Sommerserenade mit dem Agade-Quartett

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Schönste Serenadenmusik von besten Musikern im schönsten Aalener Konzertsaal: "Aalen Festival Orchester featuring Agade Quartett" in der Galerie des Fachsenfelder Schlosses.

Aalen-Fachsenfeld

Im Sommer unter den Linden im lauschigen Fachsenfelder Schlosshof sitzen und exquisiter Musik von ebensolchen Musikern hören. Was kann schöner sein? So geschehen bei der gestrigen "Serenade auf Schloss Fachsenfeld". Nur - das mit dem Sommer und den Linden fiel wetterbedingt aus, sodass sich Musiker und Publikum in die Schlossgalerie zurückziehen mussten. Hier nahmen dafür zwischen Hermann Pleuers Eisenbahnromantik überraschend viele Besucher Platz. Alles Geimpfte, wie versichert wurde, weshalb der Musik ohne Maske gelauscht werden durfte. Wer wollte, konnte zudem beim Blick durchs Fenster in den Schlosspark zumindest ein bisschen sommerliches Serenadenfeeling erahnen. Der Rest: Fantasie! Und die wurde eingangs von Mozarts "Jagdquartett" aufs beste beflügelt, zumal die beiden Violinisten Angelo Bard und Clemens Ratajcak sowie Aalens Viola-Spezialist Gero Wittich und der verlässliche Cellist Christian Fagerström in bewährter Manier (als "Aalen Festival Orchester featuring Agade Quartett") mit der Serenata dem trüben Wetter eine überaus heitere Note entgegensetzten. Ohne Larifari, dafür in vernehmbar homogem Klang, mit Perfektion gespielt, herbstlich aufregend, tonschön, spannend.

Mit Mozarts Streichquartett B-Dur (KV 458) greifen die vier Musici zu einer zwar eingängigen, aber dennoch herausfordernden Komposition, die der Maestro in freundliche und verbindliche vier Sätze bündelte, die aber zugleich dank ihres hohen Tempos und dynamisch akzentuierter Gegensätze schönstes Hörvergnügen bereitet. Auch - wie bei Jagdmotiven sonst üblich - ohne Hörnerklang. Dafür findet sich im ersten Satz (Allegro vivace assai) ein Hauptthema, das einem Jagdhornsignal ähnelt. Das Quartett zeigt allerdings rasch auf, Mozart wollte keine der konventionellen jagdmusikalischen Traditionen aufgreifen. Belebend und spielerisch führen die Streicher durch temperamentvolle, teils herb klingende Passagen, hin zu einem schön gestalteten Hauch von Melancholie (Menuett), zu einem empathischen Zwiegesang von Violine und Cello (Adagio), um schließlich in mozartscher Freundlichkeit auszuklingen.

Das Publikum ist begeistert und das Quartett geht gut gelaunt und mit Verve durchs weitere Programm, mit seinem Angebot an luftiger Serenadenmusik von Antonin Dvorak, Fritz Kreisler und Joaquin Turina. Ohne an einer gewissen Ernsthaftigkeit zu sparen, beispielsweise beim "Gebet des Torero", der Streicher-Bearbeitung einer überlieferten Lauten-Komposition, die einen Blick auf die spanische Kultur ermöglicht, hier auf die in tiefen Celloklänge versunkene Angst des Toreros vor dem Kampf, der indes meist mit dem Tod des Stieres endet. Aus diesem melancholischen Tal retten die Musiker ihre Serenade mit vergnüglichen Alt-Wiener Tanzweisen, mit Kreislers "Liebesfreud - Liebesleid". Der sich hierbei immer drehenden Dreivierteltakt macht glücklicherweise den herbstlichen Sommer, das verflixte Covid und alles andere Trübe vergessen.

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