Unterwegs auf Passagen zum Glück

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Das Abstrakt-Orchester spiel auf der Kapfenburg. Foto: Oliver Giers
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Viel Beifall auf Schloss Kapfenburg für das „Abstrakt Orchester“ und Ursula Maiers abstrakte Fotografien.

Lauchheim-Hülen. So soll es sein. So muss es sein. Musik und Bilder verbinden sich im Konzertsaal von Schloss Kapfenburg am Freitagabend zu einem beeindruckenden Raumerlebnis. Und der Jazz von Moritz von Woellwarths „Abstrakt Orchester“ und die abstrakten Fotografien der ebenfalls anwesenden Ursula Maier verbünden sich für das stattliche Publikum zu einem harmonischen Ganzen.

Optisch eingestimmt werden die Gäste mit einer großformatigen, von Rottönen dominierten Fotoarbeit, die in New York entstanden ist. Der Akademiedirektor könnte sie sich an diesem Platz gut als „Dauerleihgabe“ vorstellen. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor zum Erwerb.

Die Nordwestpassage ist ein Seeweg, der das nordische Eismeer mit dem Pazifik verbindet. Einst eine ziemlich unwirtliche Strecke, ist sie gut schiffbar geworden. Anders als diese Route, verkörpern die zehn Virtuosen des Orchesters beides: Mit ihrem unorthodoxen Spiel, in dem die eine oder andere Eisscholle treibt, sind sie Passage und Entdecker zugleich. Die fünf Bläser füllen die Segel kräftig mit Wind. Und wenn Johannes Stange auf seinem Flügelhorn Kantilenen singt, die einen in weltenferne Träume versetzen, leidet man nicht unter einer Flaute, man fühlt sich einfach nur wohl.

Zwischen die zweimal intonierte höchst komplexe Komposition „Shining Jazz is a bit dark“, hat Moritz von Woellwarth einige „Passagen“ aus dem gleichnamigen aktuellen Album eingestreut. Er hat sich dabei „irgendwas Verwunschenes“ vorgestellt, vielleicht eine malerische Gasse in Padua oder Heubach. Manchmal klingt die Bläsersektion tatsächlich wie ein Posaunenchor. Und das Tentett wie eine Bigband. Das schafft nur eine eingespielte Mannschaft. Seit 2009 jazzen sie zusammen. Für den rhythmischen Rückhalt sorgen Thomas Wörle an einem minimal bestückten Schlagzeug - es funktioniert auch so, Peter Hinz mit souveräner Percussion und Georg Bomhard am Kontrabass. Melodisch und harmonisch zusammengehalten werden die mannigfaltigen „Passagen“ von Johannes Billich an Keyboard und Flügel und dem ebenso exzellenten Zacharias Zschenderlein auf der E-Gitarre.

Solistisch glänzen neben Johannes Stange die Tenorsaxophonisten Markus Ehrlich und Steffen Dix sowie Peter Hedrich auf der Posaune. Nur Heiko von Roth bleibt auf seiner Bassklarinette ein Solo verwehrt.

In der Summe bietet das Abstrakt Orchester balladesken Kammerjazz mit Bigband-Feeling und einigen von Moritz von Woellwarth klug hineinarrangierten Eisschollen. Intelligent, frisch, lebendig. Schön war’s!

⋌Wolfgang Nußbaumer

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