Wespels Wort-Wechsel Manfred Wespel über Typen, Charaktere und den Druck

Typen und Charaktere

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Manfred Wespel

Viele bevorzugen von VW den Typ Golf, einige sehen in Dieter Zetsche den Typus des erfolgreichen Managers; den meisten ist klar, dass Pasta eine typische italienische Vorspeise ist, und manche kennen noch die Type, mit der man bei der Schreibmaschine einen Buchstaben auf das Papier auf der Walze schlug. Von dieser Type ist auch Typographie abgeleitet, die Kunst der Druckgestaltung.

Alle Wörter wie Typ, Typus, Type und typisch gehen auf ein griechisches typos zurück, den Schlag, mit dem man Münzen prägte. Jede Münze sah gleich aus und unterschied sich von Münzen eines anderen Typs, anderer Prägung. Weil darauf meist ein Bild (Herrscher, Tiere, Pflanzen) zu sehen war, bedeutete Typus auch Abbildung, Bild, Modell, und bei Personen reicht Typ(e) von neutraler (Mann, Kerl) über positive (toller Bursche) bis hin zu negativer (verdächtige Figur) Bedeutung schwankt sein Charakterbild in der Geschichte. Ganz ähnlich bezeichnet das griechische Wort „charaktér“ den Stempel, mit dem man ein Bild, ein Abbild einen Abdruck prägen konnte (von charrasein: einritzen, prägen). Lange Zeit wurde in der Druckindustrie mit Charakter auch das Schriftzeichen benannt. Inzwischen ist bei uns Charakter fast ausschließlich auf Personen (und Tiere wie Hunde und Pferde) bezogen und beschreibt deren Eigentümlichkeiten, eben das, was sie geprägt hat, im Guten wie im Schlechten. Der ganz konkrete Vorgang hat sich ins Psychische und gar Moralische verschoben. Eine schöne Kombination: „Der Typ dort hat einen ganz miesen Charakter.“

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