Wie Paul Scharpfenecker Rilke, Rosen und Kunst verbindet

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Blumen, Lyrik und Musik spielen für Paul Scharpfenecker (22) aus Ellwangen eine große Rolle.
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Der 22 Jahre alte Ellwanger ist seit drei Jahren der Kunst verfallen - und hatte bereits mehrere Ausstellungen. Kreativität und der Zufall sind Begleiter des Schaffensprozesses.

Ellwangen.Rilke und Rosen, das inspiriert ihn. Und das führte ihn zur Kunst, oder die Kunst führte ihn zu Rilke und Rosen. Wie dem auch sei: Seit drei Jahren ist Paul Scharpfenecker der Kunst verfallen. Wieder. „Ich komme aus einer künstlerischen Familie und hatte früh den Zugang zu Pinsel und Leinwand“, sagt der 22-Jährige, der vor Kurzem seine Werke auf Schloss Ellwangen präsentierte. Pauls Kunstwerke sind abstrakt. Auf den zweiten und dritten Blick erkennt der Betrachtende immer mehr Details – so geht es auch dem Ellwanger selbst. „Ich lerne viel von meinen Werken.“ Außer Öl-, Acryl und Hausfarbe, außer Kreide, Kohle und Bleistift, sei auch der Zufall Begleiter des Schaffensprozesses. „Es sind Dinge in meinen Bildern, die ich mir nicht erklären kann.“ Bei „Love will tear us apart“ etwa, habe er eine herzähnliche Form geplant. Dass im Innern des Herzens zwei Gesichter sind, die sich küssen, habe er später entdeckt.

Entdecken kann Paul, der in Aalen eine Ausbildung zum Grafikdesigner macht, vieles in Rainer Maria Rilkes Gedichten. „Man ist im Begriff, die Texte zu verstehen, blickt aber nicht ganz dahinter“ – ähnlich wie bei seinen Bildern. Worte des Lyrikers hat er auf Leinwänden verewigt, in unleserlicher Schrift. „Das ist gewollt, es lädt den Betrachtenden zum Interpretieren ein“, sagt der Mann mit Oberlippenbart.

"Es gibt etwas Schönes in der Melancholie."

Paul Scharpfenecker

Blumen tauchen immer wieder auf in Pauls Bildern, die er für 100 bis 400 Euro verkauft. Für ihn sind sie eine Metapher für Melancholie oder für etwas Zerbrechliches. „Es gibt etwas Schönes in der Melancholie“, betont er.

Die Kunst, die bringe ihn voran, sagt Paul, der unter anderem inspiriert wird von Gerhard Richter und Andy Warhol. Und sie stellt ihn vor Herausforderungen. Seine Werke seien sehr intim. „Ich musste mich trauen, damit an die Öffentlichkeit zu treten.“ Fast alle Bilder hat er bei seiner jüngsten Ausstellung verkauft. Fällt es ihm schwer, diese herzugeben? „Ich freue mich, wenn jemand kommt und meine Bilder schätzt“, betont er. Doch etwas Wehmut schwinge mit.

Für den Ellwanger ist Kunst ein Ausweg aus dem Alltag, ein Zufluchtsort. Vielleicht will er später noch Kunst studieren, vielleicht als Künstler arbeiten. Fürs Erste will Paul mit anderen Materialien experimentieren, Fotografien übermalen, gegenständlicher werden. Sicher ist: Rosen und Rilke werden ihn begleiten.

Paul Scharpfenecker hat zwei Skulpturen ausgestellt.
Paul Scharpfenecker hat zwei Skulpturen ausgestellt.
Blumen, Lyrik und Musik spielen für Paul Scharpfenecker eine große Rolle.

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