So viel Beifall gab es im KUBAA selten

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Die Delattre Dance Company aus Mainz und ensemble πk im Kulturbahnhof. Foto: Oliver Giers
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Im Kulturbahnhof in Aalen tanzt die „Delattre Dance Company“ aus Mainz sehr sehenswert zur Minimal Music von Uwe Renz' „ensemble πk“.

Aalen

Da kann nichts mehr schief gehen, wenn ein Konzert gleich mit rhythmischem Klatschen beginnt. Wie Samstagabend im voll besetzten Saal im KUBAA. Zwei junge Musiker eröffnen das Zusammentreffen des ensembles πk von Uwe Renz mit der Delattre Dance Company aus Mainz mit der „Clapping Music“ von Steve Reich.

Der Pionier der Minimal Music aus den USA wird am Ende des in jeder Hinsicht anspruchsvollen Programms nochmals in einer Interpretation durch „πk“ zu hören sein. Doch zuvor hat sich der aus Miami stammende einstige Rockmusiker Michael Gordon in „Weather One“ musikalische Gedanken über die Wetterkapriolen gemacht, akkurat trocken umgesetzt von sechs Streichern. Ohne Schirm haben dazu auf der zwischen drei Publikumsblöcken aufgebauten Bühne vier Tänzerinnen und zwei Tänzer das Bewegungsvokabular des klassischen Balletts nach der Choreographie von Stéphen Delattre mit athletischer Ästhetik auf vielfältige Weise verfremdet und so neu erschlossen.

Spröde und unangepasst an traditionelle Seh- und Hörerwartungen, verlangen die Akteure ihrem Publikum einiges an Bereitschaft ab, Neues zu akzeptieren. Dieses erweist sich als lernfreudig aufgeschlossen. Worüber die das Projekt leitenden Natascha Euteneier vom städtischen Kulturamt und Komponist Edgar Mann sicher froh waren.

Insofern war Arvo Pärts Stück „Fratres“ (Brüder) die Titelklammer für den gesamten Abend. Ein im wahrsten Wortsinne ausgefeilter Klangzauber, dessen hohe Anforderungen Susanna De Secondi und Elias Opferkuch an zwei Klavieren sowie die Cellistin Amelie Brune mit Bravour bewältigt haben.

Mit dem innigen „Spiegel im Spiegel“ des estnischen Komponisten geht es nach der Pause weiter. Zum symmetrisch notierten Stück, das die Geigerin Annika Chen und Susanna De Secondi am Klavier mit großer Anmut interpretieren, nehmen die Tänzerinnen und Tänzer den Ball der Symmetrie auf. Dem Pas de deux der beiden Tänzer schließt sich einer zweier Tänzerinnen an, bevor dann alle möglichen Variationen des genau kalkulierten Mit-, Gegen- und Durcheinanders durchgespielt werden.

In Steve Reichs fünfsätziger Klangcollage „Radio Rewrite“ auf Basis zweier Songs der Rockband „Radiohead“, die Uwe Renz mit eisern disziplinierter Taktgebung durchzieht, treibt das Ballett-Sextett seinen Bewegungsdrang auch mimisch auf die Spitze. Beim Gerangel auf dem Affenfelsen (so meine Interpretation) zeigen die vier Damen dem langen Schnösel und seinem kleinen Adlatus, wer hier die Hosen anhat. Kleine Eifersüchteleien inbegriffen. Das Publikum will verdientermaßen anschließend mit dem Klatschen gar nicht aufhören.

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