Reine Formsache im Gmünder Kunstverein

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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 Gudrun Emmert und Anne Haring zeigen, was sie in Malerei und Plastik verbindet.

Schwäbisch Gmünd. Die Realität der Gegenstände deutet sich an. Doch bevor es zum Abbild der Wirklichkeit wird, biegt die Malerin Gudrun Emmerts ab. Keine Blumen, keine Früchte, dafür ein Malvorgang, der für sich selbst steht. Die Künstlerin aus Saarbrücken, die jetzt zusammen mit der ebenfalls dort arbeitenden Bildhauerin Anne Haring im Gmünder Kunstverein ausstellt, interessiert sich allein für den Malvorgang selbst, will erfahren, was sich mit Farbe machen lässt.

Die Bilder entstehen aus dem Prozess heraus, sollen sich frei entwickeln können. Der eigentliche Bildgegenstand ist das Ungewisse. Trotzdem schätzt  sie die Form, sie gibt der Farbe Halt und öffnet Interessierten die Tür zum Bild. Keinesfalls lässt sie ein Ding zu einem eindeutigen Gegenstand werden. Diese Linie überschreitet sie nicht, „weil sonst das Bild unzulänglich hinter der Realität herlaufen würde“.  Ihre Arbeiten korrespondieren mit den Skulpturen ihrer Künstlerkollegin.  

Auch Anne Haring überlässt es der Fantasie der Betrachterinnen und Betrachter, eigene Interpretationen anzustellen. Sind es Torsi, vielleicht Arbeitsproben auf dem Weg zum realen dreidimensionalen Abbild? Keine Hände, keine Gesichter, Anne Haring spricht von einem „Schwebezustand“, experimentiert mit der Form und mit dem Material. Ihre Grundlagen sind nicht Stein, Holz oder Bronze. Sie versucht es (erfolgreich) mit Papier, Zellstoff und Kleidungsstoffen. Sie zu beherrschen, eine haltbare Form zu schaffen, das verbindet sie mit Gudrun Emmerts Malerei, schafft eine Verwandtschaft.

„Reine Formsache 1, 2, 3 ...“ heißt deshalb die Ausstellung, die mit einem Künstlerinnengespräch, moderiert von Mathias Hütter eröffnet wurde. Dabei erfahren die vielen Gäste der Vernissage noch mehr über die Gemeinsamkeiten, die die Ausstellerinnen verbindet. Sie haben sich vor Jahren getroffen und  ihre  ähnlichen Grundideen erkannt. Seither gibt es immer wieder gemeinsame Ausstellungen, immer auf die aktuelle Situation ausgerichtet. Die Präsentation in der Galerie im Kornhaus Schwäbisch Gmünd haben sie zuhause in ihren Ateliers am Modell erarbeitet und vor Ort umgesetzt. So steuern Kunstinteressierte unmittelbar auf Malerei und Plastik, wenn sie die Galerie betreten. Beim Rundgang erleben sie die Intensionen Gudrun Emmerts, ihr Streben nach Erkenntnis von Farbe und Form auf der Fläche und natürlich Anne Harings   Plastik, die reine Körperlichkeit   ins Zentrum des Arbeitsprozesses stellt. Eine Ausstellung, die nach Worten von Professor Dr. Klaus Ripper, dem Vorsitzenden des Gmünder Kunstvereins, genau ins Jahresprogramm „Tasten im Nirgendwo“ passt. 

Die Ausstellung „Reine Formsache 1, 2, 3 ...“ ist bis zum 11. September im Gmünder Kunstverein im Kornhaus zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag von 10 bis 14 und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. 

Foto: Jan-Philipp Strobel

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