Von guten und weniger guten Beziehungen

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Im Biosupermarkt beobachtet das Paar, was die Kunden einkaufen.
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Laura und Tobias Goldfarb geben im Ellwanger Atelier Kurz Einblick in ihren Berliner „Streitsalon“.

Ellwangen. Was kommt nach dem schönsten Tag im Leben? Gar nicht so selten die Trennung. Das Thema schlechthin für das Ehepaar Laura und Tobias Goldfarb. Ihr Rat: „Lass uns Freunde bleiben“. Wie das funktionieren könnte, haben die beiden Berliner jetzt beim „Stiftsbund“ im Atelier Kurz in Ellwangen gezeigt.

Doch lassen wir sie uns kurz selbst in ihrem „Streitsalon“ vorstellen, den sie in der Hauptstadt betreiben (www.streitsalon.de): „Wir sind seit 12 Jahren ein Paar und seit 7 Jahren verheiratet. Wir sind durch Höhen und Tiefen gegangen und haben viel gestritten – vielleicht aber auch noch viel zu wenig. Wir glauben, dass beinahe jedes Paar, jedes Team eine Chance hat – wenn es lernt, richtig und konstruktiv zu streiten.“

Erste Erfahrung: Die wahre Magie beginnt, wenn der Anfang vorbei ist. Dieser dauert bei den Menschenaffen Bonobos nur 13 Sekunden, bei den Menschen hingegen bis zu drei Jahren, wie Tobias Goldfarb vorrechnet. Wobei im letzteren Fall der Reiz des Neuen gemeint ist. Danach beginnt die Beziehungsarbeit.

Ein schwieriges Unterfangen, wenn man die szenischen Darlegungen richtig versteht. Was passiert, wenn man auf eine Depressive trifft, einen Schizoiden, eine Zwanghafte oder einen Hysteriker? Ihre Erklärungsmodelle sind köstlich überzogen - und kommen der alltäglichen Wirklichkeit doch ziemlich nahe. Das Publikum freut sich dennoch. Zumal die beiden treffliche Formulierungen und Sprachbilder für ihr Beziehungs-Auf- Mit- und Durcheinander finden.

Das, wie sie schlüssig schildern, im Paradies begonnen hat. Hätte der Schöpfer aus Adams Rippe nicht eine Gefährtin gebastelt, wäre diese nicht dem Gesäusel der falschen Schlange erlegen und hätte in den Apfel gebissen.

Die Schuldfrage zu stellen ist müßig. Bis heute bleibt sie ungelöst, was zwangsläufig in jedem Disput zwischen diesen beiden zu wechselseitigem Nachtreten führt. Umso überraschender für die kesse Laura, wie harmonisch die Stimmung im Saale ist. „Hatte jemand von Ihnen in den letzten 14 Tagen Streit?“, will sie wissen. Eine Frau traut sich, zu strecken. Der Grund: Wer macht das Licht im Bett aus? Im Endeffekt der Mann. Großes paarweises Grinsen in den Stuhlreihen. Wer diese dem ultimativen Belastungstest unterziehen möchte, sollte nicht fremdgehen, rät Laura Goldfarb, sondern mit seinen Kindern zu IKEA einkaufen gehen.

Sollte sich aber eine Trennung nicht vermeiden lassen, bleibt - siehe oben - immer noch eine Möglichkeit: „Lass uns Freunde bleiben.“ Treue Freunde haben die Goldfarbs jedenfalls nach diesem Abend in Ellwangen. 

Laura bestaunt die Bio-Fenchelknolle, die ihr Tobias voll Stolz zeigt. Mit ungeahnten Folgen.

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