Wenn Paula plötzlich zu Paul wird

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Theater der Stadt Aalen: Premiere von "Paul".
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Theater der Stadt Aalen präsentiert ein neues Stück. Die Identität der Geschlechter wird darin zum Thema.

Aalen. „Wettet ihr gern?“, fragt der junge Mann (Philipp Dürschmied) in das locker platzierte Publikum im Napoleonzimmer. Chris heißt er, trägt eine Adidasjacke und Jeans. Eine Wette ist jedenfalls der Grund, warum er hier ist. Er will sich in der Öffentlichkeit als Frau verkleiden, will zeigen, dass er das draufhat. Anders als sein Fußballkumpel Oliver. Wenn der einen Mann in Frauenkleidern sieht, fängt er an zu pöbeln und fühlt sich in seiner Ehre oder was auch immer gekränkt.

Dann öffnet Chris den großen Koffer, präsentiert Schmuck und Schminkzeug, Absatzschuhe und das kleine Schwarze. Er kennt sich aus mit diesen Dingen, plaudert locker darüber, was es braucht für ein stilvolles Aussehen und das richtige Make-up. Aber eigentlich spricht er über Paula, seine Jugendliebe seit der Schulzeit, dann Partnerin und Mutter seiner Kinder. Doch Paula hat sich als Mann geoutet und heißt jetzt Paul.

„Paul*“ ist ein Stück von Eva Rottmann. Die 1983 geborene Autorin greift in ihren Theaterstücken und Hörspielen oft gesellschaftliche Fragestellungen aus jugendlicher Perspektive auf. „Paul*“ thematisiert Fragen der Geschlechteridentität. Wer bin ich? Was ist typisch Frau und was typisch Mann?

In der 45-minütigen Solo-Performance zeigt Philipp Dürschmied überzeugend, was passiert, wenn der geliebte Mensch sich verändert, aus der Frau ein Mann wird. Anfangs eher jugendlich-lässig im Auftreten, ist ihm später die Verzweiflung deutlich anzumerken. Was wird denn nun aus ihm? Was soll er seinen Eltern erzählen? Warum hat er vorher nichts gemerkt?

Die Inszenierung von Winfried Tobias (Regie) und Gerhard Herfeldt (Dramaturgie) ist kurzweilig und bietet durchaus witzige Momente. Vor allem aber lädt sie zur respektvollen Auseinandersetzung und zum Nachdenken über Menschen in unserer Gesellschaft ein, die sich anders kleiden, anders leben und lieben.⋌Beate Krannich

Die nächsten Termine: 20. Februar, 13. und 27. März jeweils 17 Uhr sowie 7. April, 19 Uhr, im Alten Rathaus.

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