Professionell und dem Publikum zugewandt

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Bescheiden und spannend: Adam Rafferty.

Adam Rafferty besticht in der Theaterwerkstatt mit scheinbar lockerem Gitarrenspiel.

Schwäbisch Gmünd. Einen besonderen Genuss bereitete „Gmünd Folk“ dem Publikum in der Theaterwerkstatt mit Adam Rafferty und der Fingerstyle Guitar. Rafferty, in New York geboren, besticht durch Professionalität: Studium klassische Gitarre, sein musikalischer Weg über Blues und Countrybereiten zur Zusammenarbeit mit Größen der New Yorker Jazzszene.

Da steht ein liebenswürdig lächelnder Mann mit Glenscheck-Schiebermütze auf der Bühne und sagt: „Seid nicht zu brav, bitte mitschreien, tanzen, auf dem Kopf stehen.“ Der erste Song packt gleich. Fingerstyle Guitar ist Saitenzupfen ohne Plektrum. Die Gitarre „ersetzt“ die Band, denn Rhythmus, Bassbegleitung und Melodie werden vereint, die Gitarre auch Cajon.

Tears for fears liefern den ersten Song. Rafferty lauscht seinen Tönen nach, bei einer bestimmten Stelle breitet sich auf seinem Gesicht ein Strahlen aus. Mit schelmischem Lächeln dankt er dem Publikum für den Applaus.

„Ich habe Blut gekostet“, sagt er, wenn es um Pop-Arrangements geht. Rafferty bringt Details seiner Biografie, so ganz nebenbei. Dann steigt er wieder in sein Programm ein, heizt es mit Orgelklang an, produziert Backgroundnoise mit dem Mund, während seine Finger scheinbar total entspannt und locker über die Saiten gleiten und Tonkaskaden produzieren. Nur ein einziges Stück mit Gesang: „But on the other hand Baby“ von Ray Charles in eigener Interpretation, es klingt so spannend wie der Originalsong.

Die Jazzgröße Erroll Garner beeindruckte Rafferty mit der Ballade „Misty“. Als Zwanzigjähriger habe er zum ersten Mal in Haarlem gespielt und mit der Bass-Line probiert. Dann geht es zu den Popsongs. „Killing me softly“ - interpretiert farbenreich, schwungvoll, langsam, laut und leise, das Publikum jubelt.

Dann wieder ein eigenes Lied. Er nennt es Countryjazz. „Little Fingers“ schrieb er für den Auftritt beim „Chet Atkins Appreciation Society Convention 2008“. Eine geniale Mischung aus Country und Jazz, selbst für ungeübte Jazzer ein Genuss. „Every breath you take“, von Sting packt das Publikum. „Purple Rain“ in einer beeindruckenden eigenen Interpretation: Aufklingen bekannter Passagen, übersichtliche Klänge, die als kraftvoller Sound enden.

Alles gespielt von den Fingern Raffertys. Dabei dem Publikum sehr zugewandt, im Gespräch mit ihm, ohne Attitüden, bescheiden, aber intolerant, wenn die Saiten unsauber klingen. Deshalb immer wieder Gitarre stimmen, schräge Töne lässt er nur bewusst zu. Zum Schluss im Gedenken an die Ukraine: „Schöne Energie aus diesem Zusammensein“ mit John Lennons „Imagine“, „klassisch“ interpretiert.

Gise Kayser-Ganter

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