Vier Stimmen, eine Harmonie

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Mit Elan und Frische bei der musikalischen Sache - die. vier Streicher aus Prag.
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Das Bennewitz Quartett aus Prag verzaubert sein Publikum im Thronsaal mit Haydn, Schulhoff und Dvorák.

Ellwangen

In einem Quartett zu spielen bedeute Kommunikation. Diesen seinen Leitsatz hat das Bennewitz Quartett auch bei seinem Ellwanger Schlosskonzert beherzigt. So sind Haydn, Schulhoff und Dvorák im voll besetzten Thronsaal zum reinen Vergnügen geworden.

Schierer Wohlklang

Papa Haydn hätte ziemlich sicher seine helle Freude an seinen musikalischen Ururenkeln aus Tschechien gehabt. Was der erste Geiger Jakub Fišer, sein Violinpartner Stepan Ježek, Jiri Pinkas auf der Viola und Stepan Doležal auf dem Cello mit seinem Streichquartett G-Dur anstellen, nimmt vom ersten Bogenstrich an das Publikum gefangen. So frisch und temperamentvoll steigen sie in das „Moderato“ ein. Ein Leckerbissen, wie Jakub Fišer das aus schierem Wohlklang lebende Adagio-Motiv mit warmem, fast zärtlichem Ton „singt“, bevor im Presto im wahrsten Sinne des Wortes die Post abgeht.

Gleiches kann man über die Referenz sagen, welche die vier jungen Prager dem ebenfalls aus Prag stammenden Erwin Schulhoff erweisen. Aus dem umfangreichen Werk des Komponisten und gefragten Pianisten haben sie „Fünf Stücke für Streichquartette“ ausgewählt. Nachdem das „Minguet Quartett“ eine Woche zuvor sein Publikum an gleicher Stelle mit einer ziemlich kantigen Komposition der Russin Sofia Gubaidulina in Verwirrung gestürzt hatte, kommt das 1923 entstandene Schulhoffstück vergleichsweise harmonisch daher. Seinen Reiz bezieht es vor allem aus seinem tänzerischen Ansatz. Jeder einzelne der fünf Sätze widmet sich einem Tanz, vom Wiener Walzer bis zur Tarantella.

Mit großem Elan

Mit sichtlicher Freude und großem Elan streichen und zupfen sich die Vier durch die Partitur. Mal dürfen die tiefen Kollegen anfangen, mal die Violinen. Musikalische Demokratie pur. Unabdingbar für deren Funktionieren ist die strikte Besinnung auf das Postulat der Kommunikation.

Im tiefen Unisono mag man die kommenden düsteren Zeiten schon herausahnen, verstärkt durch die zerbrechlich anmutende Antwort des ersten Geigers. Unabhängig davon scheinen die Künstler einen unbändigen Spaß an ihrem tonalen „Gespräch“ zu haben. „Alla Czeca“ ist reinster Übermut, „Alla Tango“ fein dosierte Melancholie und „Alla Tarantella“ geht ab, wie von der Tarantel gestochen. Begeisterter Beifall begleitet die Musiker in die Pause.

Wo anders als in Prag kann Antonin Dvoráks Streichquartett G-Dur entstanden sein! Zwar beginnen die Bennewitzer den ersten Satz mit viel Pfeffer, um dann umso differenzierter dessen Komplexität und motivischen Reichtum bis zum machtvollen Finale auszudeuten. Das Adagio erweist sich als melodische Kostbarkeit. Wie bei Schulhoffs Serenata eröffnen Cello und Viola den Satz, dessen Fülle an Feinheiten das Quartett dann mit Forte-Chor und Pianozartheit dynamisch fulminant zusammen auslotet.

Drunter und drüber im Scherzo

Im Scherzo geht es mal volkstümlich herzhaft, mal in kunstvollen Verschränkungen munter drunter und drüber, bevor im Finale die vorangegangenen Sätze nochmals nach allen Regeln der Satz-Kunst durchdekliniert und mit weiteren Ideen angereichert werden.

Mit einem Rondo des italienischen Zeitgenossen Giovanni Sollima und einem barocken Juwel bedanken sich die brillanten Prager für den rhythmischen Beifall.

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