Wo Nonsens aus dem Liegestuhl zu purer Poesie wird

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Mag es gerne gemütlich. El Mago Masin beim Stiftsbund.

Der Musikkabarettist „el mago masin“ vergiftet seine Pointenpfeile gerne mit schwarzen Humor.

Ellwangen. Wo er recht hat, hat er recht. „Wir müssen es uns gemütlich machen“, formuliert „el mago masin“ sein Credo zu Beginn der Stiftsbundveranstaltung im Atelier Rudolf Kurz.

Einladend wartet dazu auf der Bühne ein roter Liegestuhl, aus dem heraus er ab und zu in den kommenden zwei Stunden die großen Fragen der Welt stellen und sie auf seine Weise beantworten wird. Warum steht beispielsweise ein einzelner linker Schuh auf der Standspur der Autobahn? Das Phänomen daran: Es handelt sich nach seinen Beobachtungen immer um einen linken Treter. Nur sollte man seiner Beobachtungsgabe ebenso wenig trauen wie seinen meist in Liedform verpackten übrigen Ein- und Auslassungen.

Ansonsten verwandelt der hochgewachsene Schlacks mit den Dreadlocks und den langen schlanken Fingern, mit denen er virtuos seine Gitarre zupft, Nonsens in pure Poesie. Manchmal nach dem Motto „reim dich, oder ich fress dich“. Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode, würde Hamlet kommentieren. Immerhin hat der Mann, wie er der Wahrheit verpflichtet verrät, sein Hundchen in einem Schließfach in Frankfurt deponiert, weil er auf dem Weg nach Ellwangen in den falschen Zug gestiegen ist. Und, ganz ehrlich, im südchinesischen Meer einen herzkranken Delfin mit einem Defibrillator behandelt. Mit fatalen Folgen für viele andere Meeresbewohner. Nach den Stromstößen schwammen sie mit den Bäuchen nach oben.

Der Franke vergiftet seine dadaesken Pointenpfeile gerne mit schwarzem Humor. Ob da ein Buddha aus Stein im Baumarkt ausrastet, er froh darüber ist, dass sich im Publikum noch ein weiterer Leidensgenosse mit dem ungeliebten Vornamen Wolfgang befindet; ob er den Kinderwunsch seiner Frau mit einem Igelbaby zu erfüllen trachtet - inzwischen hat er an die 1400; oder sich beim Seniorenyoga im Freien blamiert.

Dieser Kabarettist hat die Gabe, ganz Abseitiges und ziemlich Nahegehendes zielgenau im Gemüt seines Publikums zu verorten. Es dient dem smarten Liedermacher ohne große Umschweife als Chor zur Melodie von „Hallelujah“. Beim Lied vom „Hundetatoo“ jault und bellt es wie im Tierheim. Auch den Refrain zu el mago masins Erfahrungen im Homeoffice hat es drauf: „Denn es ist ja so, sein Bett ist sein Büro“. Zum Dank nimmt er es noch mit auf einen „Wellnessurlaub“, von dem die beteiligten Paare höchst unterschiedliche Vorstellungen haben.

Das letzte Lied dieses Wolfgangs ist natürlich angesichts dieses treuen Publikums wieder voll anzüglich: „Willkommen auf der Ü-70-Party“. Trotzdem bewahrt es ihn nicht vor „Zugabe“-Rufen. Er revanchiert sich mit einem schwarzen Lied zum Mitsingen, dem „Hepatitis-Song“ (von A bis Z). Wohl bekomm’s. <Tab/> <Tab/> <Tab/>Wolfgang Nussbaumer

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