Was den Autorinnen und Autoren aus dem Jahr 2021 in Erinnerung bleibt

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ostalb-Kultur
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Konzerte, Ausstellungen, Theater - all das war auch im Pandemie-Jahr, wenn jedoch eingeschränkt, möglich. Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ostalb-Kultur gefragt, welche Veranstaltung 2021 für sie der persönliche Höhepunkt war.

Wolfgang Nussbaumer.

Wolfgang Nussbaumer: Minimale Darbietung, maximaler Erfolg. Wie das? Man nehme das Ensemble „πk“ und seinen Dirigenten Uwe Renz, lasse es „Minimal Music“ spielen - und erlebt eine hinreißende tonale und rhythmische Vielfalt. Ein Konzert der Superlative im November im Kulturbahnhof in Aalen. Nachdem das Orchester mit höchster Präzision Steve Reichs von raffiniertesten Verschiebungen in eine unbeirrt vorwärts treibenden Puls geprägten Stück „Radio Rewrite“ bravourös absolviert hat, bekreuzigt sich Uwe Renz kurz mit erleichtertem Lächeln. Puh! Geschafft! Einer der Klassiker der „Minimal Music“ ist Philipp Glass. Auch in dessen „Movement I“ und „Movement IV“ aus seinen „Four movements for two pianos“ garantieren die beiden jungen Pianistinnen Amelie Hann und Pauline Hegele pures Hörvergnügen. Wie sie die Akkorde und Melodien in stetigem Augenkontakt harmonisch miteinander verschränken und gegenläufig ausspielen, hat einfach Freude gemacht.

Benedikt Walther Fotograf

Benedikt Walther: Es war ein Sommerabend im August, wie er im Buche steht. Laue Luft, ein Glas Wein und drei Künstlerinnen und Künstler, die ihre Alben umsäumt von großgewachsenen Büschen und Bäumen vorstellen. Erinnerungen an „Lieder im Park“ in der Villa Stützel, Erinnerungen an drei famose und intensive Beiträge von den Newcomern estledaire, dem Gmünder Axel Nagel und dem Vater-Sohn-Duo Manfred und Jakob Arold als Fred. Minimalistisches Instrumentarium, humor- und liebevolles, persönliches und melancholisches Textgut – „Lieder im Park“ war ein Konzert der zarten und leisen Emotionen und vielleicht genau deswegen so eindrucksvoll.

Beate Krannich

Beate Krannich: Ich bin ein Fan der Marktmusik. Immer samstags gibt es ein halbstündiges Konzert in der Aalener Stadtkirche. Eine willkommene Gelegenheit, um innezuhalten und Musik zu genießen. Entweder erklingt die Orgel pur oder zusammen mit anderen Instrumenten. Und da es von Woche zu Woche verschiedene Mitwirkende sind, ist ein abwechslungsreiches Programm garantiert. Die Bachkantate „Ich habe meine Zuversicht“ am Vortag des ersten Advents war ein besonderer Höhepunkt und markierte gleichzeitig das 25-jährige Bestehen der Reihe. Kirchenmusikdirektor Thomas Haller hat sie 1996 begründet und leitet sie bis heute. Es stimmt traurig, dass ausgerechnet das Jubiläumskonzert das vorläufig letzte war. Derzeit ruht die Marktmusik aufgrund der Pandemielage. „Ich habe meine Zuversicht auf den getreuen Gott gericht, da ruhet meine Hoffnung feste“, heißt es in der Tenorarie. Tröstende Worte in einer schwierigen Zeit.

Rainer Wiese

Rainer Wiese: Das Festival Orchester von Gero Wittich ist am 25. September 2021 zum ersten Mal als komplettes Orchester in Aalen aufgetreten und hat mit einem vorzüglichen Konzert überrascht. Man darf von Sensation sprechen und ganz großer Klasse. Ein sehr guter Dirigent leitete ein Orchester von Profi-Musikerinnen und -Musikern aus den großen Orchestern der Republik. In anderthalb Probentagen hatte Gero Wittich das Ensemble zusammengeführt, ausbalanciert und erstklassige Interpretationen der drei Werke des Programms verabredet und eingeübt: Sibelius, Schubert, Mozart. Das Publikum hat gejubelt, der Berichterstatter war glücklich. Ach, wie wäre das schön, wenn Gero Wittich mit dem Orchester öfter solch ein Festival in seine Heimat bringen könnte.

Kuno Staudenmaier.

Kuno Staudenmaier : Nicht alle haben ihn vermutlich verstanden. Manche Kunstinteressierte machten auf dem Absatz kehrt, weil ihnen die Ausstellung in der Galerie des Gmünder Kunstvereins nicht geordnet genug erschien: Dahinter steht Ruppe Koselleck, im Herbst stellte er gemeinsam mit Thomas Behling aus. Koselleck ist Konzeptkünstler, Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück für Experimentelle Kunstvermittlungsstrategien und in den Chefetagen der Mineralölindustrie verpönt: Das liegt an seiner Idee der „feindlichen Übernahme von British Petroleum.“ Auslöser dafür war für den zwischen Dada und Concept Art wandelnden Künstler der Fund von Teerklumpen am Strand der Nordsee. Aus Teerklumpen entstehen seither Kunstwerke, deren Erlös zur Hälfte für den Kauf von BP-Aktion verwendet wird. Auch in Gmünd fand Koselleck Interessenten für sein Modell. Bei aller Kapitalismuskritik zeigte er Zuversicht und ließ Schwäbisch Gmünd am Duft der großen weiten Welt schnuppern. Schade, wer‘s versäumt hat.

Birgit Markert

Birgit Markert:Coco Chanel auf der Bühne, Open Air, an einem schönen Sommerabend – ein unvergessliches Theatererlebnis. In „La vie de Coco Chanel“ von Ernst Konarek stellt das Theater Kempten die Stil-Ikone jenseits der Legenden vor. Julia Jaschke spielt die Frau, deren Leben von enormem Erfolg ebenso wie von Tragik geprägt war, mit Furor. Coco wird als erotische, aufregende, mit allen Wassern gewaschene Frau vorgestellt, die ein Leben am Limit führte. Anfang des 20. Jahrhunderts hat sie die Frau von der einengenden Mode der Belle Époque befreit. Grund genug, sich mit ihrem Leben auseinanderzusetzen – das Theater Kempten tut dies mit Bravour.

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