Wagners "Rheingold" in der Manege 

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"Das Rheingold" an der Staatsoper Stuttgart mit Elmar Gilbertsson als Mime mit der Kinderstatisterie.
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Der gesamte "Ring" ist an Ostern noch einmal zu erleben.

Stuttgart

Wagner, neu erzählt. Das gelingt der Stuttgarter Staatsoper mit ihrer Version "Ring" in weiten Teilen nahezu atemberaubend. Allein schon, wenn man die Inszenierung des "Rheingolds" erlebt. Zu sehen ist der ganze Ring noch über die Osterfeiertage. Los geht es am 5. April. Eine Szene, die aus einem Terry Gilliam Film stammen könnte. Die weiß gekleideten Zwerge tragen Laborbrillen und hämmern ohrenbetäubend mit ihrem Werkzeug auf dem Tisch vor ihnen. Gedrillt von einem Clown mit böser Fratze. Mime, der selbst unter dem Joch des Zwerg-Diktators Alberichs steht. Der hat sich von den Schuluniform tragenden Rheintöchtern nach verschmähten Liebeswerben das Rheingold unter den Nagel gerissen - nachdem sie mit ihm ihren Spaß hatten. Diffamierendes Selfie inklusive. Da entsagt es sich der Liebe leicht. Das Ringen ums Rheingold nimmt seinen Lauf. Artistinnen, die von der Decke den Balanceakt perfektionieren, Wotan, der als Herr der Manege im Dompteursmantel aus dem Lot gerät, an seiner Seite ein Loge ganz in Schwarz - ein Fremder im bunten Treiben, den man trotz seines Charmes keinen Zentimeter über den Weg traut. Riesen, die auf Plateaustiefeln mit Mini-Gabelstaplern auffahren. Regisseur Stephan Kimmig hat "Das Rheingold" wie großes, groteskes Kino mit Gruselfaktor inszeniert - selbst wer mit Wagners Musik fremdelt, kommt hier ganz auf seine Kosten und wird ihn vermutlich lieben lernen. Zudem steht die musikalische Leitung von Cornelius Meister ganz im Dienst der Inszenierung - ebenso wie ein großartiges Ensemble mit dem herausragenden Matthias Klink als Loge und einem wunderbar zerrissenen Robin Adams als Alberich. 

"Der Ring" an der Staatsoper Stuttgart: Mittwoch, 5. April, 19 Uhr, Das Rheingold. Donnerstag, 6. April: 17 Uhr, Die Walküre. Samstag, 8. April, 16 Uhr, Siegfried. Montag, 10. April, 16 Uhr, Götterdämmerung.  Karten unter www.staatsoper-stuttgart.de

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