Tauchgang im „Schattenreich“

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Rainer Reusch im Schattenlabor des „Schattenreichs“ in Schwäbisch Gmünd.
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Was es bei einem Rundgang durch Schwäbisch Gmünds neues Schattentheatermuseum zu erfahren und erleben gibt.

Schwäbisch Gmünd

Pippi Langstrumpf macht Handstand. Oder besser gesagt: ihr Schatten. Denn die Pippi-Figur ist eine von mehreren, mit denen man im Schattenlabor des neuen Museums in Schwäbisch Gmünd selber experimentieren kann. Wie funktioniert der Schatten, wenn ich das Licht ändere oder die Figur versetzte - das ist nur eine von vielen Fragen, denen man im Labor des Schattentheatermuseums nachspüren kann.

„Mir war wichtig, dass man gebildet wird mit Herz, Kopf und Hand“, sagt Rainer Reusch, der mit all dem auch hinter dem neuen Museum steht - einem Mitmachmuseum. „Ich wollte nicht, dass nur Vitrinen nebeneinander stehen“, sagt er. Reusch ist es auch, der dafür sorgte, dass Gmünd sich in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer Art Mekka für Schattentheatermacher aus der ganzen Welt entwickelte. Das nun als festen Dreh- und Angelpunkt das „Schattenreich“-Museum hat.

Es ist nicht eine, sondern es sind gleich mehrere fremde Welten, in die man in dem Museum im Mohrengässle eintaucht. Keine Fenster, dafür das Spiel mit Licht und Schatten in jedem Winkel. „Das gefällt mir besonders gut“, sagt Reusch. Ein langes, schwarzes Regal an der Wand, innen weiß, davor schwarze Schattenfiguren aus dickem Papier - die tun, für was sie gemacht sind: Schatten werfen. Lange weiße Tische, die auf der Platte Steckdosen haben. „Hier finden die Workshops statt“ erklärt Rainer Reusch. „Wir könnten sofort damit loslegen, aber Corona zwingt uns, das zunächst zu lassen. Wir warten auf bessere Zeiten“, sagt Reusch. „Ich habe mich ja schon viele Jahre in Geduld geübt“, fügt er an. Zwölf Jahre habe es von der Idee bis zur Realisierung des Museums gedauert, dessen Verwirklichung ihm der Gmünder OB Richard Arnold immer zugesagt habe. Anfang Oktober 2021 wurde Reuschs Traum Realität, Schattentheater neben dem im dreijährigen Turnus stattfindenden Schattentheaterfestival in Schwäbisch Gmünd das ganze Jahr über erlebbar zu machen.

Erlebbar an gleich mehreren Stationen, von denen das Schatten-Labor nur eine ist. Knapp und verständlich sind an den Stationen Antworten etwa zu den Fragen „Wie erzeugt man große und kleine Schatten?“ oder „Wie lässt sich ein hässlicher Schatten in eine schöne Frau verwandeln?“ zum bekommen. Zum Beispiel, in dem man die im Schattenbild hässliche Hexe im Licht einfach selbst umdreht und daraus eine Art Engel wird. „Metamorphosefiguren“ nennt die Schattentheaterkunst solche wandelbaren Figuren, die sich auf offener Szene verwandeln. Das erfährt man hier spielerisch.

Selbst Schattenspieler werden

Oder man kann ein paar Schritte weiter einfach nur mit den Händen spielen. Eine Art Mini-Schattentheater macht es möglich, einmal wieder zum Kind zu werden oder es eben einfach zu sein. Wer Lust darauf hat, kann an dieser Station einen Scheinwerfer anschalten, einen Hintergrund auswählen und dann selbst zum Schattenspieler werden. Inspirieren lassen kann man sich durch eine Anleitung: Hund, Ziege, Schlange - fast zwei Dutzend Figuren lassen sich so nachspielen. Direkt von der Hand ins Herz geht das. Wer es dagegen lieber technisch mag, lässt einfach die Modelleisenbahn durch eine weiße Minilandschaft fahren, deren Bewegung auf den Gleisen wunderschöne Schatten auf die Wand rundherum wirft - und dann wieder verschwinden lässt. Modernes Schattentheater.

Modernes Schattentheater, das ist auch der Schwerpunkt, den das Gmünder Museum setzt, so Reusch. Vermutlich da einzige seiner Art nicht nur in Europa, sondern weltweit. Reusch ist gut vernetzt in der Szene, er habe lange recherchiert und nichts dergleichen gefunden, sagt er.

Die Exponate, die es im „Schattenreich“ zu sehen gibt, stammen aus Indonesien und Griechenland, China und der Türkei - den Ländern, in denen das traditionelle Schattentheater gespielt wird. Geschenke von Freunden, die Reusch vom Schattentheaterfestival kennt und aus einer Hamburger Sammlung, die ihm überlassen wurde. Ebenso wie viele „moderne Figuren“ aus Deutschland, Frankreich oder Italien. So wie etwa Reuschs Liebling, der „Feuervogel“ aus bemalter, flexibler Kunststofffolie. Ein Figur, die auch farbigen Schatten erzeugen kann - anders als im traditionellen Schattentheater. Trotzdem sind auch diese Figuren ganz fein, bunt und kunstvoll gestaltet. Schattenspiel hat auch eine religiöse Dimension in Asien.

Noch hängen all diese Figuren an den Wänden. Doch bald werden sie auch Vitrinen ihren Platz finden, wie Reusch erzählt. Irgendwie gehören die eben doch irgendwie zu einem Museum.

Rainer Reusch am Mini-Schattentheater.
Ein Lieblingsstück: der „Feuervogel“ (r.)
Eröffnung
Eröffnung
Schattenlaborantin Anna Klamann.

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