Tina Stroheker setzt ein Denkmal

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Tina Stroheker ist zu Gast beim Verein "Brücke anch Osten".
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Die Autorin spricht und schreibt über das unkonventionelle Leben von Hanna aus Tschechien.

Schwäbisch Gmünd. Im Rahmen der Wort-Reich-Literaturtage lud der Verein „Brücke nach Osten“ die Schriftstellerin Tina Stroheker in den Unipark ein. Ein verlegerisches Kleinod lag auf dem Büchertisch. Kleine Miniaturen, inspiriert von 67 Fotos, bilden die Mosaikstückchen zum Leben der tschechischen Freundin, der die Autorin ein kleines intimes Denkmal setzt. Strohecker hat die Fotos ausgewählt und stellt Fragen dazu, wie der Betrachter einer Fotoausstellung.

Einige Stationen des Lebensweges sind ihr bekannt. Hana selbst hat vieles mit dem Fotoapparat festgehalten. Ihre Radausflüge in die Natur zum Hagebuttensammeln, die kleine Kapelle, die sie mit der Aktion Sühnezeichen renoviert hat, ein Regenbogen über der schneebedeckten Landschaft. Die Autorin versucht nicht, die Leerstellen der Biografie zu füllen. Sie gibt dem fremden Leben respektvoll Raum.

„Hana oder Das böhmische Geschenk“ zeichnet das Leben einer unkonventionellen Tschechin nach. 1952 geboren im von den Sudetendeutschen entvölkerten Riesengebirge entdeckt die Spuren derer, die vor ihr das Dorf bewohnt haben. Ein Mantel aus Schweigen liegt über der Vergangenheit. Sie studiert Germanistik, unterrichtet Tschechisch und Deutsch. Sie zieht die Augen der Staatssicherheit auf sich. Die aufrechte Verfechterin ihrer freiheitlichen Ideen hält eine Trauerrede als einzige Vertreterin ihrer Heimatstadt auf einen Dissidenten, den das kommunistische Regime im Gefängnis hat umkommen lassen. Sie verliert ihre Lehrbefugnis. Worte haben es ihr angetan. In ihrem Elternhaus wächst sie ohne Bücher auf. Umso mehr lässt sie sich von Sprache faszinieren. In der Nachttischschublade ihres Krankenhausbettes findet sich nach ihrem Tod mit 67 Jahren ein kleiner Zettel mit einem Gedicht von Mascha Kalenko. Sie setzt sich ein für die Erinnerung und die Versöhnung zwischen den Neuangesiedelten und den Vertriebenen. Die Sprachen Tschechisch und Deutsch sind ihr Schlüssel. Helga Widmaier

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