Wittichs großartiges neues Orchester

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Konzert des Aalen Festival Orchester.
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Das neue Festival Orchester mit erstklassigen Musikerinnen und Musikern hatte seine Premiere am Samstag in der Stadthalle.

Aalen. Das Festival Orchester von Gero Wittich ist am Samstagabend zum ersten Mal als komplettes Orchester in Aalen aufgetreten und hat mit einem vorzüglichen Konzert überrascht. Man darf von Sensation sprechen und ganz großer Klasse.

Das Orchester füllte mit bald 40 Menschen das Musikzimmer der großen Stadthalle aus. Der Saal allerdings war weniger als halbvoll. Die neue Qualität des Festival Orchester war im Vorhinein nicht kommuniziert worden: dass ein sehr guter Dirigent ein Orchester von Profi-Musikerinnen und Musikern aus den großen Orchestern der Republik leiten würde.

So war es denn vor kleinem Publikum ein sehr großer Konzertabend. In anderthalb Probentagen hat Gero Wittich das Ensemble zusammengeführt, ausbalanciert und erstklassige Interpretationen der drei Werke des Programms verabredet und eingeübt: Jean Sibelius, Valse Triste (op. 44, 1), die 5. Sinfonie von Franz Schubert, die Sinfonie Nr. 40 von Mozart. Großartige Kompositionen, großartig interpretiert.

Der kurze Valse Triste zu Beginn ließ schon alles hören, was das Orchester unter dem Dirigenten Gero Wittich kann: eine beste Piano-Kultur und geschmackvolle Differenzierung der Lautstärken, hinreißend die vielen Nuancen innerhalb aller dynamischen Bereiche. Sämtliche Einsätze in allen Programmteilen gespielt wie von einer Hand. Die Interpretation des Trauerstückes ließ den Walzer als Tanz erkennen, in der Musik wuchs der Trost.

Die Schubert-Sinfonie glänzte von Musikalität des Ensembles unter dem intensiven und präzise führenden Dirigat. Die Musikerinnen und Musiker strahlten Ambition und Begeisterung aus und spielten prächtig in jeder Hinsicht. Und Wittich gestaltete das Werk mit einer eigenen, unbekümmerten, aber werkgerechten Interpretation. Der zweite Satz zum Beispiel kam nicht wie in vielen üblichen Aufführungen als elegischer Trauermarsch daher, sondern belebt und mit sehnsuchtsvoller Spannung.

Die 40. Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart ist berühmt, vielleicht auch zu oft für alle möglichen Zwecke missbraucht, vielleicht auch zu oft gespielt. Wittich führte sie wie neu vor, belebt, differenziert, präzise bis ins Kleinste. Der erste Satz mit dem überberühmten Thema energisch, mit dramatischen Crescendi, im zweiten Satz musizierte Melancholie. Der dritte Satz, mit leichter Hand gespielt, mildert die Schroffheit der Komposition, das Menuett wird als Lebenslauf-Metapher erlebbar. Schließlich das Finale im sehr schönen, raschen Tempo, entschlossene Akzentuierung, wunderbare Phrasierungen.

Das Publikum jubelte und applaudierte lange und schien das Konzert beglückt zu verlassen, auch ohne Zugabe.

Ach, wie wäre das schön, wenn Gero Wittich mit dem Orchester öfter solch ein Festival in seine Heimatregion bringen könnte.

Konzert des Aalen Festival Orchester.
Konzert des Aalen Festival Orchester.
Konzert des Aalen Festival Orchester.

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