„Schattengöttin“ denkt schon an 2024

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Schattentheater
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Mit einer Aufführung des Turiner Ensembles  Controluce Teatro d‘Ombre endet das 12. Internationale Schattentheater-Festival in Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd

Sieben Tage lang ist Schwäbisch Gmünd der Nabel der weltweiten Schattenspiel-Szene. Der Abschluss mit dem Controluce Teatro d‘Ombre aus Turin ist zugleich ein Höhepunkt des 12. Internationalen Schattentheater-Festivals. Der Beifall an diesem Donnerstagabend gilt neben dem italienischen Ensemble den Bühnen aus ganz Europa, die ihre Stücke in Schwäbisch Gmünd aufführten und ganz bestimmt Sybille Hirzel, der „Festivalgöttin“, wie sie Oberbürgermeister Richard Arnold beim Abschlussfest bezeichnete. Die Intendantin ist glücklich über die Schatten-Woche und fiebert irgendwie dem nächsten Festival entgegen. „Ich mache mir schon Gedanken über 2024“, sagt sie Minuten nach Ende der Aufführung „Dido und Aeneas“.

Drei Produktionen, die sie gerne in der Woche gezeigt hätte, sollen beim 13. Festival in Schwäbisch Gmünd aufgeführt werden. Gewöhnlich findet die Reihe alle drei Jahre statt. Wegen Corona waren es diesmal vier Jahre, 2024 kehrt man zum alten Rhythmus zurück. Oberbürgermeister Richard Arnold schätzt dieses Festival, „wir haben mit dem Schattentheater und dem neuen Museum „Schattenreich“ ein Alleinstellungsmerkmal. „Schattenreich“ ist das einzige Museum weltweit, das sich dem zeitgenössischen Schattenspiel widmet. Er dankte dem Festivalgründer Rainer Reusch und schätzt die Arbeit von Sybille Hirzel, die „das Festival zu dem gemacht hat, was es heute ist“. Auch die Organisatoren sind glücklich: „Unsere Erwartungen wurden deutlich übertroffen“, sagt Ralph Häcker, Leiter des Kulturbüros, nach der Abschlussveranstaltung. Schließlich habe man nach der Corona geschuldeten längeren Pause nicht gewusst, wie das Publikum reagiert. Aber die Schattentheater-Interessierten kamen, viele aus der Umgebung, nicht wenige aus ganz Deutschland und vielen Ländern der Welt. Hotels waren in Schwäbisch Gmünd während des Festivals komplett ausgebucht.

Das liegt wesentlich an der Auswahl der Bühnen und Stücke und da darf das Controluce Teatro d‘Ombre nicht fehlen. Die fünf Hauptakteure, die am Ende den Applaus des Publikums annehmen, sind Meister des Lichts, der Farben und der Klangauswahl. Eine Mischung, die das Publikum durch das Stück trägt und die Zeit unbemerkt dahinschmelzen lässt. Schon der Beginn ist vielversprechend. Die ersten Takte von Henry Purcells berühmteste Oper sieht es nicht nach Schattenspiel aus. Dido schreitet in Rot verhüllt leibhaftig über die Bühne, verlässt sie als Schatten und verknüpft damit Opernaufführung und Schattenspiel. Das Controluce Teatro d‘Ombre nutzt die ganze Bandbreite, setzt in der Dramaturgie geschickt Farben und Tempo ein. Jede Veränderung der Stimmungslage, von der Sehnsucht Didos bei Aeneas‘ Ankunft mit dem Schiff bis zur Verschwörung durch Zauberin und Hexen, greift die Regie auf. Lässt Raum für die Fantasie, nutzt die Symbolik, wenn etwa drei rote Flächen wie Spielkarten über die Bühne tanzen und Gefahr signalisieren. Silhouetten und menschliche Schatten fließen ineinander, sind übergroß präsent, um sich im nächsten Moment wieder zurückzuziehen. Das Ensemble aus Turin lässt die auf Vergils Erzählungen basierte Oper auch mal zum Märchen werden und schon im nächsten Moment holen die Opernklänge das Publikum zurück. Dem Controluce Teatro d‘Ombre hat sich nach dem 2019 aufgeführten Stück „Butterfly-Blues“ nun mit „Dido und Aeneas“ weiter in die Herzen der Schattentheaterfreundinnen und -freunde gespielt.

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