Vollmondnacht mit Shelly Philipps auf Schloss Kapfenburg

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Shelly Philipps kommt am Samstag, 24. Juli, mit Band zum Festival Schloss Kapfenburg.
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Die junge Musikerin im Interview.

Aalen/Mannheim. Warum eine wie sie ein Studium an der Popakademie braucht? Das darf man Shelly Philipps schon fragen. Denn Songs schreiben und singen - das kann sie schon seit langem. 2012 war die deutsch-amerikanische Sängerin im Halbfinale für den ESC „Unser Song für Baku“. Nun kommt sie auf die Ostalb: Am Samstag, 24. Juli, wird Shelly Philipps auf der Bühne von Schloss Kapfenburg stehen. Über das kommende Konzert, ihre Musik, Vergangenheit und Zukunft sprach sie vorab mit Dagmar Oltersdorf.

Sie kommen gerade aus dem Unterricht. Was haben Sie heute gelernt?

Shelly Philipps: Es ging vor allem darum, wie man sich vermarktet, und um die GEMA und die GVL, die Gesellschaft von Leistungsschutzrechten. Im zweiten Teil war dann Arrangieren Thema, da gab es viele Fragen, weil wir bald Prüfung haben. Viele sind deshalb aufgeregt und nervös.

Sie nicht?

Nein, tatsächlich nicht. Aber ich habe hinterher einen Bachelor of Arts, obwohl ich ja schon fast mein ganzes Leben lang Musik mache. Die Frage ist: Welche Funktion soll meine Musik haben. Man muss das von dieser „Song für Baku“-Sache differenzieren. Dabei ging es nicht darum, die Kreativität zu fördern, sondern darum, Geld zu machen. Die Masse zu analysieren und dann zu wissen, was diese braucht. Ich habe das versucht, auch, um zu wissen, was ich eigentlich will. Mittlerweile weiß ich: ich will nicht die Masse 'pleasen', ihr nur gefallen. Aber ich musste feststellen: für ein deutschsprachiges Musikprojekt brauche ich eine Taktik, ein Werkzeug. Dafür sorgt die Popakademie: Es geht nicht um: wie mache ich meinen Song?, sondern um: was mache ich damit? Welche Verpackung braucht er, welche Kompromisse mache ich.

Wenn man Ihre Musik hört, hört man Jazz, Soul, Pop, Ballade und mehr. Kann man sich als noch junge Künstlerin heute überhaupt noch so eine Bandbreite leisten?

Meine Musikbusiness-Dozentinnen und -Dozenten würden sagen, das kann man nicht. Und die restliche alternative Kunstszene sagt: jetzt erst recht. Es gibt momentan das Problem, dass man nicht mehr kleine, große eckige und eckige Schubladen hat. Es gibt nur noch eine, da wird alles reingestopft. Ich will keine Revolution lostreten, aber ich fühle mich gut dabei, nicht so glatt zu passen. Schöner ist es doch, wenn das Publikum sagt, das ist mir zu frech, als dass es vergisst, wie der Song noch mal war.

Wenn Sie sich selbst in eine Schublade stecken müssten – welche wäre es?

Ich würde gerne die eckige und die runde zersägen, neu zusammenkleben und dann woanders reinstecken. Ich werde auf jeden Fall nicht das tun, was man von mir erwartet. Weil ich auf andere Weise Musik machen möchte und jeden Tag wachse mit den Menschen, die um hier herum sind. n und jeden Tag wachse mit den Menschen um mich rum. Ich bin auch Jazz und Soul, aber nicht nur. Es wird bei mir auch laut, es knallt. Da ist für alle was dabei, für die Rocker, für die Blueser, für die Popmusik-Lieberhaberin, aber auch für die Jazz und Soul-Abteilung.

Sie sind Deutsch-Amerikanerin, könnten auch englische Texte schreiben, haben aber Deutsch gewählt. Warum?

Ich bin zweisprachig aufgewachsen. Das stimmt. Mein Vater ist Amerikaner. Es gibt Menschen, die im Englischen eine unheimliche Poesie entwickeln können. Mir klingt es, anders als im Deutschen, oft zu universell, zu weit weg von meinem Gefühl.

Und weil es gerade populär ist?

Es ist einfacher, weil man Deutsch hier einfacher versteht. Aber ich sehe nicht so aus, wie ich singe. Ich bin schwarz. Ich kann nur aus Erfahrung sagen: das ist ein Unterschied. Wenn ich auf Deutsch von Herzschmerz singen, dann bringt dann ein älteres Paar im Publikum oft eher mit einer weißen Person in Verbindung. Was ein Witz ist, weil ich Deutsche bin. Wir haben alle dasselbe Herz. Aber das macht auch das Musikbusiness ...

Wie kommt es, dass Sie auf der Kapfenburg auftreten?

Moritz von Woellwarth hat vermutlich ein Video gesehen, das wir mit einem neuen Label innerhalb eines Wettbewerbs produziert haben. Er ist ja selbst ein alter Jazzer.

Dort sitzt kein Millionenpublikum vor Ihnen wie im Fernsehen. Stört Sie das?

Ein kleines Publikum ist mir viel lieber. Ich brauche die Verbindung, ich muss mit den Menschen auf Augenhöhe sein. Fernsehen ist eine ganz andere Realität, in die ich nicht gehöre. Da fühle ich mich nicht sicher.

Zum Schluss noch drei kurze Fragen. Erstens: Welcher Song begleitet Sie Ihr Leben lang?

„I can't dance“ von Genesis.

Und der, der Sie momentan am meisten berührt?

Der Song „Wolken“ von Alin Cohen.

Was wünschen Sie sich für Ihr Konzert beim Festival?

Ich wünsche mir, dass alle nach dem Konzert mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause geht. Und vielleicht mit der ein oder anderen Frage, für dies noch keine Antwort gibt.

Wer beim Festival spielt und wo es Karten gibt

Am Samstag, den 24. Juli, gibt es beim Festival Schloss Kapfenburg Brass und Soul vom Feinsten. Eröffnet wird der Konzertabend vom Musikverein Hüttlingen mit dem Street Band Projekt Jazzbus, im Anschluss spielt Shelly Phillips mit ihrer Band.

Die sechsköpfige Formation Jazzbus geht dabei eine Kooperation mit dem Musikverein Hüttlingen unter der Leitung von Robert Wahl ein. Phillips wurde 2012 durch ihre Teilnahme an der „Unser Star für Baku“ bekannt, bei der sie das Halbfinale erreichte.

Karten gibt es auch noch für das Stiftungsfest II in situ 22 - Talking Drums, Support: PENNY X, am Freitag, 23. Juli, 21 Uhr.

Samstag, 24. Juli, 19.30 Uhr, Brass & Soul - die Vollmondnacht mit Shelly Phillips Band, Support: Zott BX, Jazzbus meets Musikverein Hüttlingen.

Samstag, 31. Juli, 20 Uhr, Night of the Voices On Air, The Velvet Rocks. Support: listentojules

Sonntag, 1. August, 20.30 Uhr; Joss Stone. Special Guest: The Velvet Rock.

Bei den Konzerten handelt es sich um Sitzplatzveranstaltungen mit einer Kapazität von 500Personen. Tickets gibt es auf www.schloss-kapfenburg.de und unter Tel: (07363) 96 18 17. Für den Konzertbesuch ist am Einlass ein Nachweis der 3G erforderlich.

Jazzbus wird ebenfalls bei der Vollmondnacht spielen.

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