Wespels WortwechselManfred Wespel über starke Verben und Vorzüge des Schwäbischen

Von buk zu backte

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Schreibt da eine Grundschülerin in einem Aufsatz „Dann singten wir ein Lied.“ Was schreibt die Lehrerin darüber? „sangen“. Ach, gute Frau, warten Sie noch ein paar Jährchen, dann dürfen Sie das möglicherweise nicht mehr korrigieren. In meiner Schulzeit wurden Wörter wie „backte“ und „melkte“ konsequent ausgemerzt. Wer schreibt heute noch „buk“ und „molk“?

„Wer hat hier gepfeift?“ – „Ich pfoff.“Will man im Deutschen von einem Zeitwort die Vergangenheitsform (Präteritum) bilden, schiebt man meistens ein „-t“ ein: er holt – er holte, wir lachen - wir lachten. Aber bei einer nicht gerade kleinen Anzahl, den so genannten starken Verben, bildet man das Präteritum, indem man den Stammvokal ändert: er biegt - er bog, sie schreit – sie schrie, wir schwimmen – wird schwammen. Solche unregelmäßigen Verben gibt es auch in anderen Sprachen. In meiner alten lateinischen Schulgrammatik sind die einschlägigen Seiten stark abgegriffen. Und manche erinnern sich an das Pauken der unregelmäßigen Verben im Englischen: to drink – drank – drunk, to grow – grew – grown. Einige dieser starken Verben wurden im Deutschen in letzter Zeit zu Überläufern, sie wechselten zu den schwachen Verben: von frug zu fragte, von sog zu saugte, von erscholl zu erschallte, von troff zu triefte. Zu welchen Verben gehören: er sott, sie stak, es glomm, wir klommen, er krisch, sie loschen? Vielleicht werden auch sie bald zu Überläufern. Warum aber kann man im Schwäbischen hier nichts falsch machen? Weil es im Schwäbischen weder heißt „sie buk“ noch „sie backte ein Brot“, sondern: „Sie hot a Brot backa.“

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