„Pünktchen trifft Anton“: Große Bilder und viel Musik

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"Pünktchen trifft Anton". Das Familienstück unter der Regie von Winfried Tobias feierte Premiere.
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Was es beim Weihnachtsfamilienstück unter der Regie von Winfried Tobias im Aalener Kulturbahnhof alles zu erleben gibt.

"Pünktchen trifft Anton". Das Familienstück unter der Regie von Winfried Tobias feierte Premiere.
"Pünktchen trifft Anton". Das Familienstück unter der Regie von Winfried Tobias feierte Premiere.
"Pünktchen trifft Anton". Das Familienstück unter der Regie von Winfried Tobias feierte Premiere.

Aalen

Herzlich willkommen in Berlin“, singt Christian Steiner mitten aus den Zuschauerreihen im Theatersaal des Kulturbahnhofes. Dort wuselt es am Sonntag zunächst fast wie auf dem Hauptstadt-Hauptbahnhof. Jeder sucht seinen Platz. Mit dem Unterschied, dass ihn hier dann auch jeder findet. Volles Haus bei der Familienpremiere des Weihnachtstückes. Zu der sind auch Gäste aus der Flüchtlingsunterkunft in der Ulmer Straße und ukrainische Geflüchtete mit ihren Kindern eingeladen. Das Leben von Flüchtlingen ist auch ein Thema, dass „Pünktchen trifft Anton“ behandelt. Das erklärt der Regisseur Winfried Tobias schon vorab in seiner Begrüßung. Fast überflüssig: Das Stück lebt und wirkt zwischendurch auch durch große Bilder allein.

Die Bühne

BERLIN. Das steht in großen weißen Buchstaben auf dem Bühnenboden mitten im Saal. Von zwei Zuschauertribünen umgeben sind die Schauspielerinnen und Schauspieler, das Publikum so mittendrin statt nur davor. Ausstatterin Ariane Scherpf hat für die Ortswechsel an einer Wand ein riesiges Straßenschild für den Alexanderplatz, auf der anderen für die Friedrichstraße platziert. Dazwischen dienen fahrbare Wegweiser als Transportmittel für Pünktchen und Anton. „Murat's“ Kiosk kann ebenfalls eine Menge Fahrt aufnehmen, ebenso ein schwarzer Türrahmen, der die Villa der reichen Pogges verortet. Video von Marco Kreuzer, Graffiti von Julian Böhm, Tempo, Bewegung, Abwechslung - es gibt eine Menge zu sehen.

Die Geschichte

Pünktchen hat alles, außer Eltern, die sich Zeit nehmen. Also treibt sie sich in der Stadt rum, wo sie Anton trifft. Der hat nichts und containert, um abends mit seiner Mutter überhaupt etwas essen zu können. Antons Mutter, Ewa Gast, ist geflüchtet, weder sie noch ihr Sohn haben einen Pass. „Illegal“, wie Ewa Gast sagt. Pünktchen und Anton werden Freunde. Als die beiden Straßenmusik machen, wird es brenzlig für Anton. Derweil plant der Freund von Pünktchens Au-pair Peggy in das Haus der Pogges einzubrechen. Doch er hat die Rechnung ohne Haushälterin Berta gemacht.

Die Rollen und ihre Darsteller

Julia Sylvester ist die Engländerin Peggy, die sich um Pünktchen kümmern soll, sich aber lieber mit Lover Robert verabredet. Hippelig und ein wenig aufgedreht - eine Verkörperung, die man von Julia Sylvester kannt. Dass sie auch anders kann, darf sie hier in zwei weiteren Rollen beweisen. In der des berlinernden Straßenjungen Axel Klette, der sich verdruckst und verschlagen durchschlagen muss. Und in der von Ewa Gast, die sie ganz ohne Sentimentalität als eine Frau zeigt, die schon bessere Tage kannte. Das alles beeindruckend im Minutentakt wechselnd.

Anna Caterina Fadda als Pünktchen strahlt hell und überzeugt als quirliges Mädchen, das an das Gute glaubt und es auch findet. Auch bei ihrer Mutter. Nichts sieht allerdings anfangs danach aus. Anne Klöcker als Charity-Queen Margie Pogge erzieht Pünktchen nebenbei. Mit dem Zeigefinger der Linken und dem Handy in der rechten Hand. Ätzend gut. Da kann Christian Steiner als leidlich erfolgreicher Musiker Christian Pogge nur verlieren. Was Steiner gut zeigt.

Auch Maximilian Wex als Anton wirkt zwischen all den starken Frauen wie ein besonnener Ruhepol. Vielleicht ein wenig zu sehr als früh erwachsen Gewordener. Philip Dürschmied ist als Berta auch Mutterersatz für Pünktchen. Wohl dosiert, aber immer präsent auf den Punkt spielt Dürschmied sie als Fels in der Brandung. Auch in seiner zweiten Rolle als Murat überzeichnet er nicht - gut so. Lennart Naeher zeigt Robert als hinterlistig, aber äußerst agil. Ein schleimiger Schurke mit schönem Haar. Joschi, Polizist, Kurt - Axel Nagel ist am besten, wenn er Musik macht. Sein näselnder Sozialarbeiter ist allerdings ziemlich witzig.

Die stärksten Szenen

Lacheln, gruseln, die Kraft der Bilder zeigt die Inszenierung von Winfried Tobias vor allem in zwei Szenen. Als Pünktchen Anton als Schatten hinterher schleicht, lachen die Kinder im Publikum frei raus. Als Margie Pogge im Traumnebel im Müllcontainer durchs Dunkel der Bühne rast und wütet, ist das Theater für alle Sinne und großes Kino.

Bleibt die Musik. Fast ein duzend Songs sind zu hören. Laute, leise, Ballade, Rock und Ska - ein Lied gibt es auch mit dem Publikum. Und am Ende geht es zu „Nichts muss bleiben, wie es ist“, dem Song zur Botschaft, dass auch mal alles gut werden kann, einmal mehr quer durch den Saal.

Für all das gibt es am Sonntag bei der Premiere viel Applaus und sitzende Ovationen in Form trommelnder Kinderfüße. Dann wuselt es wieder. Diesmal Richtung Ausgang.

Die nächsten Vorstellungen: Sonntag, 27. November, Sonntag, 4. Dezember, Sonntag, 11. Dezember, Sonntag, 18. Dezember und Mittwoch, 28. Dezember (zum letzten Mal) jeweils 15 Uhr. Schulvorstellungen sind gesondert terminiert.

„Pünktchen trifft Anton“ - ist als Familienstück des Theaters der Stadt Aalen im Kulturbahnhof zu sehen. Foto: Peter Schlip/Theater der Stadt Aalen

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