Sehnsucht auf den Balkonen

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Das Landestheater Dinkelsbühl zeigt in der Sommersaison 2021 die Komödie „Frühschicht bei Tiffany's“, auf der Freilichtbühne im Wehrgang.

Die Dinkelsbühler eröffnen die Saison im Wehrgang mit einer Komödie. Um was es bei „Frühschicht bei Tiffany's“ geht.

Dinkelsbühl

Eigentlich hat sich Amy von ihrer Arbeit bei Tiffanys freigenommen, um sich zu ihrem Geburtstag mit einer Flasche Whiskey in der Hand vom Balkon zu stürzen. So beginnt Kerry Renards Dreierkomödie „Frühschicht bei Tiffany“ - im Original „Breakdown at Tiffany's“ - mit kleinen Anspielungen an den auf Truman Capotes Novelle basierendem Spielfilm „Frühstück bei Tiffany“. Mit dieser Komödie eröffnete das Landestheater Dinkelsbühl seine Sommerfestspiele auf der Freilichtbühne am Wehrgang.

Ursprünglich hätte das Stück in der Winterspielzeit zu sehen sein sollen. Aber Intendant Peter Cahn war gezwungen umzuplanen. Er versprach dafür den 80 Zuschauerinnen und Zuschauern für das nächste Jahr wieder mehr Musikrevues.

Ganz ohne Musik – allerdings nicht oder nur kurz gesungen, als Janina Lisa Dötterl als Amy „Moon River“ mit Bezug zum stets im Hintergrund mitschwingenden Film anstimmt – kommt auch Friederike Försters auf die Lust am Wortwitz setzende, durchaus temporeiche Inszenierung nicht aus. In den Umbauphasen überbrückt die Musik wortlose Momente. Und Bob outet sich als Liebhaber absonderlicher bayerischer Musik und Hackbrett-Hits.

Bernhard Schnepf, der den Pflanzen liebenden Bob wunderbar ausladend wie verkrampft mit Tourette-Syndrom spielt, beweist eben das schon im ersten Dialog mit Schriftsteller Chris. Den verkörpert Andreas Gräbe als mit sich selbst unzufriedenen Verfasser von Gebrauchsanweisungstexten – aber mit der Sehnsucht nach Größerem, nach einem Roman. Von was der handele, fragt Bob, worauf ihm Chris antwortet: „Von der unerfüllten Liebe.“ „Ha, ganz was Neues“; schießt es aus Bob heraus. Schnepf explodiert da geradezu – herrlich mitzuerleben ist das noch des Öfteren im Stück. „Coffee to fly“ serviert der „unglücklich verwitwete“ später Amy. Das Publikum genießt sichtlich das lustvolle Spiel der Darsteller, spart nicht mit Zwischenbeifall.

So folgt man den drei Schauspielern bestens unterhalten durch die Jahreszeiten, durch Annäherungen und Abstoßungen, Letzteres vor allem zwischen Amy und Chris. Denn Amy hat die Trennung von ihm nicht überwunden. Janina Dötterl gibt ihr trotzdem Farbe. Sie lässt ihre Figur beim Dinner mit Bob auf dem Balkon sogar mal zu Audrey Hepburn alias Holly Golightly werden – mit langem Zigarettenhalter und LED-Halskette. Spielt als Amy gewitzt mit Bob, als der ihren Papagei Brad für Brad Pitt hält. Und sie lässt sie auch mit Chris spielen, als es um das Manuskript seines Romans geht.

Am Ende wollen beide – nicht wissend voneinander – ausziehen. Bob hat Angst, allein zurückzubleiben und bringt beide wieder zueinander. Beim Happy End geht 's dann noch mal um den „Balkon“. Das Publikum spendet langanhaltenden Beifall.

Nächste Premiere: „Allein in der Sauna“

Als nächste Premiere ist am Mittwoch, 2. Juni, 19.30 Uhr, i auf der Freilichtbühne im Wehrgang der kabarettistisch-komödiantische Monolog „Allein in der Sauna“ für einen Schauspieler von Frank Pinkus zu sehen. Pinkus konfrontiert seine Figur Kalle in seinem Monolog mit den großen Fragen – von Liebe bis Wocheneinkauf.

Weitere Termine für alle Stücke und Karten unter www.landestheater-dinkelsbühl oder Tel: (09851) 582527 0.

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