Wie Minna ihren Tellheim kriegt

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Das Theater der Stadt Aalen feiert im Schloss Wasseralfingen Premiere mit Lessings „Minna von Barnhelm“.
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Das Theater der Stadt Aalen feiert im Schloss Wasseralfingen Premiere mit Lessings „Minna von Barnhelm“. Was das Stück bietet und wie es beim Publikum ankommt.

Aalen

Pack einen Mann bei der Ehre und du packst ihn“, diesen Kniff wendet Minna von Barnhelm erfolgreich an. Schön, wenn‘s heute noch so einfach wäre wie in Lessings Lustspiel, das rund 250 Jahre alt ist. Dass Frauen Männern den Spiegel vorhalten, das bleibt für sie aber eine zeitlose Aufgabe. Deutlich macht das auch die Inszenierung des Klassikers des Theaters der Stadt Aalen auf Schloss Wasseralfingen unter der Regie von Tina Brüggemann. Die Premiere am Samstag war ausverkauft. Die, die dabei waren, durften leichtes Sommertheater genießen. Ab und zu wurde es auch ernst.

Bonbons raffen, Geld ablehnen

Erstmal mal aber hagelt es karnevalesk Bonbons aus dem Schlossfenster auf die karge Bühne, auf der nur Just liegt. Major Tellheims Diener, der so unsanft von der Gastwirtin aus dem Schlaf gerissen wird, rafft was er kriegen kann - Patrice Bussy, Absolvent der Accademia Teatro Dimitri, sorgt dabei schon für den ersten Slapstick-Stolperer auf der Bühne und erste Lacher aus dem Publikum. Auch Justs wegen Bestechungsverdachtes in finanzielle Nöte geratener Herr könnte einen Beutel voll Geld nach dem anderen raffen, doch er schlägt jegliche Unterstützung aus - auch die seines einstigen Wachtmeisters Paul Werner. Als Mann von Ehre entsagt der verdiente, aber in Ungnade gefallene Major damit gedanklich auch seiner Verlobten Minna - hat er ihr doch nichts mehr zu bieten. Minna aber ist mit ihrer Kammerzofe Franziska zufällig im gleichen Wirtshaus abgestiegen - auf der Suche nach ihrem Geliebten, von dem sie seit Monaten getrennt ist. Als sie von der Wirtin erfährt, dass Tellheim unter dem gleichen Dach wie sie wohnt und er ihren Verlobungsring versetzt hat, um die Rechnung zu bezahlen, löst sie diesen aus, gibt ihn Tellheim zurück und überlistet ihn. Sie selbst sei wegen ihrer Liebe zu ihm enterbt worden, offenbart sie ihm. Kein Geld für niemand also. Nun setzt Tellheim alle Hebel in Bewegung, um an Geld zu kommen, um Minna zu retten ...

Eine schlüssige Inszenierung, in der die Frauen unter den farbenprächtigen Röcken von Ausstatterin Annette Wolf nicht nur mitunter die Hosen anhaben. Das Ensemble fühlt sich sichtlich wohl im Komödienfach, hopst lustvoll auf Plüschbällen und marschiert schon mal zackig zum Radetzky-Marsch, live gespielt auf dem Akkordeon von David Makismovic. Arwid Klaws als Werner agiert in Cowboymanier, sitzt bei Liebesdingen mit dem „Fräuleinchen“ Franziska aber wie ein verklemmter Pennäler da. Julia Sylvester als Franziska hippelt nervös über die Bühne und zeigt dem ewig stolpernden Just schon mal den Stinkefinger. Anke Stocker als Wirtin hat wenige Auftritte, hinterlässt mit starker Mimik bleibenden Eindruck. Ruhige, starke Theatermomente schaffen aber vor allem Diana Wolf als Minna und Philipp Dürschmied als Tellheim. Mit starker Präsenz und ideal besetzt lassen sie die Worte des Dichter Lessing strahlen inmitten des turbulenten Treibens. Auch das darf Sommertheater, wie der langanhaltende Applaus, garniert mit Jubelrufen aus dem Publikum, beweist.

Das Theater der Stadt Aalen feiert im Schloss Wasseralfingen Premiere mit Lessings „Minna von Barnhelm“.

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