Über Kunst, die im Lockdown unsichtbar geworden ist

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Kreative Köpfe in Fachsenfeld: Nach dem ersten Lockdown war die Ausstellung dort im Sommer 2020 zu sehen.
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Schwäbisch Gmünd/Aalen/Essingen

Es war der 15. März 2020, in einem Monat sollte meine Ausstellung eröffnen. Die Einladungen waren verschickt, alles war bis ins Detail geplant. Dann kam ein Anruf vom Vorstand des Kunstvereins: Die Galerie muss bis mindestens Mitte Juni schließen. Boom. Auf einen Schlag waren wir Künstler, Galerien und Museen alle gleich betroffen. Doch wie sich herausstellte, war und ist der Wille, entsprechende Lösungen zu finden und sich dabei gegenseitig zu unterstützen sehr groß. So stand sehr bald der neue Ausstellungszeitraum für 2021. Ich hatte wieder Aussicht. Das machte mir Mut.

In dieser Zeit wurde mir bewusst, wie elementar für die Kunst das direkte Erleben des Werkes durch den Betrachter ist. Es ist ein Gesamtkonstrukt, eine feinstoffliche, detaillierte Inszenierung, die das Publikum mitdenkt. Die digitale Alternative wird die direkte Begegnung nie ersetzen können.

Die Ausstellung sollte am 14. November 2020 eröffnen, war aber von Beginn an geschlossen. Was für eine paradoxe Situation! Es gab zwar eine Verlängerung bis 2. Mai, die half aber nicht viel, da nur im März kurz zwei Wochen geöffnet werden durfte. Da kamen nur wenige Besucher, ein Bruchteil dessen, was in knapp vier Monaten möglich gewesen wäre.

Die wenigen Reaktionen waren völlig begeistert. Umso mehr ist es frustrierend, wenn kaum jemand unser Konzept und unsere Werke sehen konnte, die wir in zwei Jahren für das Museum entwickelt hatten. Keine Besucher, Kontakte, Verkäufe, Einladungen von anderen Institutionen. Auszustellen ist unser Brot als Künstler. Wenn Dir das genommen wird, nagt man bald am Hungertuch. Wir können angelehnt an dieses Projekt jederzeit andere Räume, Galerien, Kunstvereine, Museen bespielen und hätten große Lust dazu. Jedoch ist es aktuell schwierig, diese zweite Chance zu bekommen.

Wenn dir das genommen wird, nagt man bald am Hungertuch.“

Andreas Welzenbach, Künstler

Die Kunst im Katalog - Köpfe und Geschichten

Porträts von Schöpferkraft im Ostalbkreis. So ist die Idee der Ausstellung „Kreative Köpfe“ umschrieben. Und genau diese Idee findet sich auch in dem Buch der gebürtigen Schwäbisch Gmünder Fotografin dazu wieder. Die schwarz-weißen Arbeiten stets auf der rechten Seite, kleine Texte dazu auf der linken. Im Dialog miteinander geben diese Einblicke in das Leben Kreativer aus der Region – Aalen, Ellwangen, Schwäbisch Gmünd. Angefangen mit dem Schauspieler und Fotografen Christof Arnold, der mit einer kurzen, ehrlichen Skizze seines Werdegangs ganz nah an den Betrachter und Leser herantritt. Abgeschlossen mit dem 2018 verstorbenen Gmünder Musiker und Komponisten Uwe Werner mit einem Text von Laura und Aaron Werner. Die dessen „Hach, des is so schee hier“ zitieren. Was sie mit der Ostalb, ihrer Heimat verbindet, dazu finden fast alle kreativen Köpfe wunderbar klare Worte zu den klaren, ausdrucksstarken Portraits.

Die Eröffnung von „Kreative Köpfe“ in der Galerie im Kornhaus Schwäbisch Gmünd beim Kunstverein, die verschoben worden ist, ist nun für Freitag, 18. Juni geplant. Den Katalog zur Ausstellung gibt es zu bestellen in den Farben Cyan, Magenta, Gelb und Weiss. Für 50 Euro können Sie Ihr Exemplar direkt bestellen bei studio@ingridhertfelder.com.

Die Kunst im Katalog - die Alb ganz ohne Grünpfade

Ob man auf der Alb nun schon zig Male rauf oder runter gestiefelt ist - fest steht: So wie der Aalener Künstler Andreas Welzenbach und der Schwäbisch Gmünder Künstler Thomas Raschke hat man sie dabei keinesfalls gesehen. Wer diese außergewöhnlich und raumgreifende Heimatinstallation „Albabstieg“ verpasst hat, kann zumindest im Katalog einen Eindruck davon gewinnen. Klar wird schon auf den ersten paar Seiten - die Quelle der Inspiration der Künstler liegt fernab touristischer Grünpfade. Ob nun beispielsweise die Eisengusssilhouetten von Andreas Welzenbach, die an die lange Tradition der Hüttenwerke erinnern und doch mit ihr brechen. Oder Thomas Raschkes akribisch aus Styrofoam messerscharf herausgeschnittene Burg-Plastiken, die in quietschblau eine ganz neue Vorstellung von Trutz vermitteln - der 70 Seiten umfassende Hardcover-Katalog nimmt den Betrachter an die Hand, erklärt das Konzept der Ausstellung verständlich und spannend. Ein Trostpflaster, das man hoffentlich abziehen darf, wenn die beiden Künstler in der Region nochmals die Gelegenheit bekommen, ihren „Albabstieg“ zu zeigen.

Erhältlich ist der Katalog „Albabstieg“ für 11 Euro im Kunstmuseum Heidenheim, Tel. 07321 - 327 4810 (kunstmuseum@heidenheim.de) oder bei den Künstlern.

„Albabstieg“ im Kunstmuseum Heidenheim. Nur für zwei Wochen war die Ausstellung im März dort zu sehen.
Thomas Raschke und Andreas Welzenbach (v.l.)
Ingrid Hertfelder
Kreative Köpfe Katalog

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