Zungenbrecherisch im Mondschein

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Curios Bards im Remspark
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„The curious bards“ begeistern mit alten irischen und schottischen Weisen.

Schwäbisch Gmünd. Musiker aus Südfrankreich interpretieren mit einer Mezzosopranistin aus dem griechischen Thessaloniki irische und schottische Lieder, Tänze, Balladen und andere traditionelle Weisen aus dem 18. und 19. Jahrhundert – die „Vision Europa“, das Motto unter dem das Festival Europäische Kirchenmusik 2022 steht, blitzte beim Konzert auf der Remspark-Bühne wahrlich auf.

Leichte Mädchen, hohe Damen

Sehr zur Freude der rund 400 Zuhörer, die ein mitreißendes Open-air-Konzert erlebten, bei dem einfach alles passte: die Meisterschaft und der Enthusiasmus von „The curious bards“ unter ihrem künstlerischen Leiter Alix Boivert, Barockvioline, und als i-Tüpfelchen Ilektra Platiopoulou, die mit klarem Timbre und Temperament von leichten Mädchen und angebeteten hohen Damen erzählt, von Trinkfestigkeit, aber auch von den Tränen Schottlands, dessen Armee von England ausgelöscht wurde.

Das Konzert beginnt instrumental mit drei irischen Tänzen, deren eingängige Melodie die Zuhörer durch und durch erfüllt. Die neugierigen Barden – so die Übersetzung ihres Namens – machen nicht Musik, die man einfach nur hört, das Publikum ist vielmehr vollkommen erfüllt von der Energie und Vitalität der alten irischen und schottischen Weisen.

Drei Jigs, Reels oder Hornpipes kurz hintereinander zu spielen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm und erweist sich als reizvolles Arrangement – ein nahtloser Übergang oder ein kurzes Innehalten, und schon beginnt ein neues Spiel, dargeboten auf höchstem musikalischen Niveau.

Alix Boivert, Jean-Christophe Morel, Sarah Van Oudenhove, Louis Capeille und Bruno Harlé sind Meister ihres Fachs und bestens ausgebildet in der historischen Aufführungspraxis. Sie spielen ohne Noten und mit außerordentlicher Verve auf einem authentischen Instrumentarium, darunter die Viola da Gamba, die Traversflöte, die Zister, ein Zupfinstrument aus der Familie der Kastenhalslauten, der kleinen Schnabelflöte Tin oder Penny Whistle mit sechs Fingerlöchern sowie der Tripelharfe, die traditionell in Wales verwendet wird und deren Saiten in drei Ebenen angeordnet sind.

„By Moonlight on the Green“ lautet der Titel eines Liedes und des ganzen Programms. Fast schon zungenbrecherisch wird ein Tanz besungen: „Oh how she tript it, skipt it, leapt it, stept it, whiskt it, friskt it, whirld it, twirl'd it …“ – zum schwindelig werden.

Neben den Freuden der Liebe geht es nicht weniger um Bedrängnis und Not, Gefühlslagen, die Ilektra Platiopoulou mit ihrer starken gesanglichen Präsenz vorzüglich zum Ausdruck bringt, daneben völlig fremd klingende Stücke auf gälisch. Die auch auf der Opernbühne versierte Mezzosopranistin zieht alle Register, um in trunkene Rollen ebenso charmant zu schlüpfen wie in die der liebestollen Mable Kelly. Mit tosendem Applaus und Begeisterungsrufen verlangte das Publikum nach Zugaben und kam in den Genuss eines weiteren Liedes und von drei weiteren Instrumentalstücken. Bravo les bardes! ⋌Birgit Markert

Curios Bards im Remspark

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