Vital, heiter und stets sehr britisch

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Das Collegium musicum unter dem Dirigat von Manuel Durão spielte im Konzertsaal der Kapfenburg Werke britscher Komponisten und die Uraufführung „Embraced by Sand“ von Imke Redecker.
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Das Collegium musicum der Oratorienvereinigung Aalen brilliert im Konzertsaal auf der Kapfenburg bei „Farewell Britannia“ mit Werken britischer Komponisten sowie einer Uraufführung.

Lauchheim-Hülen

Das Collegium musicum der Oratorienvereinigung Aalen hat ihre herbstlichen Serenaden mit britischen Anstrich präsentiert. Unter dem Titel „Farewell Britannia“ gastierten die Streicherinnen und Streicher auf der Kapfenburg und hatten eine musikalische Überraschung im Geigenkasten.

War der Brexit entscheidend für das aktuelle Programm und den wehmütigen Titel des Konzerts? Der künstlerischen Leiter des Streichorchesters, Manuel Durão, bekannte unlängst in einem Interview mit dieser Zeitung, dass der Brexit nur eine kleine Ausrede gewesen sei. Eine Ausrede, um sich thematisch mit Stücken der englischen Komponisten Henry Purcell, Ralph Vaughan Williams und Edward Elgar zu widmen. Nach vielen Online- und Präsenz-Proben hat das Orchester auf der Bühne im Trude-Eipperle-Rieger-Saal brilliert.

Vermutlich als lebhafter Tanz geschrieben, klingt „Chaconne g-Moll“ von Purcell durch den Raum. Das Stück: ein Spagat. Melancholisch anmutend, gleichzeitig aber voran strebend mit umtriebiger Vitalität. Durchzogen von Dissonanzen, schwelgt das rund siebenminütige Stück dahin.

Ebenso vielfältig präsentiert sich die „Charterhouse Suite“ von Ralph Vaughan Williams. Es gliedert sich in sechs Abschnitte: Prelude, Slow Dance, Quick Dance, Slow Air, Rondo und Pezzo Ostinato. Ursprünglich im Jahre 1920 für das Piano geschrieben, wurde die Suite von Williams gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler James Brown für ein Streichorchester arrangiert. Unterschiedliche Facetten kommen in den sechs Stücken zum Tragen. Der Beginn ist schwungvoll – ein Aufbruch. Die Tanzstücke bestechen mal mit weit ausholenden, mal mit ländlich volkstümlichen Melodien. Gegen Ende gibt es tiefsinnige Klänge, ehe das Finale mit einer kraftvollen markanten Steigerung auftrumpft.

Das Collegium musicum wäre nicht das Collegium musicum, wenn es nicht eine Überraschung vorbereitet hätte. Die ist in diesem Fall eine Uraufführung des Stücks „Embraced by Sand“ von Imke Redecker, die in ihrer Komposition einen Dialog zwischen der Wüste und einem Kind vertont hat. Im Kontrast zu den vorherigen Werken ist Redeckers Stück fragil-feinteilig, aufwühlend-abstrakt und trotzdem durchzogen von Melodien, die sich immer und immer wieder herausarbeiten.

Geschlossen wird das Konzert mit Edward Elgars „Serenade e-Moll op. 20“, die durch ihren heiteren Klang im Finale besticht.

Mit reichlich Applaus verlässt Manuel Durão die Bühne, um kurz daraufhin wieder zu kommen und nochmals sein Orchester klingen zu lassen. Das Lied „The Sky Boat Song“ zirkuliert sehnsüchtig im Raum, die Streicher werden von Harfe und dem unverkennbaren Klang eines irischen Dudelsacks, dem Uilleann Pipes, begleitet.

Ein schöner Abschluss herbstlicher Serenaden.

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