Verneigung vor dem großen Meister

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Auf der Bühne im Remspark spielen an diesem Abend nur Streicher – die Bläser haben, der Größe der Bühne geschuldet, frei.
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Die Philharmonie Schwäbisch Gmünd lässt Werke von zwei englischen Komponisten erklingen. Eine gelungene Interpretation der Stücke von Edward Elgar und Sir Hubert Parry.

Schwäbisch Gmünd

Zu einer abendlichen Streicherserenade hatte die Philharmonie Schwäbisch Gmünd eingeladen. Die letzten Sonnenstrahlen erhellten die Remsparkbühne und die Zuschauerinnen und Zuschauer der Open-Air-Veranstaltung. Zwei englische Komponisten brachten die Streicher mit ihrem Dirigenten Knud Jansen zu Gehör.

Bläser haben frei

Das ganz Besondere war, dass der Dirigent das Konzert moderierte. Jansen freute sich, dass das Orchester „trotz frischer Temperaturen“ endlich wieder mit den Zuhörern in Kontakt treten konnte. Die Bläser hatten, der Größe der Bühne geschuldet, frei an diesem Abend. Die Streicher bestritten das Konzert aus dem späten 19. Jahrhundert allein und füllten den Bühnenraum aus.

Jansen führte kenntnisreich und unterhaltsam ein in die musikgeschichtliche Welt der Komponisten. Edward Elgar (1857 bis 1934) war größtenteils Autodidakt. „Er liebte die Musik von Wagner und Strauß. Sein Komponieren war stark geprägt von Antonín Dvorák, den er auch selbst im Orchester bei der Aufführung von Stabat Mater erlebt hatte“, sagte Jansen.

Elgars Streicherserenade in e-moll hatte ursprünglich drei eigenständige Sätze, die er erst später zu einem Gesamtkunstwerk gestaltet hat. Den ersten Satz eröffneten die Bratschen mit zwei Takten, gleichsam als Wegbereiter für das Streichorchester. Gespannt folgte das Publikum dem Rhythmus und dem herausragenden kleinen Solo der Konzertmeisterin an der ersten Geige. Der zweite Satz ließ die Verbindung zu Wagner spüren. Langsam entwickelte sich die „Elegie“. Geradezu zeitlos schwebten und flirrten die Töne. Aus der Dynamik zeichnete sich langsam eine Melodie heraus. Dem Vorbild Dvoráks folgend, band er kunstvoll Themen und Motive des ersten Satzes in den dritten ein, einschließlich der Alleinstellung der Bratschen. Der bewegte Schluss verneigte sich mit der Aufhellung der Tonart von e-moll zu e-Dur noch einmal vor dem großen Meister Dvorák.

„Lady Radnor Suite“

Ziemlich unbekannt dürfte der zweite Komponist des Abends für die meisten Zuhörer gewesen sein. Sir Hubert Parry (1848 bis 1918). „Der Zeitgenosse von Elgar kannte und schätzte diesen. Parry entstammte der englischen Oberschicht, genoss eine akademische Ausbildung und war Professor für Musikgeschichte. Sein Kompositionsunterricht führte ihn auch nach Stuttgart, wo er bei Pierson Unterricht nahm“, erklärte der Dirigent. Von Parry stammte der zweite Teil des Abends, seine „Lady Radnor Suite“.

Lady Radnor, führte Jansen aus, war eine Musikerin, die ein 72-köpfiges Orchester dirigierte und sich von Parry diese Komposition gewünscht hatte. Die Folge von Tanzsätzen, besonders die Allemande, zeigte sich dem Barock verpflichtet. Zarte lyrische Klänge wurden von der munter temperamentvollen Bourrée abgelöst. Weniger dem romantischen Duktus folgend, mehr von Brahms inspiriert, zeigten dennoch beide Komponisten eine seelenverwandte Ästhetik. Präzise Einsätze kennzeichneten die gelungene Interpretation der Stücke.

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