Rotationen 4.0: schöne Musik im originellen Format

+
Ganz zum Schluss wurde bei „Rotationen 4.0“ auf der Kapfenburg gemeinsam musiziert: (v.l. Götz Payer, Sophie Sauter, Anne Czichowsky, Axel Kühn. Foto: wi
  • schließen

Sophie Sauter, Götz Payer, Anne Czichowsky, Axel Kühn auf Schloss Kapfenburg.

Lauchheim. Es waren zwei Konzerte in einem Format: Schubert-Lieder, vorgetragen von Sophie Sauter, begleitet von Götz Payer auf dem Flügel. Und Jazz-Lieder internationaler Provenienz, gesungen von Anne Czichowsky, die von Axel Kühn mit dem Kontrabass begleitet wurde. Warum auch nicht in einer so offenen Konzertreihe wie den „Rotationen“ auf Schloss Kapfenburg, deren vierte Ausgabe am Donnerstagabend ein stattliches Publikum im Eipperle-Saal hatte.

Ein experimentelles Programmformat verspricht die Chance auf neue Erfahrung für Künstler und Publikum. Jazz-Song und Kunstlied sollten in Gegenüberstellung zeigen, dass Jazz und Klassik nicht voneinander entfernt sind.

Also wurde abwechselnd musiziert: Schubert-Lieder, auch aus der Winterreise. Sophie Sauters Liedvortag war von kühler Perfektion, klangschön, seriös interpretiert. Götz Payer begleitete mit eleganter Unterstützung die Stimme, feinster Anschlag, dezente Dynamik, große Kunst. Glücklicherweise hat Franz Schubert ein so breites stilistisches Spektrum geschaffen, dass der zwölfteilige Liedervortrag keine Längen hatte.

Abwechselnd von Stück zu Stück mit Sophie Sauter und Schubert brachte die gelernte und international berühmte Jazzsängerin Anne Czichowsky allerlei Songs, unter anderem von Antonio Jobim, von Henry Mancini, von Irving Berlin, die meisten Stücke aus dem vorigen Jahrhundert. Czichowsky sang mit vorzüglich ausgebildeter Stimme, bemühte sich um jazzige Rauheit, verziert mit genretypischen Arabesken. Alle elf Stücke in meditativen Tempi, nur der Kontrabassist kam   gelegentlich in den rabiaten Schwung des Freejazz.

Die beiden Ensembles gestalteten das Konzert als Abfolge von Einzelleistungen. Diese sollten sich zu einem Ganzen fügen durch sehr direkte Übergänge von Schubert zum Schlagbass und von Czichowsky zu Sauter. Ganz zum Schluss in einer Zugabe singen die beiden Künstlerinnen gemeinsam und kontrastieren ein Schubert-Lied mit einem ähnelnden Jazz-Stück. Aber der Brückenschlag will nicht gelingen. Auch ein pfiffiges Experiment kann scheitern.

Aber Scheitern kann auch so schön sein wie der Gesang und dessen Begleitung am Donnerstag auf Schloss Kapfenburg.

Rainer Wiese

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Kommentare