Viano String Quartet begeistert im Thronsaal Ellwangen

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Laute „Bravo“-Rufe erklangen am Ende des Konzerts des Viano String Quartet im Thronsaal.
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Stiftsbund mit goldenem Händchen bei der Einladung eines Quartetts der Superlative.

Ellwangen. Konzert kommt von „concertare = miteinander wetteifern“. Das Viano String Quartet wetteiferte tatsächlich miteinander, an keiner Stelle gegeneinander, mit dem Effekt maximaler concordia, einem Gleichklang der Herzen, der die Herzen der Zuhörer im ausverkauften Thronsaal am Samstagabend in Ellwangen höher schlagen ließ: und zwar in dem Maße, dass – kaum hatten die Musiker ihre Stücke beendet - laute „Bravo“-Rufe zu vernehmen waren.

Doch wer war nun der oder die Beste im musikalischen Wettstreit? War es Hao Zhou, der im Haydn-Streichquartett die erste Violine spielte und mit filigranen Koloraturen und glasklarer Tongebung bestach? Oder Lucy Wang, die empathisch und hochexpressiv bei Schumann agierte und ihrer Geige nicht nur schmelzende Transparenz entlockte? Oder Aiden Kane, deren Viola meist weich und voll timbrierte, die aber auch pikant akzentuieren konnte? Oder Tate Zawadiuk, dessen Cello in einem Ausmaß sang, das selbst das Außergewöhnliche noch überstieg?

Die Frage nach dem oder der Besten erübrigt sich, da die Musizierenden der Superlative ein fulminantes Quartett bildeten, dessen Parcours sich über einen klassischen Haydn, der an vielen Stellen erstaunlich romantisch klang, zu einem romantischen Schumann, der oft expressionistisch-avantgardistisch angehaucht war, bis hin zu Alexander Borodin erstreckte.

Ein ums andere Mal sprengten die Künstler die Grenze der Epoche, wohl weil diese auch zu eng für die musikalische Größe des Quartetts gewesen wäre. Freilich atmete das Allegro spiritoso aus Haydns Streichquartett G-Dur, op. 76,1 jede Menge klassischen Geist. Selbstverständlich hörte man die Weite und Zartheit der russischen Seele, gepaart mit Kraft und manchmal violentem Drang nach vorne in Borodins Streichquartett Nr. 2 D-Dur. Besonders aber hielt man alle vier Streicherinnen und Streicher für Paganinis Avatare in Schumanns Streichquartett A-Dur op. 41: Gewaltige Umspielungen in atemberaubendem Tempo, Akzentuierungen, die auf die Millisekunde abgestimmt waren, forcierende oder retardierende Pizzicati und immer wieder wunderschön lyrisches Legato machten die Schumann-Komposition zu einem wahren Leckerbissen. Dabei war Virtuosität kein Selbstzweck, sondern Gestaltungsmittel.

Kein Wunder, dass das Publikum am Ende des Konzerts lautstark nach Zugaben verlangte, die es gleich zweifach geschenkt bekam.

Gemäß dem Programm ist zu konstatieren: „Joy – we had a lot, Viano String Quartet, we love you!“Simone Robitschko

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