Rudolf Kurz: Ein Leben für die Vielfalt der Kunst

+
Atelierbesuch bei Rudolf Kurz in Ellwangen. Foto: Oliver Giers
  • schließen

Der Ellwanger Bildhauer ist in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden. Was ihn mit der Kirche verbindet, wie er zum Künstler wurde und was er sich zum runden Geburtstag geschenkt hat.

Ellwangen

Zum 40, da hat er sich selbst den Spitalhof geschenkt. Dort arbeitet der Ellwanger Rudolf Kurz nun bereits seit 30 Jahren. Gefeiert wurde dieses Jubiläum, aber auch der 70. Geburtstag des Künstlers im Sommer mit einer großen Ausstellung im Ellwanger Schloss beim Kunstverein, der dabei mit der Stadt Ellwangen kooperierte. Sich selbst hat Kurz diesmal zum Runden ein Buch geschenkt. „Arbeiten in Glas“ heißt es schlicht. „Es ist ja gar nicht so bekannt, dass ich so viele Glasfenster gemacht habe, dass es sogar für ein Buch reicht. Das ist sogar an Menschen vorbeigegangen, die ich gut kenne“, sagt Rudolf Kurz dazu.

Es ist ein Dienstagvormittag Ende November. Kurz hat eingeheizt im Spitalhof - zumindest im ehemaligen Schafstall, einem seiner Arbeitsräume. Überall stehen Modelle, winzige Figuren, Altarräume in Miniaturformat - eine Art Puppenstube für erwachsene Kunstfreunde. Der liebe Gott habe ihm viele Talente gegeben. Beim Aufräumen habe er dann mit der Vergabe aber aufgehört, witzelt der Künstler. Auch Modelle müssten eine hohe Qualität haben, erklärt er dann - wieder ernst. An ihnen arbeite er immer bis kurz vor dem Abgabetermin.

Weiter den Gang entlang in der bitterkalten Werkstatt dann Großformatiges. Ein Marmorkoloss prägt das Bild: unbearbeitet, rund vier Meter hoch, geschätzt fünf Tonnen schwer, so Kurz. Ursprünglich für eine Landesgartenschau gedacht und dann von den Veranstaltern doch nicht als weitere Skulptur gewollt, warte der Stein nun auf eine neue Bestimmung, erklärt der Künstler. Befreit währenddessen den „Hängenden Torso“ aus Sandstein und Stahl dahinter von roten Bändern - sie haben die zweiteilige Skulptur für den Transport stabilisiert. Der Torso war Teil der Ausstellung im Schloss, erzählt Kurz. „Er gehört meiner Frau. Sie hat ihn sich auch verdient“, sagt er, lächelt und bringt die nach der Entfesselung nun an den Stahlseilen wackelnde Skulptur mit beiden Händen wieder in Ruhe. Er rede nicht gerne darüber, was er sich bei der Schaffung seiner Kunst denke, sagt Kurz. Und gibt doch den Hinweis dazu, „dass viele im Funktionieren zerbrechen“ und doch weiter funktionieren. Dann geht er weiter, zu einer Reihe von Steinplatten, auf denen Männer und Frauen zu sehen sind, die sich einst dem Nazi-Regime widersetzt haben. Hans und Sophie Scholl etwa und Dietrich Bonhoeffer. Kurz hat sie als Eindrücke in den Gips gearbeitet. „Sie zeigen den Menschen als Spuren. Als Eindruck, den sie bei uns hinterlassen haben. Diese Idee gefällt mir gut“, so der Künstler.

Schulzeit im Internat

Zu sehen waren diese Arbeiten 2014 auf dem Stiftsplatz in Wilten zum 50-jährigen Bestehen der Diözese Innsbruck als Beitrag zum Motto „Aufbrechen“. Wer Kunst von Rudolf Kurz sucht, der muss aber nicht bis Innsbruck, nach Frankreich, Wien oder Rom reisen. Die Liste seiner Werke allein nur für die Kirche ist lang und auch das Ergebnis erfolgreicher anonymer Teilnahme an Wettbewerben, wie der Bildhauer erklärt. „Von denen habe ich längst nicht alle gewonnen. Aber das sieht man ja dann auch nicht“, fährt er fort.

Muss man für diese Art von Kunst gläubig sein? Kurz beantwortet diese Frage philosophisch. Mit dem Christentum habe es seines Wissens erstmals eine Religion gegeben, „in der Gott Mensch wird“ und habe damit eine neue Richtung eingeschlagen. „Das gab es bis dahin nicht. Religiöse Fragen haben mit dem Eigentlichen zu tun“, so Kurz. Die Verfehlung kirchlicher Mitarbeiter verurteile er aufs „Heftigste“. Im ureigensten sei das Christentum aber bemüht, Menschen nah zu sein. „Ich sehe viele Fehler, aber auch positive Dinge, die die Menschheit weitergebracht haben.“

Die Kirche hat ihn geprägt. Rudolf Kurz ist der Sohn eines Dorfschmiedes und besuchte das Internat der Benediktiner in Scheyern. „Ich wollte Abitur machen, ich wollte ins Internat, für mich waren das Chancen“, sagt er. „Knallstreng“, sei es gewesen, aber „kein Gefängnis“. Hofgang in Pause an der frischen Luft. Für Kurz in der Rückschau ein Weg, sich danach wieder besser konzentrieren zu können. Dazu dreimal in der Woche Gottesdienst.

Nach der Schulzeit wollte Kurz eigentlich Architektur studieren. Die Wartezeit auf den Studienplatz überbrückte er mit einer Schlosser- und Schmiedelehre. Ab 1980 folgte das Bildhauerstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Und bald darauf schuf er den ersten Brunnen für Stimpfach. Erst dann kam die Kirche.

Heute sind auch weltliche Werke von Rudolf Kurz fester Bestandteil der Kunst auch im öffentlichen Raum. Wie der Brunnen im Aalener Stadtgarten oder am Fuchseck in Ellwangen. Längst passt die Liste seiner Arbeiten nicht mehr nur auf eine DIN A 4-Seite. Kurz ist einer, der kaum ruht. Er sei mit seiner Frau noch nie länger als 14 Tage im Urlaub gewesen, sagt er. Selbst dann aber gehe er gerne mal etwa in Carrara „Steinstaub schnuppern“ - wenn man schon mal in der Nähe sei.

Ein Schlaganfall 2014

Künstler wie der Ellwanger Bildhauer machen meist erst Pause, wenn das Leben sie ausbremst. Rudolf Kurz hatte im Jahr 2014 einen Schlaganfall, seine rechte Seite darauf komplett gelähmt. Danach hat Kurz das getan, was er schon als junger Mann gelernt hatte. Damals fuhr er Moto-Cross-Rennen. „Wenn man dabei in den Dreck fährt und es geht eng zu, muss man kräftig durchtreten und weiterfahren, ohne zu bremsen. Sonst bleibt man stecken und es geht nicht weiter“, sagt Kurz. Jahrzehnte später trat er in der Reha also wieder durch. Unermüdlich fuhr er auf dem „Tret-Rädle“. Strich das Brot mit der rechten Hand, auch wenn das eigentlich gar nicht klappte. „Ich wollte so schnell wie möglich wieder heim“, sagt der Künstler.

Kein Kürzertreten auch nach der Genesung, aber die Erkenntnis, dass die Effektivität nachlasse und der Rücken heute mehr schmerze, beschreibt Rudolf Kurz seine Arbeit heute. Nur langsam mache er weniger. „Aber es wird auch im öffentlichen Raum nicht mehr so viel Kunst gemacht.“ Auch nicht in den Kirchen. Zu tun hat der Bildhauer trotzdem noch genug. In diesem Jahr führte ihn sein Weg unter anderem immer wieder nach Hannover, um in den evangelischen Kirchen Räume und Glasfenster umzugestalten. Er fährt mit dem Auto - in manchen Jahren kommen gut 60 000 Kilometer zusammen. „Das ist kein Problem“, winkt er ab.

Stein und Metall, damit arbeitet er am liebsten. Auch heute noch. „Ich komme aus dem Metall, die Linie hat Stahl im Blut“, sagt er. Wenn er einen großen Stein vor sich habe, dann fasse er ihn an, probiere und spüre, wie er reagiere. „Dann muss man auch nicht mehr nachdenken.“ Erfahrung, Handwerk und Talent, als das greife ineinander. Wer denkt da schon ans Aufräumen.

Rudolf Kurz: „Arbeiten in Glas“ in einem neuen Buch

Glasfenster sind wandelbare Kunst im Rhythmus des Lichtes zwischen Hell und Dunkel. So beschreibt diese besondere Kunstform kurz gefasst Karl-Josef Kuschel in seinem einleitenden Kapitel zu den „Arbeiten in Glas“ von Rudolf Kurz. 21 Glasfenster hat der Ellwanger geschaffen in den Jahren 1993 bis 2022. In der Region gehört die große Glasarbeit in der Kapelle des St. Anna Hospiz Ellwangen zu den Bedeutsamsten. Drei Meter hoch und fünf Meter breit ist diese, scheint einem Flügelaltar nachgebildet, hat als Thema Schöpfung als unabgeschlossenen Prozess, schreibt Kuschel in seiner mehrere Seiten umfassen Auseinandersetzung damit. Ergänzt durch zwei weitere, die dem Betrachter einen Leitfaden an die Hand geben für alle weiteren großformatigen Bilder und Detailaufnahmen in dem Buch, das die vielseitige Schaffenskraft des Künstlers eindrucksvoll dokumentiert. ⋌dot ISBN: 9783795437992, 20 Euro, 88 Seiten.

Der Ellwanger Künstler Rudolf Kurz in seiner Werkstatt im Spitalhof. Der große Marmorstein hinter ihm wartet noch auf seine Bestimmung. Fotos: Oliver Giers
Atelierbesuch bei Rudolf Kurz in Ellwangen. Foto: Oliver Giers
Atelierbesuch bei Rudolf Kurz in Ellwangen. Foto: Oliver Giers
Foto: Schnell +Steiner
Im ehemaligen Schafstall sind jede Menge Modelle des Künstlers zu finden.
Rudolf Kurz in dem Veranstaltungssaal. Hier ist der Stiftsbund immer wieder zu Gast.

Zurück zur Übersicht: Ostalb-Kultur

Kommentare