Suche nach instrumentaler Gleichberechtigung

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Leonard Elschenbroich und Alexei Grynyuk beim Gschwender Musikwinter. Foto: kol
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Die Klassik-Saison in Gschwend hat begonnen. Zu hören waren Kompositionen von Brahms.

Gschwend. Der Auftakt in die Klassik-Saison ist gemacht – mit einem Brahms-Programm. Im Zentrum des Konzerts in der evangelischen Kirche standen die beiden Sonaten für Klavier und Violoncello - plus die „Vier ernsten Gesänge“ op. 121 sowie das Scherzo aus der F. A. E.-Sonate. Der dramaturgisch geschickte Verlauf des Konzertabends erwies sich als beeindruckende biografische Werkschau eines Komponisten, dem sowohl das Violoncello als auch das Klavier bestens vertraut waren. Schon 2019 hatten die beiden international renommierten Instrumentalisten Leonard Elschenbroich und Alexei Grynyuk beim Musikwinter durch ein ähnlich geartetes Beethoven-Programm auf sich aufmerksam gemacht.

Dr. Martin Redenbacher wies in seiner Einführung darauf hin, dass Brahms bei der Titelgebung „Sonate für Klavier und Violoncello“ das Tasteninstrument bewusst an erste Stelle gesetzt hatte, um damit die sonst Mitte des 19. Jahrhunderts übliche Dominanz des Soloinstruments Violoncello zu durchbrechen. Instrumentale Gleichberechtigung habe es damals noch nicht gegeben. Sowohl mit der e-moll Sonate op. 38 als auch mit der F-Dur Komposition op. 99 sei Brahms weit über die stilistischen Auffassungen seiner romantischen Zeitgenossen hinaus gegangen.

Leonard Elschenbroich (Violoncello) und Alexei Grynyuk (Flügel) hatten die schwierige Aufgabe zu bewältigen, die gleichberechtigt komponierten Partien ihrer Instrumente unentwegt abzugleichen. Dies zeigte sich bereits beim ungewohnt langen ersten Satz von op. 38, auf den mit subtiler Dynamik zunächst zögerlich zugegriffen wurde.

Aber schon kurz darauf dominierte das Klavier, dem das Violoncello nur zögerlich entgegenwirken konnte. Brahms war bei seiner Komposition geschickt vorgegangen: Zwischen die oft kraftvollen Tonfolgen des Pianos legte er bewusst die instrumentalen Einlassungen des Violoncellos, die Leonard Elschenbroich stilsicher realisierte.

Dieser beeindruckende Wettstreit im Hauptthema setzte sich auch im Seitenthema fort. Bei all dem herrschte ein lyrischer Duktus vor. Das exzellente Zusammenwirken der beiden Instrumentalisten wurde im zweiten Satz besonders deutlich. Er war menuettartig angelegt und erforderte hier ein synchrones Zusammenspiel.

Jahrelange Zusammenarbeit und Einfühlungsvermögen ließen sich an jeder Stelle nachvollziehen.

Für Brahms-Kenner war die e-moll Sonate ein musikhistorisches Musterstück, auch im dritten Satz. Kontrapunktisches aus der Barockzeit war ebenso zu finden wie die durchkomponierte Gesangskunst der Romantiker.

Während diese Sonate bereits 1866 bekannt wurde, kamen die „Vier ernsten Gesänge“ op. 121 auf der Grundlage biblischer Texte erst kurz vor Lebensende von Johannes Brahms (+ 1897) an die Öffentlichkeit. Diese Kompositionen waren ideale Ergänzungen für den eher etwas schwermütigen Stil der e-moll-Sonate.

Das weitgehend lebhaft angelegte Scherzo aus der vierteiligen F.A.E.–Sonate („Frei aber einsam“) wurde nach der Pause zu einem guten Einstieg für die abschließende F-Dur-Sonate op. 99 von 1886, die in auffallendem Kontrast zum Frühwerk steht. Die Herausforderungen von volksliedhaft Verspieltem wie im Abschluss-Rondo oder ungewohnte Pizzicato-Passagen meisterten die beiden Interpreten mit Bravour.

Der Abschluss-Beifall von fast fünf Minuten spiegelte die große Begeisterung des Publikums wider.

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