Vom Neresheimer Himmel, Engeln und vom tollen Knoller

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Die Ausstellung „Licht und Raum“ im Neresheimer Rathaus. Zu sehen sind Arbeiten des Lauchheimer Künstlers Paul Groll, des aus dem Bodenseeraum stammenden Nikolaus Mohr und des Ellwangers Gerhard Stock.
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In Neresheim sind Variationen von Paul Groll, Nikolaus Mohr und Gerhard Stock zu Martin Knollers Fresken zu sehen. Welche Idee dahinter steckt.

Neresheim

Eigentlich mag Paul Groll das nicht. Zu einem bestimmten Thema Kunst schaffen. Diesmal aber doch. Als ihn der ehemalige Neresheimer Hauptamtsleiter Klaus Stiele für diese ganz besondere Ausstellung anfragte, sagt er zu. „Ich sagte ihm, dass ich auf dieses Thema sehr gerne eingehen würde.“

„Licht und Raum- der Neresheimer Himmel“, so lautet der Titel der Ausstellung, die momentan im Neresheimer Rathaus zu sehen ist. Nicht nur der Lauchheimer Maler Paul Groll, sondern auch Nikolaus Mohr, ein Künstler vom Bodensee, und Gerhard Stock aus Ellwangen haben dafür „Variationen zur Bilderwelt von Martin Knoller“ geschaffen, der vor 250 Jahren damit begann, in Freskotechnik die Kuppeln der Neresheimer Abtei zu gestalten.

„Ein Künstler hat zahllose Bilder anderer vor Augen, die er sich beim Malen aus dem Kopf nehmen muss“, erklärt Paul Groll. Hier habe aber Knoller erst einmal im Kopf bleiben müssen. Zunächst habe er sich mit dessen Werken auseinandergesetzt – auch künstlerisch, so Groll. Ein Resultat dieser künstlerischen Auseinandersetzung ist beispielsweise ein Engelpaar nach Knollers Original, das Groll zunächst kopiert hat. In der Ausstellung ist es der Beginn einer Werkreihe, in der Knollers Engel zu Grolls Engel transformieren.

„Die Hand malt, bevor der Kopf dabei ist“, erklärt der Maler. „Zeichnen als Reflex, man denkt nicht nach.“ Knollers künstlerische Handschrift verschwindet, die Engel bleiben. Wie schon in vielen Werken von Paul Groll. „Engel sind ein Thema von mir und auch ein Thema der Kunstgeschichte“, erklärt dieser dazu.

Insgesamt allein 22 Werke von Paul Groll, darunter auch ein Porträt von Knoller mit dem Titel „Knoller war ein Toller“, zeigt die Ausstellung, weitere 20 von Gerhard Stock, acht von Nikolaus Mohr. Sie alle überführen Knollers Werk in eine neue Bildsprache. Stock verleiht den „Engeln der Taufe“ und den Engeln der Hauptkuppel“, lange Glieder, jegliche Individualität verschwindet hinter Fläche – Funktion statt Figur.

Im Ausschnitt aus dem Hauptkuppelfresko „Der Himmel“ mit dem heiligen Benedikt scheint es, als haben Knollers Vorbilder ihren Halt verloren, dass sie am Himmel fast ins Trudeln geraten. Geleitet wurde Stock aber auch von den Eindrücken aus dem Innern der Klosterkirche – „Barocker Lichtraum“ nennt der Ellwanger Künstler diese leuchtenden, abstrakten Arbeiten.

Nikolaus Mohr dagegen arbeitet mit Bleistift auf Papier. Auch er hat Knollers Motive in seinen Zeichnungen aufgegriffen, wie etwa in „Die Auferstehung“ oder „Das Abendmahl“. Eine weitere Rolle spielt bei ihm die Architektur des Klosters. Eher überraschend fügt sich in diese Reihe auch ein Objektkasten mit dem Titel „Frau Welt“ ein.

Viel Kunst in Neresheim, die zeigt, wie unterschiedlich Martin Knollers Werk heute noch wirken kann. Kunst , die sich zu sehen lohnt.

Malerei, Skulpturen und Banner in Neresheim

Die Ausstellung „Licht und Raum - der Neresheimer Himmel“ ist bis Sonntag, 25. Juli, zu den Öffnungszeiten des Rathauses sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Eintritt frei.

Bis Sonntag, 19. September, zeigen Maria Schwarz-Fried, Gerhard Stock, Heinrich Wolf, Nikolaus Mohr und Paul Groll zudem ihre künstlerisch gestalteten Banner am der „Neresheimer Himmel“ in der Marktstraße. Auch sie nehmen Bezug zu Knollers Werk.

Skulpturenpfad Neresheim: Zu sehen sind 26 Werke, unter anderem von Andreas Futter, Dietmar Schmid und Rudolf Kurz.

Engel sind ein Thema von mir und auch ein Thema der Kunstgeschichte.“

Paul Groll, Maler
Paul Groll und seine Variationen zu Knoller.
Der Objektkasten des Künstlers Nikolaus Mohr.
„Engel der Auferstehung“ von Gerhard Stock.

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