Warum Jugend musiziert so wichtig ist

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Jugend musiziert 2022. Joris König (Saxophon) und Charles Kayser (Klavier) spielten in der Kategorie Klavier und Holzblasinstrumente Duo in der Altergruppe IV. Fotos: Oliver Giers
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Seit 60 Jahren gibt es den bundesweiten jährlichen Wettbewerb. Die ehemalige Musikschulleiterin Ellwangens Monika Willand war von Beginn an dabei. Was sich seitdem geändert hat.

Ellwangen

Das eigene musikalische Können zeigen, ohne meist vorher je die große Bühne als Solist bespielt zu haben. Sich einer Jury stellen. Das wagen Kinder und Jugendliche seit nunmehr 60 Jahren. Denn so alt ist der bundesweite Wettbewerb „Jugend musiziert“ in diesem Jahr. Vom 27.-29. Januar findet in Ellwangen und Waldstetten der Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ Ostwürttemberg statt. Weit über 100 Kinder und Jugendliche zeigen ihr musikalisches Können in verschiedenen Kategorien.

So viele waren es natürlich zu Beginn nicht, wie sich Monika Willand erinnert. Die ehemalige Leiterin der Musikschule Ellwangen war dabei, als der erste Regionalwettbewerb in der Region ausgerichtet wurde. „Das war im März 1969, noch im Peutinger-Gymnasium, wenn ich mich richtig erinnere“, erzählt Monika Willand, die 1968 Musikschulleiterin in Ellwangen wurde und diese 30 Jahre lang führte. „Das hatte früher ganz andere Dimensionen.“ Es sei ihre Aufgabe gewesen, alles zu organisieren. Ganz ohne ein Sekretariat.

Um die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe der erste Wettbewerb gehabt. „Das war alles minimal“, erinnert sie sich. Danach konnte Monika Willand in den Jahrzehnten danach genau verfolgen wie sich der Wettbewerb entwickelte und immer breiter und immer breiter aufgestellt wurde. Sie blieb ihm verbunden bis zum Ende ihrer Berufstätigkeit - als Musikschulleiterin, als Jurorin. Und in einem Arbeitskreis darüber hinaus, wie sie erzählt. Der Kontakt zum Musikschulleiter Aalens und zu Erich Hacker in Waldstetten habe geholfen. „In Waldstetten findet ja bis heute der Schlagzeug-Wettbewerb statt“, sagt die 85-Jährige.

Die Bedeutung der Musikschulen

Fragt man Monika Willand, was sich geändert hat in diesen sechs Jahrzehnten außer der gestiegenen Teilnehmerzahl und anderer Organisationsstrukturen, muss sie nicht lange überlegen. „Das Gesamtniveau ist natürlich irrsinnig gestiegen“, sagt sie. In den ersten Jahrzehnten habe es in der Region Ostwürttemberg viel weniger Musikschulen gegeben. Diese aber seien die Wiege für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei dem Wettbewerb. „Privatlehrer gab es damals schon wenige und heute gibt es ja fast keine mehr“, sagt Monika Willand, die selbst bis heute Cello und Kontrabass unterrichtet. Die Kommunen würden davon profitieren, wenn sie einen Bundessieger aufweisen könne. „Das ist ja dann auch ein Aushängeschild für die Musikschule und macht Eindruck bei den Gemeinderäten - auch, wenn es um finanzielle Mittel geht.“

Darum ist JuMu wichtig

Für Monika Willand ist der Wettbewerb genau das, was er auch sein will. Er hilft dabei, musikalische Begabungen zu entdecken und zu fördern. „Die Schüler befassen sich vor dem Wettbewerb viel intensiver mit einem Werk und gewinnen dadurch“, sagt sie. Schränkt aber ein: „Das muss man machen wollen.“ Natürlich gab und gebe es auch noch heute die „Eisprinzessinnenmütter“, wie sie sie nennt. Eltern, meist aber Mütter, die ihre Kinder beim Musizieren zu sehr unter Druck setzen. Der Wettbewerb sei schon „totaler Stress“ und man müsse der Typ dafür sein. „Es zieht sich ja über Monate, in denen man immer wieder die gleichen Stücke üben muss“, sagt sie. Manches Mal habe sie da auch einschreiten müssen. „Es gibt aber eben auch Kinder, die diesen Druck gut aushalten“, betont sie. Es sei ein Erfolgserlebnis dabei zu sein, und etwas wert, öffentlich eine Urkunde zu bekommen und dann auch beim Preisträgerkonzert dabei zu sein. „Es sind ohnehin Ausnahmeschülerinnen und Schüler, die das gewinnen.“ Sie habe im Anschluss deren Karrieren schon verfolgt. „Manche sind auch als Musikschullehrer wieder zurückgekehrt“, sagt sie. Ob es aber dann letztendlich in einer beruflichen Laufbahn als Musikerin oder Musiker münde, sei aber nicht das Wichtigste. Immer sei dabei auch der Lehrer, die Lehrerin ein wichtiger Faktor, der auch ein „glückliches Händchen haben müsse.

Monika Willand saß selbst oft in der Jury, die aus fünf Mitgliedern bestehe. Außer, sie war befangen, weil eigene Schüler ab den Wettbewerb teilnahmen. „Meistens war das Urteil sehr klar, die die weiterkommen, müssen eben eine bestimmte Punktzahl erreichen“, sagt sie. Und manchmal habe auch Wohlwollen ein wenig mitgezählt. Sie kenne keinen einzigen Fall, bei dem der Schüler mit seinem Instrument aufgehört habe, weil er nicht weiterkam. „Das sie sauer waren, aber schon“, sagt sie.

60 Jahre ist der Wettbewerb nun alt. Dass er so lange bestehen wird und ein fester Bestandteil im musikalischen Leben einer Region wird - Monika Willand hat stets daran geglaubt. Vor allem auch wegen des guten Netzwerkes der Musikschulen in Deutschland. „Ohne Musikschulen wäre Jugend musiziert kaum möglich. Es wäre minimal“, sagt sie. Klassik, Rock, Pop, Jazz - all das werde gelehrt und sei auch bei Jugend musiziert zu hören. Auch in diesem Jubiläumsjahr.

Jugend musiziert: Musikwettbewerb für Kinder und Jugendliche

Jugend musiziert wird jährlich in drei Stufen – auf Regional-, Landes- und Bundesebene – durchgeführt. 150 Regionalwettbewerbe gibt es in Deutschland. Bewertet werden die Teilnehmenden von Jurys aus Fachleuten für die jeweiligen Instrumente. Herausragende erste Preistragende der Regionalwettbewerbe nehmen im März an den Landeswettbewerben teil. Die mit einem ersten Landespreis ausgezeichneten Musizierenden sind dann zum Bundeswettbewerb Jugend musiziert eingeladen. Der Regionalwettbewerb Ostwürttemberg wird organisiert von der Regionalgeschäftsstelle Stiftung Schloss Kapfenburg gemeinsam mit dem Team der Musikschule Ellwangen um Musikschulleiter Urban Weigel.

Der Wettbewerb findet in diesem Jahr vom 27. bis zum 29. Januar in Ellwangen statt. Weit über 100 Kinder und Jugendliche zeigen ihr musikalisches Können in verschiedenen Kategorien. Die Wertungsspiele sind öffentlich, Interessierte als Publikum willkommen.

Das Abschlusskonzert mit der Ehrung aller Preistragenden des Regionalwettbewerbs findet am 12. Februar um 17 Uhr im Peutinger-Gymnasium Ellwangen statt. Der Eintritt ist frei.

Wertungen und Spielorte: Gesang Musikschule Ellwangen Freitag, 27. 1., 15.20-17.10 Uhr; Gitarre (Pop) Musikschule Ellwangen Freitag, 27.1. 17.30-19.05 Uhr; Klavier(AG I bis III)Musikschule Ellwangen Samstag, 28. 1., 9.30-16.45 Uhr; Klavier(AG IV bis V)Musikschule Ellwangen Sonntag, 29. 1. 9 -12 Uhr; Ensembles Holzbläser, Rathaus Ellwangen Samstag 29.1. 11 -15.15 Uhr; Ensembles Holz- & Blechbläser gemischt Rathaus Ellwangen Samstag, 28. 1., 15.25-15.40 Uhr, Neue Musik Rathaus Ellwangen Samstag, 28.1. 16 -16.20 Uhr; Ensembles Blechbläser Rathaus Ellwangen Sonntag, 29.1, 10 -12.05 Uhr; Ensembles Streicher Musikschule Ellwangen Sonntag, 29.1. 13.15-14 Uhr; Drum-Set (Pop) Musikschule Waldstetten, Sonntag, 29.1 von 10. -17.30 Uhr

Monika Willand, ehemalige Leiterin der Musikschule, Ellwangen, organisierte den ersten Regionalwettbewerb allein.

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