Wenn fünf Stimmen klingen wie eine komplette Band

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Die Berliner Gruppe „ON AIR“ begeisterte am Samstagabend beim Festival auf Schloss Kapfenburg mit perfekten Stimmen.
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Wie die Berliner Formation „ON AIR“ Bei der „Night of the Voices“ auf Schloss Kapfenburg überzeugt.

Lauchheim-Hülen. Eine „Night of the Voices“ stand am Samstagabend auf dem Festivalprogramm von Schloss Kapfenburg. Ein Open-Air-Konzert erstklassiger Singstimmen, bei dem á cappella zwar Highlight, aber nicht alleiniges war.

Am Stimmenwettstreit beteiligt waren unterschiedliche Künstler und Ensembles, die Mannheimerin Julia Nagele als Solistin mit Gitarre, das international zusammengewürfelte Trio „The Velvet Rocks“ - drei Opernsänger mit Rockband - und die Berliner A-Cappella-Spezialisten von „ON AIR“.

Zuständig für das musikalische Aufwärmen: Julia Nagele. Mit „Support“ wird diese undankbare Aufgabe umschrieben. Undankbar weil die junge Sängerin eben nicht mit Pauken und Trompeten auf sich aufmerksam machen wollte, sondern mit, wie sie es selbst nennt, „listentojules“ mit Akustikgitarre und zurückhaltender Stimme. In ihren Liedern gibt sie als Musik-Erzählerin „den kleinen Dingen eine große Bühne“, singt von Tagträumen, von der Liebe zur Natur und fordert für deren Schutz mehr Engagement, wie sie es in den Liedern von „Greenbird“ vormacht.

Kleine, nachdenkliche Lyrics, die trotz ihres dezenten Vortrags genauso wahrgenommen werden, wie das Rhythmusfieber, das nachfolgend bei „ON AIR“ ausbricht.

Die fünf Berliner erobern sich mit Esprit und Verve die Festivalbühne, bereits die ersten wummernden Bassakkorde bringen das Publikum auf die Beine und „Queens“ legendäres „Radio Gaga“ sorgt für den Rest. Eine gelungene Interpretation eines uralten Hits, der durch Mark und Bein geht.

Das mag am Rhythmus liegen, aber insbesondere liegt es an „ON AIR“, deren fantastische Stimmen „Radio Gaga“ so aufpolieren, dass es atemlos macht. Nicht anders bei Stevie Wonders „Superstition“ und all den nachfolgenden Rock- und Popsongs.

Nicht nur, dass die Fünf großen Wert auf ein perfektes Lichtdesign legen, auf Farbenspiel und Kontrast, auch der erstklassige Instrumentalsound lässt aufhorchen, lässt Stimmen und Lieder zur Geltung kommen. Hört sich richtig gut an, doch zur Verwunderung des Publikums gibt es weder Schlagzeug, Bass und noch Synthesizer auf der Bühne. „ON AIRs“ Geheimnis: Beatboxing! So nennt man das Imitieren der Instrumente und Klänge mittels Mund, Nase und Rachen. Die Illusion jedenfalls ist perfekt, ganz gleich ob beim „Wish You Were Here“ (Pink Floyd) oder bei heißen Gitarrenriffs und jazzigem Ba-ba-di-bu.

Durchweg so fantastisch klingend, dass man nicht genug davon bekommen kann. Folgerichtig fordert das Publikum Zugabe um Zugabe.

Doch es steht noch ein dritter Gig auf dem Programm. „The Velvet Rocks“ - drei Opernsänger, die in ihrem Repertoire klassische Arien in rockige Musik betten, Momente lyrischen Innehaltens in Gesangssoli regelrecht zelebrieren („Ave Maria“), um zugleich mit fetzigen Rhythmen (Rockband) dem Opernhaften eine neue Form zu geben, ohne dem Klassischen entsagen zu müssen. Das kam in dieser langen Nacht der Stimmen blendend an. Herbert Kullmann

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