus der Feder von Ingrid Lausund. Und diese Feder ist spitz. Pointiert verarbeitet die Autorin die ernsten Themen Rassismus und Entwicklungshilfe. Nimmt die Empfindlichkeiten der Protagonisten ins Visier und das Gutmenschentum aufs Korn. Das ist manchmal lustig, oft bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Humor ist eben auch Geschmackssache.

Das „Theater ohne Aufsicht“, eine der fünf Spielgruppen der STOA, verkörpert die individuellen Charaktere auf der Bühne leidenschaftlich und überzeugend. Regisseur Ben Retetzki erklärte eingangs, dass man die Spieldauer kurz vor der Premiere deutlich reduziert habe. Eine gute Entscheidung. Die 90-minütige Aufführung (zuzüglich Pause) ist lebendig und kurzweilig. Es spielten: Brigitte Lepper, Jens Lüdecke, Dieter Niegel, Brigitte Schenk, Markus Katzenmeier und Susann Richter-Funk.

⋌Beate Krannich

Weitere Termine: 20., 21., 25., 27. und 29. Januar sowie 1., 3. und 4. Februar jeweils 20 Uhr im Theater auf der Aal.

Premiere der STOA von "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner".
Premiere der STOA von "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner".
Premiere der STOA von "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner".
Premiere der STOA von "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner".
Premiere der STOA von "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner".

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Kommentare