Von Beethoven bis Westernhagen: Ein Konzert verbindet Menschen mit und ohne Behinderung

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Auch in Rindelbach wird fleißig geprobt.
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Welche Idee hinter dem Benefizkonert für Ärzte ohne Grenzen & der inklusiven Arbeit der Städtischen Musikschule Ellwangen am kommenden Sonntag, 24. April, steht.

Lauchheim

Wen am Sonntag, den 24. April, Schloss Kapfenburg zum Benefizkonzert „Musik ohne Grenzen“ lädt, dann lädt damit auch Akademiedirektor Moritz von Woellwarth zu einem seiner Herzensprojekte. Songs von Künstlern wie Marius Müller-Westernhagen, Herbert Grönemeyer und den Toten Hosen stehen ebenso auf dem Programm wie Werke von Ludwig van Beethoven und Frédéric Chopin. Im Interview mit Dagmar Oltersdorf spricht Moritz von Woellwarth darüber, welches Ziel das Konzert hat, was er unter Barrierefreiheit versteht, warum Inklusion in der Musik nicht immer leicht, aber beglückend ist. 

Herr von Woellwarth, Inklusion ist ein neuer Schwerpunkt der Musikschulakademie – ist das Konzert der Auftakt?
Moritz von Woellwarth: Es ist ein Auftakt und ein Anknüpfen nach zwei Jahren Stillstand. Der Proben- und Akademiebetrieb lag auf Schloss Kapfenburg weitestgehend still, ebenso wie die Probenarbeit all der Chöre, Orchester und eben auch der inklusiven Bands. Für diese war es unter Pandemiebedingungen noch schwieriger, überhaupt zusammenzukommen, da Menschen mit Behinderungen oft noch verletzlicher sind. Deshalb soll dieses Konzert ein mutmachender Auftakt sein und gleichzeitig auch ein Ausdruck unserer Solidarität mit den Menschen in Menschen in der Ukraine, aber auch in Syrien oder im Jemen, wo ebenso immer noch Krieg herrscht. Deshalb geht auch ein Teil der Spenden des Benefizkonzertes an „Ärzte ohne Grenzen“.

Warum wurde der Inklusionsschwerpunk t überhaupt gesetzt?
Wir haben mit dem Thema Inklusion unseren Fortbildungsbereich Bildung und Gesundheit  um einen wichtigen Punkt erweitert. Die Musikschulen haben in diesem Bereich viel getan und deshalb auch einen Fortbildungsbedarf. Gleichzeitig wollen wir, wie bei der Fortbildung „ Musik ohne Grenzen“ am 7. Mai mit dem Schlagzeuger Hans Fickelscher, alle Menschen, die Lust haben barrierefrei zu musizieren, einladen diese Möglichkeit zu üben und auszuprobieren. Barrierefrei ist hier natürlich nicht nur technisch zu verstehen, sondern bezieht sich auch auf das Zulassen von allen angebotenen Niveaus im gemeinsamen Musizieren.


Warum ist es immer noch notwendig, diesen Bereich gesondert herauszustellen?
Weil es in vielen Schulen und Konzertsälen noch lange nicht möglich ist, barrierefrei zu musizieren. Das fängt damit an, wie ein Mensch mit Rollstuhl auf die Bühne kommt und endet damit, wie Menschen die keinen direkten Zugang zu musikalischer Bildung haben, stärker gefördert werden können. Denn eine musikalische Ausbildung, die nachweisliche kognitive und motorische Fähigkeiten fördert, muss man sich leider immer noch leisten können. Instrumente, Gebühren und auch ein Umfeld das motiviert und unterstützt sind nicht selbstverständlich.

Worin liegt denn beim kommenden Konzert die besondere Herausforderung?
Wir haben drei Gruppen eingeladen. Das Ensemble „Inklusiv-Exklusiv“ der Musikschule Ellwangen, die Chorwerkstatt Rindelbach und das Klavier-Duo Georg Wacker & und Ulrich Herzog. Wir haben zwei Flügel auf der Bühne, viel zusätzliches Equipment und eine Menge Menschen, die auf- und abgehen, das ist die technische Herausforderung. Spannender aber ist, was die Gruppen in der kurzen Zeit, in der wieder geprobt werden darf, auf die Bühne bringen. Da werden wir viel Leidenschaft erleben.



Was macht beim inklusiven Musizieren besonders Freude?
Für mich persönlich ist es die Erfahrung, dass der direkte musikalische Ausdruck auf jedem Niveau beglückend und bereichernd ist. Und das Talent viele Gesichter hat, d.h. es ist nie zu spät im Leben zu musizieren. Es ist immer ein Erlebnis, egal ob ich Chopin spielen kann, oder auf einer Trommel einen einfachen 4/4-Takt spiele.

Der Eintritt zur Matinee ist frei, um Spenden wird gebeten. Diese gehen zum einen Teil an die Städtische Musikschule Ellwangen und deren inklusive Arbeit, zum anderen an die Ärzte ohne Grenzen. Alle Informationen zum Benefizkonzert „Musik ohne Grenzen“ am Sonntag, den 24. April, um 11  Uhr gibt es auf www.schloss-kapfenburg.de. Einlass in den Trude Eipperle Rieger-Konzertsaal auf Schloss Kapfenburg ist ab 10.30 Uhr, die Platzwahl frei.

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