Regionalmanagerin Kultur: das ganze Potenzial der Region im Blick

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Ines Mangold-Walter im März 2020 bei der ersten Regionalkonferenz Kultur im Kulturbahnhof, einer Hybridveranstaltung .
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Ines Mangold-Walter hat die Aufgabe, eine Kulturregion Ostalbkreis zu schaffen und das Angebot von ländlichem und städtischem Raum zu vernetzen. Wie das funktionieren kann und soll.

Aalen

Der Ostalbkreis ist groß.

314 000 Einwohnerinnen und Einwohner hat er und eine Fläche von 1512 Quadratkilometern. Klar ist: Damit umfasst auch seine kulturelle Landschaft enorme Vielfalt. Blaskapellen und Laientheater-Gruppen, Kunstvereine und klassische Ensembles, Kulturämter in den größeren Gemeinden, private Kulturinitiativen in den kleineren, Vereine, die sich durch eine bestimmte kulturelle Herkunft tragen und, und, und gehören dazu. Den Überblick über das komplette Angebot zu haben – kaum möglich. Diese zu vernetzen, eine Aufgabe, für die es keine Struktur, keine Verantwortlichkeit gab. Zumindest bis zum Jahr 2019. Seitdem gibt es das landesweite Pilotprojekt Regionalmanagement Kultur, zu dem neben fünf anderen Landkreisen der Ostalbkreis gehört. Verantwortlich dafür ist die Regionalmanagerin Kultur Ines Mangold-Walter.

Regionalmanagement Kultur: Welche Idee dahinter steckt

Kultur gibt es überall, aber nicht überall ein Kulturamt, an das sich Menschen wenden können, die sich in diesem Bereich engagieren. „Es geht darum, dass Kulturakteure einen Ansprechpartner in der Region haben“, erklärt Ines Mangold-Walter. Aber nicht nur das. „Wir wollen eine Kulturregion schaffen“, sagt sie.

Welche ersten Schritte schon gemacht wurden

Angelaufen ist das Regionalmanagement schon längst. Mitten in der Pandemie lud Ines Mangold-Walter zur ersten Regionalkonferenz Kultur. In einer Hybridveranstaltung ging es in mehreren Foren zu den Themen Vereine und ehrenamtliche Initiativen, Beteiligung, Netzwerke und Digitalisierung um die Themenbereiche, die beim Aufbau regionaler Kulturstrukturen eine wichtige Rolle spielen. 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei. Blasmusiker neben bildenden Künstlerinnen, Laientheatermacher neben Theaterintendanten, Vertreter von Kulturvereinen und Politiker – um nur einige zu nennen.

„Diese erste Konferenz war sehr gut. Aber noch besser sind der direkte Austausch und das direkte Erleben von Kultur“, sagt dazu Karl Kurz, zuständiger Dezernent des Landkreises Ostalbkreis. Bereits seit 2016 sei der Ostalbkreis ein wesentlicher Bestandteil des Modellprojektes lernende Kulturregion Schwäbische Alb, habe auch aufgrund der Kompetenz im Haus die Geschäftsstelle für das Projekt ins Boot geholt.

Als ein Beispiel für die Vernetzung, die schon dadurch entstanden sei, nennt Kurz die OH! Musikwerkstatt. „Da hat man gesehen, wie wichtig die Vernetzung der Kulturakteure auch im ländlichen Raum ist“, sagt Kurz. Offenbart hätten sich aber auch Defizite. Die Vernetzung in den höheren Städten sei gut, im ländlichen Bereich müsse sie noch geschaffen werden. Mit aus der Taufe gehoben wurden zu diesem Zweck auch ein politischer Beirat und ein Kulturausschuss, in dem ganz unterschiedliche Akteure sitzen, aber die einzelnen Sparten vertreten sind.

Welche Aufgaben dabei das Regionalmanagement Kultur hat:

Ansprechpartnerin sein in kulturellen Belangen. Das ist eine Aufgabe, die sich die Regionalmanagerin Kultur Ines Mangold-Walter gesetzt hat. „Etwa auch, um diese zu beraten, wenn es um Fördermittel geht, was ja auch nach Corona sehr wichtig werden wird“, sagt sie. Es gebe viele Programme, aber oft würden sich die Akteure scheuen, sich in diesem Dschungel der Angebote zu bewegen. Eine weitere, sehr wichtige Aufgabe sei die Vernetzung in der Region, die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit im Kulturbereich. „Wir hatten zum Beispiel eine Ausstellung im Landratsamt mit dem Ellwanger Bildhauer Siegfried Rimpler. Dabei kam heraus, dass viele gar nicht wussten, dass es einen solchen tollen Bildhauer in der Region überhaupt gibt.“ Es gebe viel Potenzial in der Region, das man zusammenführen und gleichzeitig sichtbar machen müsse. „Zudem möchten sich Bürgerinnen und Bürger immer mehr beteiligen. Damit steht die Gesellschaft vor großen Herausforderungen“, so Ines Mangold-Walter weiter. Wichtig sei es zudem, sich den sich ändernden Bedarfen anzupassen. Den ständigen Austausch zu schaffen. „Man schwätzt und schwätzt und schwätzt“, so die Regionalmanagerin.

Um all das zu realisieren, ist die Digitalisierung ein nicht mehr wegzudenkender Baustein. „Man merkt aber: Manche sperren sich hier noch ein wenig“, so die Regionalmanagerin. Hier müsse sie beraten. Unterschiedliche Akteure zusammenbringen, „die institutionalisierten und die ehrenamtlichen Akteure, ohne die es nicht geht, alle müssen ins Boot geholt werden“, sagt Ines Mangold-Walter. Miteinander sprechen, von einanderlernen – das alles brauche aber guten Vorlauf, dürfe nicht unter Druck laufen.

Ansprechpartnerin, Vermittlerin, Beraterin, Netzwerkerin, Koordinatorin, Impulsgeberin. Ständig im Austausch bleiben. Aber auch etwaige Vorbehalte zwischen den einzelnen Akteuren helfen auszuräumen – all das seien die Aufgaben, die das Regionalmanagement Kultur übernimmt.

Die nächsten Veranstaltungen des Regionalmanagements

Am Freitag ging es beim Werkstattgespräch bei KISS, Kunst im Schloss Untergröningen, im Innenhof um das Thema Digitalisierung. Vereine und ehrenamtliche Initiativen sind der Schwerpunkt des Werkstattgespräches am Freitag, 2. Juli, 18 bis 20 Uhr, im Innenhof der Schloss-Scheune Essingen. Am Freitag, 2. Juli, und am Freitag 23. Juli, dreht sich jeweils von 18 bis 20 Uhr das Werkstattgespräch am Limestor Dalkingen ums Thema Beteiligung und Netzwerke.

Auftakt hat am Mittwoch, 30. Juni, 19 Uhr, auch die Reihe Klangraum, die zu Konzerten unter freiem Himmel in den Innenhof des Landratsamtes Aalen lädt: zu Gast sind dann Zwiepack – Christian Bolz und Markus Braun. Zwei weitere Konzerte mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern sind für dieses Jahr noch geplant. „Es gibt ja auch noch die Musik vom Rathausdach in Aalen. Da wollen wir ergänzen“, so Mangold – und keinesfalls konkurrieren.

Ebenfalls in Planung ist der Kultursommer 2021. Hier hat das Regionalmanagement Kultur des Landratsamtes Ostalbkreis Fördermittel in Höhe von 370 000 Euro zugeteilt bekommen. Das sei schon eine enorme Summe, um einen Restart der Kultur zu initiieren, so Karl Kurz. Details sollen demnächst bekannt gegeben werden.

Im Jahr 2022 soll dann erstmals eine Kunst-Triennale veranstaltet werden, die an verschiedenen Orten ostalbkreisweit spielen soll. „Da kann der Kunstverein dabei sein ebenso wie die Landfrauen, das Blasmusikorchester und der Chor“, umschreibt Ines Mangold-Walter das Konzept. Nach aktuellem Stand soll diese Kunst-Triennale zukünftig alle drei Jahre für drei Monate zu einem Leitthema stattfinden, um die kulturelle Identität in der Region zu stärken. „Wir machen Kultur, um den Menschen etwas mitzugeben“, sagt Ines Mangold-Walter dazu.

Das Regionalmanagement Kultur als Impulsgeber

„Es gibt Potenzial. Aber es braucht immer jemanden, der sich darum kümmert“, so Ines Mangold-Walter. Herauskristallisiert habe sich: Nach Corona werde die Musik als Sparte wohl wieder besser auf die Füße kommen als die Bildende Kunst. Auch für diese Sparte sind bereits Ideen entwickelt. Ein umgewidmeter Baucontainer soll als Atelier dank eines Stipendiums die Arbeit eines Künstlers oder einer Künstlerin an verschiedenen Orten präsentieren. Gleichzeitig sollen dadurch Projekte für kulturelle Bildung initiiert werden. Auch ein Kunstautomat mit Werken von Kunstschaffenden aus der Region soll installiert werden, um Menschen mit Kunst in Berührung zu bringen, so Mangold. Es sei nicht leicht, sich im Kulturbereich zu vermarkten. Hier könne man einen Mehrwert für die Künstler schaffen. „Und der Preis für ein Kunstwerk geht ja nicht generell bei 5000 Euro aufwärts los“, ergänzt Karl Kurz.

Die Transformation gestalten und begleiten

„Das Projekt wollen wir ja 2023 nicht aufgeben“, so Kurz weiter. Auch wenn die Förderung eventuell auslaufe, solle das Regionalmanagement Kultur als feste Einrichtung etabliert sein, um auch kleinere Kommunen ständig mitzunehmen. Nun gehe es darum, wie man die Transformation gestalte. Wie man Ideen und Kreativität einbringe. „Da kann was Großes entstehen. Aber Schritt für Schritt“, so Karl Kurz.

Wir wollen eine Kulturregion schaffen.“

Ines Mangold-Walter, Regionalmanagerin Kultur

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