Im Kino

West Side Story

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Läuft im Traumpalast Gmünd, Kinopark Aalen und Regina Ellwangen.
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Nicht jeder kann sich das trauen, er schon. Auf seine alten Tage hin hat sich der fast 75-jährige Steven Spielberg noch einen dicken Brocken vor seinen Regiestuhl geschoben. Die erste Verfilmung der „West Side Story“ mit den grandiosen Kompositionen von Leonard Bernstein von 1961 wurde mit zehn Oscars geadelt. Nun gibt's vom ebenfalls preisverwöhnten Spielberg eine Neuverfilmung.

Die hält sich weitgehend ans Original, ist aber weniger sozialromantisch.

Darum geht es: Arm sind sie beide, die Jets, die sich als Amerikaner sehen, die Sharks, Sprösslinge von Einwanderern aus Puerto Rico. Die Upper West Side, in der sie leben, ist abgewrackt - zwischen Häuserruinen kloppen sich die beiden Gangs mit Leidenschaft um die Vorherrschaft in einem Viertel, dass bald ohnehin den Reicheren gehören wird. Als Tony, einst Jet, der ein Jahr im Gefängnis saß, weil er beinahe jemanden totgeschlagen hat und nun ein besseres Leben führen will, sich in Maria, die Schwester des Shark-Anführers Bernardo verliebt, entlädt sich die Gewalt in einem Kampf, in dem niemand gewinnt.

Die Stars: Man kann von diesem Casting nur schwärmen. Grandiose Tänzerinnen und Tänzer, Musicalstars, die vor der Kamera alles geben, aber nie zuviel. Rachel Zegler als Maria hat enorme Präsenz. Was man von Ansel Elgort als Tony nicht behaupten kann. Er schaut in die Leere, als ob ihn das eigentlich alles nicht interessiert. Dafür ist Rita Morena wieder voll dabei und sorgt für einen ergreifenden Moment.

Fazit: Die Geschichte von Romeo und Julia lässt ja ohnehin keinen kalt - ob nun jung oder alt. Kriminalität, Gewalt, Gentrifizierung und Diversität sind Themen, die Spielberg auch für das New York von 1958 radikaler herausgearbeitet hat, als sein Vorgänger. Und so wirbeln die Petticoats gegen Polizisten, die offen rassistisch sind, was ja in den USA nun nicht nur ein Problem von gestern ist. Meckern kann man bei dieser mitreißenden Neuverfilmung eigentlich nur über einen blassen Hauptdarsteller. Für Musicalfans ist der Film ein Fest und den Fans der gefühlt zehnten Auflage der Marvel-Spinne sei einfach mal ans Herz gelegt: Probiert doch einfach auch mal noch was anderes aus.
Dagmar Oltersdorf

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