Über Instagram direkt in eine Mailänder Galerie

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Christina Fink aus Westhausen konnte ihre Kunst in Mailand austellen. Durch Zufall wurde die Galerie dort auf sie aufmerksam.
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Christina Fink ist 3D-Artist. Wie sie es schaffte, eines ihrer Gemälde in Italien zu zeigen und was Heavy Metal damit zu tun hat.

Westhausen

Manchmal entwickeln sich die Dinge in schwierigen Zeiten einfach gut. So wie bei Christina Fink. Für eine Freundin malte sie ein Bild. Christina Fink hat nicht Kunst studiert und sie arbeitet meist am Computer. Ihr Gemälde aber gefiel einer Mailänder Kuratorin auf Instagram so gut, dass sie es ausstellte. Für die 29-Jährige der Anlass, sich nun intensiver der Kunst zu widmen.

Christina Fink sitzt zuhause in ihrem Wohnzimmer am Esstisch. Über dem hängt großformatig der japanische Garten, den sie nach einem Foto für eine Freundin nachgemalt hat. Na ja- fast: „Hier zum Beispiel sind Reflexionen, die waren auf dem Original gar nicht zu sehen“, sagt sie und zeigt auf den Teich in der Bildmitte. „Das Schöne an der Malerei ist, dass man machen kann, was man will“, fährt sie fort und grinst ein wenig. Natürlich aber habe sie den Fotografen ihrer Vorlage vorab kontaktiert und um Erlaubnis gefragt.

Vor dem Fenster steht das Bild, an dem sie gerade arbeitet. Ein Gepard. Jedes Härchen seines Felles lässt sich mit dem bloßen Auge erkennen. Am liebsten würde man in sein Fell fassen, so echt wirkt er. „Mit abstrakter Malerei kann ich nichts anfangen“, sagt Christina Fink, während sie die Farben zurechtrückt, die auf dem Regal gleich neben dem Esstisch stehen. Realismus hat es ihr angetan.

Lasershow bei LOBO

Vielleicht auch, weil die 29-Jährige auch beruflich mit ganz realistischen Aufgaben zu tun hat. Die gebürtige Göppingerin arbeitet bei einer Ulmer Firma, die sich auf die Gestaltung von dreidimensionalen Welten spezialisiert hat. Das Rüstzeug dafür hat sie sich durch ihr Studium Virtual Design in Kaiserslautern angeeignet. „Räumliche Kunst“ Kunst im Allgemeinen habe sie aber schon davor interessiert. Inklusive Kunst-LK in der Schule. „Da lag ich immer zwischen der Note 3 und 4“, erzählt sie unumwunden. „Weil ich so gemalt habe, wie ich wollte“, erklärt sie es sich. Gemalt habe sie aber schon zuvor viel mit der Oma. „Ich denke, daher kommt das“, sagt Christina Fink.

Doch zunächst schlug sie einen ganz anderen Weg ein. Wurde Fremdsprachen-Korrespondentin. Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch, spricht sie. Fertig mit der Ausbildung bewirbst sie sich bei LOBO in Aalen in ihrem Beruf. „Die haben mich dann irgendwann gefragt, ob ich als Urlaubsvertretung eine Lasershow machen könnte“, erzählt sie. Sie wirft sich selbst ins kalte Wasser, arbeitet wochenlang daran, malt jeden Frame von Hand. „Als die Show dann fertig war, habe ich damit gleich den zweiten Platz bei einem ILDA-Award gewonnen“, sagt Christina Fink. Von da an habe sie immer mal wieder Lasershows kreiert. Auch noch, als sie ihr Studium in Kaiserslautern schon angefangen hatte.

Avatare in Parallelwelten

Welten kreiert sie nun weiterhin beruflich. „Avatare samt virtueller Räume, Lern- und Arbeitswelten etwa, die große Firmen gerne haben möchten, aber auch Züge oder Autos“, erklärt sie, was sie als 3D-Artist macht. „Parallelwelten haben mich schon immer interessiert“, sagt sie. Die Zeit der Videospiele aber sei trotzdem längst vorbei.

Stattdessen füllt Christina Fink die freie Zeit, die sie hat, mit Malerei aus. Den Kick dafür nimmt sie aus der Musik. „Heavy Metal. Das entspannt mich“, sagt sie. „Das ist mein Gegenpol zum Alltag. Dann werde ich kreativ“, fährt sie fort. Während der Schulzeit habe sie sogar schon mal E-Gitarre in der Abi-Band gespielt. Das Spielen habe sie sich selbst beigebracht- „Da gab es noch keine Youtube-Tutorials“, sagt sie.

Kunst auf Instagram

Lange her. Heute postet Christina Fink ihre Arbeiten auch in den sozialen Medien wie Instagram. „Ich dachte, da bekommt man ganz direkt Feedback“, erklärt sie, warum sie damit anfing. Und Feedback bekam sie dann auch: Eine Mailänder Kuratorin wurde auf ihr Bild vom japanischen Garten aufmerksam und schrieb sie an. Man plane eine Ausstellung „Parallelwelten“ und ihr Bild würde richtig gut passen.

So richtig wohl war Christina Fink anfangs nicht dabei. „Ich dachte, was will die denn ausgerechnet von mir und habe zunächst den ganzen Abend recherchiert, ob das was Seriöses ist“, erzählt sie. Schließlich fasst sie Vertrauen. Es geht um eine digitale Ausstellung. Das Gemälde selbst muss nicht nach Italien reisen. Christina Fink lässt es hochauflösend von einem Profi fotografieren und schickt die Datei direkt an die Galerie.

Wie es dort in der Ausstellung wirkt, davon machte sie sich schließlich dann aber doch selbst ein Bild. Für einige Tage fährst sie Ende Oktober mit ihrer Mutter und einer Freundin nach Mailand. Die Umsetzung gefällt ihr gut - auch Details kann man gut erkennen, wenn man in das Foto zoomt. Bis zum 31. Oktober ist ihr Bild dort zu sehen.

Während es zuhause ja eigentlich immer noch über ihrem Esstisch hängt. „Es gehört meiner Freundin, aber ich darf es noch benutzen“, sagt Christina Fink. Auch in einer Ausstellung in Geislingen sei es bereits zu sehen gewesen beim Kunstfrühling. Insgesamt acht Bilder habe sie dort in einem eigenen Raum zeigen dürfen. „Sie scheinen gut anzukommen“, sagt sie über das Feedback. Auch deshalb hat sie sich nun nebenher selbstständig gemacht, um auch als Künstlerin arbeiten zu können. „Es wäre natürlich schön, davon, leben zu können. Aber es ist ein langer Weg und irgendwie würde mir dann auch meine 3D-Arbeit fehlen“, sagt sie.

https://finkledesign.wordpress.com/about/

https://www.madsgallery.art/artists

Christina Fink aus Westhausen konnte ihren „Japanischen Garten“ in Mailand ausstellen. Durch Zufall wurde die Galerie dort auf sie aufmerksam.

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